Auf Besuch im Landtag – Teil 2 "Wo kommen bloß all die Lehrkräfte her?"

  • Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2022 10:22

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vermeldete im Oktober, dass 20.000 bis 30.000 Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland fehlen. In Sachsen sollen es 2.000 sein. Der sächsische Staatsminister für Kultus Christian Piwarz (CDU) dementierte diese Zahl nicht, appellierte stattdessen in den Sommerferien an Lehrerinnen und Lehrer in Teilzeit, doch mehr Stunden zu arbeiten.
Da dem Ressortleiter scheinbar nichts wirksameres einfiel als ein Appell, fragte der ACA bei der Besuchsfahrt im Sächsischen Landtag den Koalitionspartner an und sprach mit Christin Melcher. Sie ist bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Schule und Bildung.

Frau Melcher, es fehlen Lehrerinnen und Lehrer im ganzen Land. Laut Vertreter*innen der Lehrerschaft und der GEW fehlen in Sachsen über 2.000 Lehrkräfte, um überhaupt die Minimalforderungen der Lehrplanabdeckung zu erfüllen. Wie sehen Sie die Situation?
Selten zuvor stand das Bildungssystem so unter Druck wie derzeit. Die Personalnot an sächsischen Schulen – und bundesweit – ist groß. Es fällt in Größenordnungen Unterricht aus und es gibt keine Reserven, wenn Beschäftigte ausfallen. Ich kann die Unzufriedenheit und die Wut der Lehrkräfte, Beschäftigten, Eltern, Schülerinnen und Schüler gut verstehen. Es frustriert und demotiviert, wenn immer wieder betont wird, wie groß die Lücken sind. Ich wünschte, wir würden die Kraft, die hier verloren geht, in das Schließen dieser Lücken investieren. Dafür muss zunächst deutlich werden, wie viele Lehrkräfte wir wirklich brauchen – das zeigt die Lehrerbedarfsprognose, die endlich veröffentlicht werden muss. Zweitens muss der sächsische Haushalt ausreichend Flexibilität zulassen, damit keine Einstellung an einer fehlenden Stelle scheitert – daran arbeiten wir derzeit intensiv. Und schließlich müssen wir weiter alle Anstrengungen unternehmen, um die vorhandenen Lehrerstellen adäquat nach Region, Fächerkombination und Schulart zu besetzen.

Der sächsische Staatsminister für Kultus Christian Piwarz sieht die Rettung in längeren Arbeitszeiten von Lehrer*innen in Teilzeit. Ein Drittel der Lehrkräfte in Sachsen (10.000) arbeitet in Teilzeit. Wie bewerten Sie seinen Vorschlag?
Es gibt gute Gründe und in der Regel sogar einen Anspruch auf Teilzeit. Auch ist Teilzeit nicht gleich Teilzeit, oft sind Lehrkräfte vollzeitnah beschäftigt. Ihnen fehlende Leistungsbereitschaft oder mangelnde Solidarität vorzuwerfen, geht völlig fehl. Da die Belastung hoch und die konkrete Situation höchst individuell ist, finde ich es richtig, das direkte Gespräch zu suchen. Eine gezielte Ansprache ist jedenfalls gewinnbringender, als die Forderung nach einer pauschalen Kürzung von Anrechnungs- und Ermäßigungsstunden.

Mehr als ein Drittel der Vollzeitkräfte in Sachsen arbeitet laut einer von der GEW geförderten Studie durchschnittlich mehr als 48 Stunden pro Woche. Die Überstunden fallen vor allem durch außerunterrichtliche Aufgaben an – wie Digitalisierung von Lehren und Lernen, der Ganztag, die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams, Inklusion, Kinder mit Flucht- und Migrationserfahrungen sowie die Coronapandemie. Wie lässt sich diese Zusatzarbeit anders organisieren?
Wir brauchen mehr multiprofessionelle Teams an Schulen: Schulsozialarbeiter*innen, Schul- assistenzkräfte, Inklusionsassist*innen und Schulpsycholog*innen genauso wie Praxisberater*innen und Berufseinstiegsbegleiter*innen. Die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, kommt allen zugute: Es ermöglicht die individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen und entlastet gleichzeitig die Lehrkräfte, die sich dann besser ihrem „Kerngeschäft“, dem Unterricht, widmen können. Wichtig ist, die verschiedenen Professionen an der Schule gut zu koordinieren. Hier kommt der Schulleitung eine zentrale Rolle zu.

Laut der GEW Berlin sind 28 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte Quereinsteiger*innen, in Sachsen sind es 52 Prozent, an den sächsischen Grundschulen sogar 66 Prozent. Wie gelingt es die Qualität im Bildungsbereich zu erhalten?
Die Zahlen beziehen sich auf vorangegangene Schuljahre – zum aktuellen Schuljahr 2022/23 lag die Quote der Seiteneinsteiger*innen bei rund 12 Prozent – und sie sinkt weiter. Unverändert richtig ist: Es gibt nach wie vor zu wenig grundständig ausgebildete Lehrkräfte. Auf die 1.500 Stellen, die zum 1. August 2022 zu besetzen waren, haben sich nur 890 vollständig ausgebildete Lehrkräfte beworben. Gleichzeitig sinkt aber auch die Zahl der Fachkräfte, deren Erst-Qualifikation überhaupt einen Seiteneinstieg ermöglicht. Ich finde es falsch, Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger als grundsätzliche Gefährdung der schulischen Qualität abzustempeln. Die Allermeisten haben ein hohes Interesse daran, sich entsprechend weiter zu qualifizieren und meistern über Jahre Doppel- und Mehrfachbelastungen. Wichtig ist mir, dass wir weder die Schulen und Lehrerkollegien noch die Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger alleine lassen. Es braucht ausreichend Möglichkeiten und Zeit für Weiterbildung und Begleitung. Idealerweise sind die Menschen, die vor einigen Jahren den Seiteneinstieg gewagt haben, inzwischen längst „vollwertige“ Lehrkräfte.
 
Der Baubürgermeister und das Amt für Schule in Leipzig müssen jedes Jahr sechs Schulen ans Netz bringen, um allen Kindern einen Schulplatz anzubieten. Wo kommt das Personal dafür her?
Wichtig sind attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte. Wir haben mit unseren Koalitionspartnern von CDU und SPD bereits viele Maßnahmen ergriffen, um den Lehrkräftemangel kurzfristig zu lindern und mittel- und langfristig zu beheben. Die Zahl der Studienplätze im Lehramt wurde auf inzwischen 2.700 erhöht. Wir rechnen ab dem kommenden Jahr mit etwa 1.700 bis 1.800 Absolventinnen und Absolventen. In Sachsen studieren inzwischen 18 Prozent eines Abiturjahrgangs Lehramt, im Bundesschnitt sind es 10 Prozent. Daneben haben wir Maßnahmen ergriffen, die den Lehrerberuf attraktiver machen: Die Bezahlung der Lehrkräfte, der Referendarinnen und Referendare wurde deutlich verbessert. Es gibt das Anschlussreferendariat und den Anwärtersonderzuschlag, Ausbildungsstätten im ländlichen Raum und das Programm „Perspektive Land“. Es werden mehrere Modellstudiengänge in der Lehramtsausbildung eingerichtet. Nicht zuletzt haben wir durch die Verbeamtung einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Bundesländern kompensiert. Trotz aller Bemühungen brauchen wir künftig mehr Studierende, die ihr Lehramtsstudium erfolgreich abschließen und auch nach dem Referendariat in Sachsen bleiben. Wir brauchen eine weitere Beschleunigung der Anerkennungsverfahren für Lehrkräfte aus dem Ausland. Und wir brauchen neue, vielleicht unkonventionelle Ideen und Wege – zur Behebung des Lehrkräftemangels wird es nicht DIE eine Lösung geben.

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Auf Besuch im Landtag – Teil 1 "Warum ist das so?"

  • Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2022 10:22

Menschen einmal bei ihrer täglichen Arbeit zu begleitenung und zuzusehen, stärkt das Verständnis dafür, was sie tun und wie sie es tun. Was beim Fliesenlegen oder im Garten- und Landschaftsbau völlig selbstverständlich ist, das klappt im Politikbetrieb nicht so ganz.

„Der Sitzungssaal ist ja halb leer. Das sind ja alles faule Abgeordnete.“ „Was schreien die sich so an, da fehlt die Disziplin.“ Das sind gängige Aussagen des Volkes, wenn es seinen Volksvertreter*innen zusieht. Aber dieses Zusehen findet meist nur am heimischen Fernseher statt oder beim Betrachten eines Fotos in der Tageszeitung – wer denn noch eine liest. Dieses Bild ist allerdings ein winzig kleines im Vergleich zu dem, was Politik noch so macht.

Den Blick weiten, kann ein Besuch in den Parlamenten. Am 9. November fand eine Besuchsfahrt in den Sächsischen Landtag statt. Eingeladen hatte Claudia Maicher, Bündnis 90/ Die Grünen, die ihren Wahlkreis im Leipziger Westen hat und diesen bei der Landtagswahl 2019 als Direktmandat gewann. Im Sächsischen Landtag ist sie Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen für Hochschule, Wissenschaft, Kultur, Medien.

Fröhlich empfängt Maicher die zehnköpfige Besuchsgruppe aus Leipzig im Sitzungsraum ihrer Fraktion im Altbau des Landtages. „Es macht mir total Spaß Menschen da zu haben, die Fragen, Kritik und Denkanstöße mitbringen, die für die Arbeit gut sind“, sagt sie zu Beginn. Sie reizt das Budget für Besuchsfahrten immer gern aus, ist das doch ein gutes Mittel, den Politikalltag den Menschen näher zu bringen. Bei Obst und Getränken kommt die Gruppe schnell auf Maichers Arbeit zu sprechen. Es geht um die allgemeine Zusammenarbeit in einer Kenia-Koalition und Spezielles wie die Finanzierung der 14 staatlichen Hochschulen im Land, was eines von Claudia Maichers Kernthemen ist.

Neben dem Landtag, in dem sie eigentlich die geringste Zeit verbringt, ist die Zweiundvierzigjährige viel im Land unterwegs, an Hochschulen, in Kultureinrichtungen. Die meiste Zeit verbringt sie in ihrem Wahlkreis. Das Wahlkreisbüro, oder beser Abgeordnetenbüro, in der Zschocherschen Straße steht vier Tage die Woche offen. „Bei den Menschen mit denen ich gerne und viel zu tun habe, erlebe ich ein großes Engagement. Wir sind ja auch gewählt um etwas zu erreichen“, sagt sie mit Blick auf ihr Arbeitspensum und das ihrer Kolleg*innen. Dieses ist weit höher, als das zu dem die Menschen draußen im Land per Arbeitsvertrag verpflichtet sind. Und sie wischt damit auch das Vorurteil der faulen Parlamentarier*innen vom Tisch. Auch wenn ihr Arbeitspensum und die drei Kinder manchmal schlecht zu vereinbaren sind.

Nach dem sehr schmackhaften Mittagessen nahm die Gruppe auf der Besuchertribüne an der Parlamentssitzung teil. Im Tagesordnungspunkt fünf wurde die „Zweite Beratung des Entwurfs 'Gesetz zur Nachholung gesetzlicher Feiertage im Freistaat Sachen (Sächsisches Ersatzfeiertagsgesetz – SächsErsatzFG)'“ diskutiert. Der Gesetzentwurf der Fraktion Die Linke wurde am Ende abgelehnt. Aber die „Zweite Beratung“ zeigt, dass da schon einmal drüber gesprochen wurde – nämlich in nichtöffentlichen Ausschüssen. Die Parlamentarier*innen hatten sich damit also schon einmal beschäftigt. Im zu diesem Zeitpunkt wirklich nur halbvollen Plenarsaal kam es dann zur Abstimmung, die sehr eindeutig ausfiel.

Im Anschluss an die Sitzungsteilnahme erklären noch einmal Mitarbeitende vom Besucherdienst des Sächsischen  Landtags angestellte Studierende den Politikbetrieb und beantworten den Gästegruppen Fragen. So konnte auch die Anzahl der Parlamentarier*innen geklärt werden. Die Abgeordneten haben unterschiedliche Fachgebiete und häufig auch verschiedene Termine am Rande des Plenums, die sie wahrnehmen müssen. Der Landtag war voll mit Besuchsgruppen von Polizei über Bundeswehr bis hin zu Schüler*innengruppen. Und diese Gruppen können auch um ein Gespräch mit Parlamentarier*innen bitten um aktuelle Politik und Zeitgeschehen zu besprechen sowie offene Fragen und gängige Missverständnisse zu klären.

Ein Besuch in den Parlamenten – ob Landtag, Bundestag oder Stadtrat – lohnt immer. Zu empfehlen ist ein solcher vor allem für Menschen, die wenig über den Politikbetrieb wissen oder Vorurteile pflegen. Der Kontakt zum Besucherdienst des Sächsischen Landtags findet sich unten im blauen Kasten. Wer nicht auf eigene Faust reisen möchte, kann die Angebote der Parlamentarier*innen, wie beschrieben, nutzen. Mehr Informationen dazu gibt es in den Büros der jeweiligen Abgeordneten.

Jedes Jahr besuchen bis zu 27.000 Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von Besucherprogrammen den Sächsischen Landtag in Dresden. Der Landtag kann dabei auf unterschiedliche Art und Weise vor Ort erlebt werden. Sprechen Sie dafür den Besucherdienst an.

Öffnungszeiten Bürgerfoyer:
Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr

Sächsischer Landtag, Besucherdienst
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden
Telefon: 0351 493-5132
Mail: besucherdienst [AT] slt [PUNKT] sachsen [PUNKT] de

 

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Nächster Meilenstein beim Leipziger Brücken-Großprojekt: DB Netz AG beendet Sperrpause

  • Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2022 10:21

Nach mehrwöchiger intensiver Bauzeit mitten im innerstädtischen Wohngebiet hat die DB Netz in Leipzig einen wichtigen (Teil-) Streckenabschnitt zwischen Stötteritz und Engelsdorf fertig gestellt. Insgesamt werden mit Fertigstellung des Projektes (Frühjahr 2024) rund 105 Millionen Euro investiert.

Es entstanden während der Sperrpause im Spätherbst 2022 unter anderem sechs neue Brückenbauwerke, 1.500 m Lärmschutzwände, neue Gleise und Oberbauanlagen. Die Stützwände wurden ebenfalls umfassend erneuert. Insgesamt wurden mit der Inbetriebnahme am 20. November 2022 die Brücken in der Cunnersdorfer Straße, Zweenfurther Straße, am Rietzschkebach sowie der erste Überbau an der Zweinaundorfer Straße und Oststraße wieder ans Netz angeschlossen.

Die Sperrpause wurde durch die DB Netz AG umfassend genutzt, um sechs der sieben Brücken zu erneuern bzw. zu finalisieren. Diese wurden teilweise auf der “grünen Wiese“ gebaut, im gesperrten Gleisbereich bzw. unter Hilfsbrücken errichtet. Vier Brücken entstanden direkt neben der Strecke und wurden während der Sperrpause von beiden Seiten eingeschoben. Darüber hinaus wurden die Gleise und die Oberleitungsanlagen auf ca. vier Kilometern Länge erneuert.

Mit den Modernisierungen werden die technischen Voraussetzungen für höhere Geschwindigkeiten in dem Streckenabschnitt geschaffen. Zukünftig kann auf der Strecke statt 60km/h bis zu 80 km/h gefahren werden.

Im Zuge der Bauarbeiten konnte der Lärmschutz für die Anwohner, durch die Errichtung von bereits 1.500 m Lärmschutzwand von insgesamt geplanten 2.300 m, erheblich verbessert werden. Zudem fand neben der Installation von Schienenstegdämpfern die Anpassung der Leit- und Sicherungstechnik sowie des vorhandenen Elektronischen Stellwerke (ESTW) statt.

Projektleiter Mario Pohlenz ist stolz auf die Leistung seines Teams: „Mein Team und ich haben Nachhaltiges für die Stadt Leipzig geschaffen. Die neuen Brücken werden auch in Jahrzehnten noch Bestand haben. Wir haben hier nicht nur erhebliche Verbesserungen auf der Strecke geschaffen, sondern auch abseits der Strecke entscheidend in den Lärmschutz investiert. Davon profitieren zum einen die Reisenden und zum anderen natürlich die Anwohner, von denen in den letzten Wochen einiges abverlangt wurde.“

Zwischen Leipzig-Engelsdorf und Leipzig-Stötteritz wurde die innerstädtische Bahnstrecke erneuert, und insgesamt vier Kilometer neue Gleise verlegt. In bis aufs kleinste Detail geplanten Sperrpausen wurden vier neue vorgefertigte Brückenbauwerke an der Cunnersdorfer und an der Zweenfurther Straße mitten im innerstädtischen Wohngebiet in die Endlage geschoben. In den konzertierten Tag- und Nacht-Arbeiten wurden die 3.040 Tonnen Stahlbeton erfolgreich eingeschoben. 

„Das gesamte Projekt erforderte viele Abstimmungen durch die Schnittstellen im innerstädtischen Bauen und natürlich auch mit den Anwohnenden direkt vor Ort“, sagt Mario Pohlenz. „Ein Knackpunkt hier war die Nähe zur städtischen Fernwärmeleitung. Diese musste während der Rammarbeiten abgeschaltet werden, konnte aber planmäßig nach den Arbeiten wieder in Betrieb gehen.“

Als Projekteiter ist Mario Pohlenz für die Einhaltung von Terminen, Kosten und der Qualität zuständig. Bei diesem Bauprojekt galt es gleich mehrere große Herausforderungen zu meistern.  
„Zum einen bauen wir hier innerstädtisch in einer sehr engen Wohnbebauung und müssen jeden Zentimeter nutzen“, zählt Mario Pohlenz auf. „Darüber hinaus gab es leider auch Diebstähle und Vandalismus auf der Baustelle, so wurden Baumaterialien gestohlen und mehrere Bagger in Brand gesetzt“

Ausblick bis März 2024

Der Löwenanteil dieser umfassenden Sperrpause ist abgeschlossen, die S-Bahn rollt seit dem 20.11.2022 wieder. Ebenfalls ist die erste Hälfte des Bahnsteigzugangs des Haltepunktes Anger-Crottendorf fertiggestellt und für Reisende wieder nutzbar.

Weiter geht es bis zur Inbetriebnahme im März 2024 mit der letzten Brücke an der Zweinaundorfer Straße. Derzeit wird ein Gleis auf einem neuen Überbau über die Straße geführt. Die Bauarbeiten am zweiten Brückenbauwerk haben bereits planmäßig begonnen. Mit Fertigstellung der letzten Brücke werden 2024 ebenfalls die beiden Bahnsteige sowie ein barrierefreier Zugang in Betrieb genommen.

Noch mehr Informationen zum Projekt finden Sie innerhalb des BauInfoPortals, unter: www.bauprojekte.deutschebahn.com/p/engelsdorf-stoetteritz

Für Fragen steht die Projektleitung unter folgender E-Mail-Adresse zur Verfügung: bauprojekte-suedost [AT] deutschebahn [PUNKT] com

Zusätzliche Informationen zu baubedingten Fahrplanänderungen erhalten Sie unter: www.bauinfos.deutschebahn.com




Der Quartierbus zur Europäischen Mobilitätswoche wurde gut angenommen

  • Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2022 09:46

Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September 2022 fuhr sieben Tage lang als Test ein Quartierbus der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) durch Anger-Crottendorf. Der Kleinbus verband die Ostwache über die Gregor-Fuchs-Straße und die Grüne Gasse mit dem Stadtteilzentrum Reudnitz (Haltestelle Koehlerstraße). Zurück ging es über Kohlgartenstraße, Comeniusstraße, Hermann-Liebmann-Straße und Wiebelstraße. Gefahren wurde zwischen 10 und 18 Uhr im 20-Minuten-Takt. Das Angebot war kostenlos.
Ziel war es zu testen, wie der Bereich um die Gregor-Fuchs-Straße besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden werden kann. Ein Quartierbus, der an der Haltestelle Koehlerstraße Anschluss zur Straßenbahn Richtung Innenstadt sowie zu weiteren Buslinien bietet, wäre dafür eine Möglichkeit.

Das Fazit aus dem einwöchigen Test fällt positiv aus. Insgesamt nutzten ca. 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils das Angebot. Pro Fahrt waren es im Mittel 2-3 Fahrgäste. Es gab also eine kontinuierliche, aber nicht über-mäßige Nachfrage, dem die eingesetzten Kleinbusse nicht gewachsen gewesen wären.
Besonders groß war das Interesse am Samstag, dem 17. September, als zeitgleich an der Ostwache das Herbstfest stattfand. Zu diesem Fest betreuten die LVB einen Stand und traten dort in regen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Die wenigsten Fahrgäste wurden hingegen erwartungsgemäß am darauffolgenden Sonntag gezählt. Zu den fehlenden Fahrtanlässen kam an diesem Tag noch das schlechte Wetter hinzu.

Die LVB nutzten den Test auch für eine umfassende Fahrgastbefragung, um Wünsche und Hinweise der Bewohn-erinnen und Bewohner des Stadtteils aufzunehmen und in die künftige Planung einfließen zu lassen. Alle Fahrgäste wurden gebeten, bei ihrer ersten Mitfahrt einen Fragebogen auszufüllen. Die Beteiligung lag bei 90%. Das ist deutlich höher, als bei solchen Befragungen üblich und unterstreicht noch einmal das große Interesse an der Aktion. Auch waren die Rückmeldungen durchweg positiv.

Nachfolgend einige Ergebnisse der Befragung:

- Der Bus wurde größtenteils (ca. 50%) für Einkaufswege genutzt. Weitere Fahrtzwecke waren Freizeit, Arbeit und Ausbildung. Ca. 15% der Fahrgäste hatten kein bestimmtes Ziel, sondern wollten einfach mal den Bus ausprobieren.

- Die große Mehrzahl der Fahrgäste würde den Bus auch künftig nutzen, selbst bei einem 30-Minuten-Takt und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Angebot künftig zum normalen MDV-Tarif genutzt werden müsste.

- Die Fahrgäste konnten auch Hinweise und Wünsche für eine veränderte Linienführung aussprechen. Am häufigsten wurde dabei eine Verlängerung zum S-Bahnhof Anger-Crottendorf/ Ostfriedhof genannt, aber auch zusätzliche Haltestellen im Bereich Liselotte-Herrmann-Straße, Breite Straße und Täubchenweg (siehe Grafik).

- Auch die Ausdehnung der Betriebszeiten wurde angeregt (insbesondere ein Beginn um 6 oder 7 Uhr und nicht erst um 10 Uhr), so dass der Bus auch für Berufstätige und Schülerinnen und Schüler nutzbar ist.

Wie geht es nun weiter?

Für die weitere Optimierung des gesamten Straßenbahn- und Busliniennetzes in Leipzig sammeln die LVB Erfahrungen, um das bestehende städtische Nahverkehrsangebot an die Bedürfnisse der Leipzigerinnen und Leipziger sowie an die Standards des aktuellen städtischen Nahverkehrsplans anzupassen. In Übereinstimmung mit der Mobilitätsstrategie 2030 der Stadt Leipzig soll der Verkehrsmittelanteil des Umweltverbunds (Fuß, Rad und ÖPNV) erhöht werden. Dazu soll der städtische Nahverkehr mit verschiedenen Untersuchungen optimiert und erweitert werden. In Zuge dessen wird auch für das Erschließungsdefizit in Anger-Crottendorf eine Lösung gesucht. Die Erfahrungen aus dem Testbetrieb im September fließen nun in diese Planungen ein. Bis neue Linienverbindungen eingeführt werden, kann es aber noch etwas dauern.

                                                                                                                                                                            Leipziger Verkehrsbetriebe









Wie wir klima- und ressourcengerecht wohnen könnten

  • Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2022 09:45

Der Wohnungssekttor ist neben dem Verkehrssektor die große Baustelle zum Erreichen der Klimaziele Deutschlands. Jedes Jahr werden über 50 Milliarden Euro in die energetische Sanierung gesteckt. Trotzdem bleiben die Treibhausgasemissionen in Deutschland bei 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente innerhalb der letzten 10 Jahre nahezu konstant. Dies liegt unter anderem daran, dass die pro Kopf Wohnfläche in Deutschland immer weiter steigt. Mittlerweile liegt diese bei an die 50 m² pro Kopf. „Wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, brauchen wir auch ein Umdenken im Wohnbereich, also mehr gemeinsam statt 'Alles meins'.“, so Klara Geywitz (SPD),  Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen am Karfreitag 2022. Ferner verwies sie darauf, dass grundlegend anders gebaut werden müsste – mit kleineren Wohnflächen, aber größeren Gemeinschaftsflächen.

Wie so etwas aussehen könnte, wenn 350 bis 800 Menschen auf einem Hektar zusammenwohnen und mehr Gemeinschaftsflächen nutzen, war Thema des Salons der Zukunft am 8. Oktober in der Trinitatiskirche gewesen.  

Gemeinsam genießen, statt einsam verzichten

Die Idee ist recht einfach. Jede*r hat noch seine präferierte Wohnform, allerdings nur noch 20 bis 25 m² pro Kopf. Es muss niemand Angst haben die gewohnte Umgebung verlassen zu müssen, wenn die eigenen Kinder ausziehen, denn die Wohnungen sind so gestaltet, dass diese getrennt oder zusammengelegt werden können. Zudem trägt jeder der ca. 500 Mitbewohner*innen zusätzlich 2 bis 4 m² zu einer gemeinschaftlich genutzten Wohnfläche bei. Damit umfasst das so entstehende Mikrozentrum 1.000 bis 2.000 m². Da es allen gehört, bestimmen auch alle mit, wie es ausgestaltet wird. Dort kann es zum Beispiel ein Restaurant geben. Dieses ist Anlaufstelle für alle Mitbewohner*innen, die Kontakt suchen. Niemand muss etwas kaufen, denn das wurde so von allen festgelegt. Ein Klavier lädt ein die Nachbarschaft musikalisch zu unterhalten. Brettspiele können jederzeit von der Ludothek kostenlos ausgeliehen werden. Wer will kann Leckereien seiner Mitbewohner*innen aus der Frischetheke holen. Oder man kocht selbst etwas, unterstützt von der angestellten Küchenhilfe. Die Lebensmittel stammen zum Großteil aus einer kooperierenden solidarischen Landwirtschaft. So werden die  Preistreiber für ökologische Lebensmittel und nachhaltige Landwirtschaft vermieden. Zudem werden die Lebensmittel zum Großteil zentral gelagert – 24 Stunden zugänglich, ein bis zwei Minuten von der eigenen Wohnung entfernt. Gerade Singles haben sich deshalb für die Frischetheke und gegen den Kühlschrank in der eigenen Wohnung entschieden. Dies reduziert die Lebensmittelverschwendung und es wird Energie gespart. Zudem hat die Genossenschaft sich für einen Kindergarten entschieden, wo die ca. 30 Kinder im Vorschulalter gerne auch einmal von einer Nachbarin eine Geschichte vorgelesen bekommen. Dazu gibt es eine kleine Bibliothek, einen Waschsalon, ein Tauschlager und einen großen Pool mit Saunabereich. Alles in allem hat man den Eindruck, man Betritt eine große Lobby eines 4 Sterne-Hotels, sobald man das Mikrozentrum betritt. Einige bringen sich 2 bis 3 Stunden in der Woche im Mikrozentrum ein, andere tragen lieber zur Finanzierung von Angestellten bei. Da vieles in der Nachbarschaft geteilt wird und man unabhängig ist von Mietpreisspekulanten, haben sich viele dazu entschieden nur noch 30 Stunden pro Woche zu arbeiten. Mehr Zeit statt Zeug lautet die Devise.

Anlaufstellen für Nachbarschaft im Leipziger Osten

Doch wie kann man Menschen kennen lernen, die sich für solch eine Lebensweise begeistern lassen? Dazu benötigt es Akteure im Stadtteil, die Nachbarschaften zusammenbringen und bei der Umsetzung eigener Ideen unterstützen. Dies ist mit ein Ziel der drei Akteure, die sich beim Salon der Zukunft  ebenfalls vorgestellt hatten. Der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. legt einen besonderen Fokus darauf über Entwicklungen im Stadtteil zu informieren. Die Dresdner59 versteht sich als von jedem gestaltbare, interkulturelle Räumlichkeit. Der Ostwache Leipzig e.V. will über 2.500 m² für Initiativen und Projekte zur Verfügung stellen und lädt die Nachbarschaft ein, das nichtkommerzielle Nachbarschaftszentrum von Anfang an mitzugestalten. Alle drei Initiativen sind ideal um zusammen mit seinen Nachbar*innen den Mut zu finden, neue Wege gemeinsam zu gehen. Denn dies ist dringend notwendig, um einen zivilisationsgefährdenden Klimawandel abzuwenden.
Beim nächsten Salon der Zukunft am 14. Januar 2023 von 15 bis 17 Uhr werden sich verschiedene Initiativen aus Leipzig vorstellen, die beim solidarischen und ökologischen Wohnungsbau unterstützen. Mit dabei ist das Netzwerk Leipziger Freiheit, eine Initiative der Stadt die verschiedenste Akteure zusammenbringt. Kommen Sie vorbei! Ge-nießen Sie einen Nachmittag bei guter Jazz-Musik und lernen sie Akteure Leipzigs kennen, die zeigen, dass neue Wege möglich sind.

                                                                                                                                                                                        Stefan Zahn, Salon der Zukunft
                                                

Der nächste Salon der Zukunft:
14. Januar 2023, 15 bis 17 Uhr
Trinitatiskirche Anger-Crottendorf
Thema: Wohnraum für Menschen, statt für Profite
Mehr Infos: www.s4f-leipzig.de/salon






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