Neuer Wertstoffhof im Leipziger Osten

  • Veröffentlicht: Mittwoch, 20. Januar 2021 21:45

Am 16. November wurde der neue Wertstoffhof in der Geithainer Straße 13 eröffnet. Damit schloss die Leipziger Stadtreinigung die Lücke, die der im März 2019 geschlossene Hof in der Bernhardstraße riss.

"Ich freue mich sehr, dass die Leipzigerinnen und Leipziger nun eine neue Sammelstelle im Osten der Stadt bekommen, wo sie Sperrmüll, Elektroschrott, Gartenabfälle und andere Wertstoffe abgeben können", erläutert Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal. "Mit diesem modernen Wertstoffhof erfüllen wir auch alle Maßgaben nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und können die verschiedenen Abfallarten direkt vor Ort separieren und umweltfreundlich in den Kreislauf zurückbringen."


T. Kretzschmar, E. Franz, H. Rosenthal (v.l.n.r.) bei der Eröffnung; Foto: Stadt Leipzig

Der neue Wertstoffhof (WSH) ist von der Nutzungsfläche her der Größte in der Stadt. Thomas Kretzschmar, Erster Betriebsleiter des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig (EB SRL): "Die optimierte Verkehrsführung und Containerlogistik sollen die Wartezeiten reduzieren und dadurch eine höhere Leistungsfähigkeit ermöglichen. Im Zuge der Eröffnung haben wir zum Jahresende auch den Vertrag mit einer Fremdfirma zur Betreibung des Wertstoffhofes in der Stöhrerstraße gekündigt. Denn die Kapazitäten des Hofes in der Geithainer Straße 13, der nur wenige Kilometer entfernt ist, reichen auch für die Entsorgung der Abfälle aus Abtnaundorf, Neustadt-Neuschönefeld und Schönefeld. Außerdem bieten wir bürgerfreundlichere Öffnungszeiten auf unserem Hof an."

Von April bis November 2020 waren auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Deutschen Bahn Freiflächen grundhaft ausgebaut, Einfriedungen für Grundstück und Einfahrtstor errichtet sowie eine Mauer als Schallschutz zur anliegenden Kleingartenanlage aufgebaut worden. Um künftig Regenwasser zur Entwässerung der Pflasterflächen abzufangen, wurde zudem eine Versickerungsanlage errichtet. Die Mehrzweckhallen auf dem Gelände dienen als Lagerraum. Der Annahmebereich für Elektroschrott wurde zur Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen komplett überdacht und eingehaust.

"Wir haben insgesamt 1,55 Millionen Euro investiert, um den Leipzigerinnen und Leipzigern einen modernen und nutzerfreundlichen Wertstoffhof bieten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen ermöglichen zu können", fasst Elke Franz, Kaufmännische Betriebsleiterin des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig zusammen. Den Beschäftigten steht vor Ort ein Service-Container mit Aufenthaltsbereich und sanitären Anlagen zur Verfügung.


Containerparade; Foto: Stadt Leipzig

Wie weiter Anger-Crottendorf?

Im März 2019 waren viele Anwohnende aber vor allem die Menschen im Kleingartenpark erzürnt, als der alte Wertstoffhof schloss, kurze Wege länger und kein Ersatz in Sicht war. Auch damals schon gab es Gerüchte, die Stadtreinigung Leipzig möchte die Anzahl der Wertstoffhöfe (bisher 16) verkleinern – auch mit Blick auf die Kosten, denn im Durchschnitt fallen pro Wertstoffhof jährliche Kosten in  Höhe von 465.000 Euro an. Leipzigs Partnerstadt Frankfurt am Main betreibt z.B. nur sechs Wertstoffhöfe.

Wie die Strategie des Eigenbetriebes aussieht, erfragte die CDU-Fraktion in der Novembersitzung im Stadtrat (Vorlage – VII-F-01900). Die Antworten fielen sehr umfänglich aus. Die Ansprüche an Qualität und Gesetzmäßigkeiten „werden auch unter Berücksichtigung der Grundstücksverfügbarkeiten und Gebührenbelastungen aus Sicht des EB SRL mit zentralen, gut ausgebauten WSH umzusetzen sein“.

Heißt also, mittelfristig wird es weniger Wertstoffhöfe im Stadtgebiet geben. Die Kündigung „des Vertrages mit einer Fremdfirma zur Betreibung des Wertstoffhofes in der Stöhrerstraße“ zeigt die Strategie hin zu mehr Zentralisierung. Aber „die Bündelung von Finanzen und personellen Ressourcen“ erlaubt „eine wirtschaftliche Betreibung im Sinne aller Gebührenzahler“, es steigt die „Qualität der fachlichen Beratung“, es wird „bürgerfreundlichere Öffnungszeiten“ geben und durch eine „Optimierung der Logistik werden überfüllte Container vermieden“. 

Na das ist doch auch was. Besser wäre es natürlich, die Stadtreinigung würde ihr Angebot zur Vor-Ort-Abholung ausbauen und niedrigschwellig halten und die Bürger*innen würden einfach weniger wegwerfen, dafür Dinge länger nutzen.

Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


Anger-Crottendorfer Zahlensalat

  • Veröffentlicht: Dienstag, 12. Januar 2021 16:06

Im September hat das Amt für Statistik und Wahlen den neuen Quartalsbericht veröffentlicht. Die erste statistische Auswertung für das Jahr 2020 erschien also erst im Herbst – ungewöhnlich.
Da spielt die Pandemie sicher auch eine Rolle, ausschlaggebend waren aber die Wahlen (Europa, Stadtrat, Ortschaftsrat, Landtag, OBM) der letzten eineinhalb Jahre, welche Kräfte im Amt banden und eine statistische Betrachtung zu den Veränderungen in der Stadt verzögerten.

Nun ist der Statistische Quartalsbericht I/ 2020 da. Das ist ein guter Anlass, um ganz generell mal auf ein paar Zahlen zur Entwicklung im Stadtteil der vergangenen Jahre zu schauen. Was ist passiert zwischen 2009 und 2019?

Anger-Crottendorf wächst, wird jünger und autoärmer

In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Einwohnerzahl in ganz Leipzig enorm. Die Stadt stand jahrelang deutschlandweit an der Spitze mit einem Nettowachstum von mehr als 10.000 Menschen. Lange Zeit noch verschlafen – in einigen Dingen auch heute noch – wuchs die Einwohneranzahl auch in Anger-Crottendorf. Von 2009 bis 2019 stieg diese um ein gutes Viertel auf jetzt 12.057. Gleichzeitig stiegen auch die Baugenehmigungen für Wohngebäude kontinuierlich. Wurde in den Nullerjahren jedes Jahr nur eine einstellige Anzahl an Wohngebäuden im Stadtteil saniert, stieg diese Zahl in den Zehnerjahren auf eine zweistellige Anzahl jedes Jahr. Inzwischen sind unsanierte und unbewohnte Gebäude in Anger-Crottendorf eine Ausnahme.

Das Durchschnittsalter sank seit 2009 um drei Jahre auf 36,9. Die Jugendquote (Zahl der Einwohner im Alter von unter 15 Jahren zur Zahl der Einwohner im Alter zwischen 15 bis 64 Jahren) sank um ein halbes Prozent auf 18,5%. Aber ebenso sank die Altenquote (Zahl der Einwohner im Alter ab 65 Jahren zur Zahl der Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren). Diese sank sogar stärker als die Jugendquote, von 26,0% auf 17,4%. Die Anzahl der Haushalte wuchs um ein Drittel, die meisten sind 1 Personen-Haushalte (60%).

Liest sich also so, dass ein Großteil junger Menschen dazu gekommen ist, die studieren, lernen oder ihre Karriere in Leipzig starten bzw. fortsetzen. Menschen mit einem strukturierten Alltag und mit gefestigten Bindungen sind auch weniger kriminell. Die Anzahl der Straftaten pro 1.000 Einwohner stieg in den letzten zehn Jahren nur um 7%. Anger-Crottendorf ist also ähnlich kriminell wie 2009, trotz des starken Bevölkerungswachstums. Oder anders ausgedrückt, die „Ureinwohner“ waren damals deutlich krimineller als die heutige Gesellschaft.

Die Anzahl der privaten PKW im Stadtteil stieg in der Zeit um 25% und ist im Stadtvergleich (336 PKW auf 1.000 Einwohner) unterdurchschnittlich (275). Zudem ist Anger-Crottendorf einer von drei Stadtteilen in denen die Anzahl der privaten PKW je 1.000 Einwohner über 18 Jahren von 2018 auf 2019 am stärksten zurückging (-5) – auf 325 private PKW auf 1.000 Einwohner über 18 Jahren.

Hinweis: In der Sommerausgabe des Anger-Crottendorfer Anzeiger findet sich die Zahl, dass „über 70% der Einwohnenden gar kein Auto“ haben. Diese Prozentzahl bezieht sich auf alle Einwohnenden, also auch Kinder. Im Quartalsbericht I/ 2020 gibt es nun eine weitere Spalte in der der Fahrzeugbesatz „je 1.000 Einwohner über 18 Jahren“ ausgewiesen wird. Dort findet sich die Zahl 325 private PKW. Wie man es auch dreht und wendet, die Mehrheit der Menschen in Anger-Crottendorf hat kein Auto und ist trotzdem mobil.

Wie weiter Anger-Crottendorf?

Das Anger-Crottendorf in einer wachsenden Stadt nun auch erwacht ist ein gutes Zeichen. Junge Menschen siedeln im Viertel, wohnen nicht nur für kurze Zeit, sondern leben hier. Mit dem Wachstum in der jungen Kohorte geht aber auch einher, dass diese Familien gründen und Kinder bekommen. Dann braucht es mehr Kitas und Schulen. Da dies lange nicht auf der Agenda der Stadtverwaltung stand, muss nun zügig aufgeholt werden. Und es ist schon viel passiert. Der Campus Ihmelsstraße entsteht und wird sich für vielfältige Aktivitäten im Quartier öffnen. Die Grundschulen sind durchsaniert, aber fast voll (mehr dazu im Artikel „Summer Crottendorf“ in diesem Heft). Die Kita „Sonnenblume“ zieht vorübergehend um. Das marode und in Teilen nicht mehr nutzbare Gebäude wird abgerissen und an selber Stelle neu errichtet.

Das Thema Verkehr wurde – ja, in den letzten dreißig Jahren – völlig vernachlässigt und sich selbst überlassen. Das Ende vom Lied kann erlebt werden auf zugeparkten Gehwegen, Ecken, Grünflächen. Und ein jeder behauptet ein Auto ganz dringend zu brauchen, obwohl eine nicht zu übersehende Anzahl der Fahrzeuge Stehzeuge sind. Ob da ein verbessertes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr hilft (die Bahn baut noch bis 2024 an der S-Bahn-Strecke, Bus- und Tramstrecken sind im Gespräch), oder eine echte Förderung von Fuß- und Radverkehr statt noch mehr Parkplätze, sowie ein konsequentes Durchsetzen der gültigen Regeln (StVO), wird die nahe Zukunft zeigen. Denn es wird ernst in einem vollen Stadtteil.

Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


Digitale Ausstellung: „Meine Begegnung mit der Isolation"

  • Veröffentlicht: Dienstag, 12. Januar 2021 10:16

Im aktuellen Anger-Crottendorfer Anzeiger (ACA) berichtete Kerstin Köppen über die Ausstellung „Meine Begegnung mit der Isolation“. Im Rahmen des Ostlichter-Stadtteilkulturfestivals 2020 konnten die Objekte in Texten und Bildern über die Zeit der Quarantäne im Leipziger Osten im blauen Sand | Raum für Gemischtes, Trinitatisstraße 9 angeschaut werden.
Die Pandemie macht es nun möglich, wer die von Bea Nielsen kuratierte und initierte Kunst verpasst hat, kann diese nun noch einmal in einer digitalen Ausstellung bewundern.

Alle Texte und bildnerische Arbeiten werden exklusiv auf der Homepage von Bea Nielsen präsentiert. Unter https://beanielsen.com/das-konzept/ kann dort außerdem gesprochene lyrische Texte angehört werden. Darüber hinaus gibt es Bewegendes über die Isolationszeit der verschiedenen Ausstellenden aus unterschiedlichen Hintergründen und Lebensaltern im ersten Lockdown. Vor allem sei hier auf die Gespräche mit Seniorinnen und einem Mitarbeiter des Seniorenbüros „Inge&Walter“ hingewiesen!

Der Text zur Finissage der Ausstellung im Oktober aus dem ACA stellen wir hier noch einmal ein. Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.

Ausstellung: „Meine Begegnung mit der Isolation"

Die Ausstellung "Meine Begegnung mit der Isolation" im blauen Sand | Raum für Gemischtes ist mit einer gelungenen Finissage zu Ende gegangen. Die Ausstellung, kuratiert und initiiert von Bea Nielson lief im Rahmen des Ostlichter Festivals vom 17.09. - 08.10. 2020 in Anger-Crottendorf.

Die Lesung startete leicht verzögert, nachdem die Reihen sich etwas verspätet dann doch coronalike gut gefüllt hatten. Dort sorgte der begabte Zeilenschreiber Felix E. Farwick für ein besonders vergnügliches und inspirierendes Hörerlebnis. Das Warten hatte sich absolut gelohnt. Merci dafür, Felix! Schön war es auch, dass einige, die sich bis dato die Ausstellung noch nicht ansehen konnten, die Einladung zum letztmaligen Rundgang gerne annahmen.

Zum Hergang: Zunächst wurde ein Open Call (Auschreibung) zur Ausstellung mit folgendem Text von Bea Nielsen ins Leben gerufen: "Das Leben im Osten von Leipzig ist inter- und subkulturell, liebenswert chaotisch und nachbarschaftlich – mit einem Wort: bunt. Es ist aber auch arm, beengt und einsam. Leben hier ist genauso Hundekacke, Zerfall und Sanierung, echte Solidarität und wird immer teurer.

So unterschiedlich die Lebensentwürfe und -bedingungen der Menschen, so verschieden ihre Wahrnehmung der Isolation in der Zeit der Quarantäne: Während es für die einen Zeit zum Besinnen, Zusammenrücken in der Familie oder WG und den Glauben an die Chance einer besseren Gesellschaft war, bedrängten andere Existenzängste, lebte mancher in tiefer Einsamkeit und auf engsten Raum. Das Wort Struktur erhielt für alle eine nie gekannte Dimension. Auch Solidarität mit den Geflüchteten auf Lesbos und den Benachteiligten im Viertel wurde groß geschrieben.

Wie haben die hier lebenden Menschen die Zeit der sozialen Distanz empfunden? Was für selbstgemachte Bilder oder Videos, welche Art von gesprochenen oder geschriebene Texten sind entstanden? Wie haben die Nachbar*innen einen kreativen, vielleicht auch politischen Umgang mit der für alle irgendwie krassen Situation gefunden?

Im Rahmen des Ostlichter-Stadtteilkulturfestivals 2020 entstand über diesen Zeitraum im Leipziger Osten eine auf Teilhabe setzende Ausstellung von allen für alle, die eben diese Besonderheiten des Stadtteils sichtbar, hörbar und erlebbar machte.
Eingeladen war jede*r unabhängig von Herkunft, Alter und Geschlecht, der*die im Leipziger Osten lebt oder hier künstlerisch tätig ist. Gefragt waren Medien aller Art sowie Texte, die in der Zeit entstanden sind oder diese reflektieren."

Die Zeit vergeht wie im Fluge und inzwischen wurde der blaue Sand wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt: Ein Begegnungs- und Workshop-Raum in Anger-Crottendorf. Bea Nielsen und das Team vom blauen Sand schauen mit gutem Gefühl auf das Ausstellungsprojekt zurück, wünschen allen Beteiligten, Interessierten und Gästen viel Inspiration und kreative Schaffenskraft und nicht zuletzt wegen des Themas: Big Gesundheit für jeden.

Als Abrundung im Anschluss der Ausstellung kündigen wir einen kleinen Ausblick diesbezüglich an: Nach dem jetzt offiziellen Ende des Ausstellungsprojektes im Rahmen der Ostlichter wird von Bea Nielsen, der Ausstellungsorganisatorin und Künstlerin, eine digitale Version der Ausstellung angedacht. Was allerdings nur durch Fördermittel umgesetzt werden kann und es ist nicht gesagt, dass diese auch bewilligt werden.

Text und Foto: Kerstin Köppen, blauer Sand


(K)eine Quartiers-Garage für Anger-Crottendorf

  • Veröffentlicht: Dienstag, 05. Januar 2021 16:23

Im aktuellen Anger-Crottendorfer Anzeiger (ACA) berichteten wir über den PARK(ing) Day 2020 und den Wunsch der Anwohnenden nach einer Quartiersgarage. Diese soll bei dem illegalen Parkverhalten auf Gehwegen, Ecken, Kreuzungen im Quartier für Abhilfe sorgen. Infolge dieser Veranstaltung und auf Anregung des Bürgervereins formulierte der Stadtbezirksbeirat-Ost noch im September 2020 einen wichtigen Antrag. "Der Stadtbezirksbeirat beantragt die Prüfung, auf der Platzfläche zwischen der ehemaligen Feuerwache Ost und der ehemaligen Karl-Krause-Fabrik ein Parkdeck zu errichten" (Vorlage - VII-A-01885).

Nun liegt der Verwaltungsstandpunkt (Vorlage - VII-A-01885-VSP-01) dazu vor und der ist gespickt mit kleinen Informationshäppchen.

Was zu erwarten war, dass der Interimsparkplatz keinen Raum bietet um ein Parkdeck zu errichten. "Die Einrichtung einer Quartiersgarage auf dem Platz vor der Feuerwache Ost ist (...) räumlich nicht möglich. Die aktuell markierten ebenerdigen Stellplätze in der Platzmitte werden von befahrbaren Verkehrsflächen umschlossen und können so jeweils direkt von diesen aus angefahren werden. Bei Errichtung eines mehrgeschossigen Parkdecks müssen dagegen zusätzliche Rampen und Fahrgassen innerhalb des Parkdecks vorgesehen werden, die einen deutlich größeren Flächenbedarf produzieren, der auf diesem Platz nicht gegeben ist."

Im nächsten Satz wird klar, dass die Autofahrenden und Parkplatzsuchenden - wie auch schon im ACA beschrieben - selbst in der Verantwortung sind. "Generell ist zudem davon auszugehen, dass die Stadt Leipzig keine Quartiersgaragen in städtischer Verantwortung baut und betreibt."

Also bleibt alles so wie es ist? Nicht ganz! Denn im Wichtigen Antrag hatte der Stadtbezirksbeirat-Ost die Verwaltung verpflichtet sich mit dem Parkproblem in Anger-Crottendorf weiterhin zu beschäftigen. "Sollte das Prüfergebnis negativ ausfallen, prüft die Stadtverwaltung bis zum Ende des ersten Quartals 2021 Alternativen und stellt dann drei Möglichkeiten vor, das illegale Parken auf Gehwegen, Ecken, Kreuzungen im Viertel zu verhindern/ unterbinden."

Die Verwaltung wird dem nachkommen, verschiebt aber den Abgabetermin um drei Monate. "Auf Grund des negativen Prüfergebnisses zur Einrichtung einer Quartiersgarage durch die Stadt wird geprüft, ob die Parkordnung im Quartier weiter angepasst werden kann, um die Flächen für parkende Kfz effizienter zu nutzen. Ergebnisse zu den Untersuchungen sollen bis Ende des 2. Quartals 2021 vorliegen und können danach vorgestellt werden. Sollte es zur Umsetzung einer neuen Parkordnung im Quartier kommen, wird die Einhaltung in die Überwachung des ruhenden Verkehrs einbezogen. Eine bauliche Umgestaltung der Straßen ist nicht vorgesehen."

Nun weiß der Bürgerverein aus vorangegangener Korrespondenz und Einwohneranfragen an den Stadtrat: "Die Möglichkeiten zu Schaffung legaler Parkmöglichkeiten sind erschöpft" (Vorlage - VII-EF-00896-AW-01). Was die Verwaltung mit "effizienter zu nutzen" meint, bleibt bis zum Sommer noch ihr Geheimnis. Der Bürgerverein findet es allerdings wichtig, dass "die Überwachung des ruhenden Verkehrs" nicht nur an eine eventuelle "neue Parkordnung im Quartier" gebunden wird.

Das letzte Häppchen des Verwaltungsstandpunktes zur Quartiersgarage betrifft die Zukunft des Ortes auf dem sich heute noch der Interimsparkplatz befindet. Dieser soll umgestaltet werden als Weg zum Parkbogen. Außerdem soll er eine Haltestelle für den öffentlichen Personennahverkehr bekommen – übrigens eine Forderung des Bürgervereins der allerersten Stunde. Und diese Haltestelle wird dann ab dem Schuljahr 2026/27 den Grundschulstandort erschließen, der auf dem Gelände des Garagenhofes Bahndamm Anger-Crottendorf e.V. entstehen soll. Wir hatten dazu auch schon im aktuellen ACA berichtet. „Im Zusammenhang mit der Planung eines neuen Schulstandortes für eine Grundschule sowie der Planung und Realisierung des Bauvorhabens Parkbogen-Ost, ist ein Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes in der Theodor-Neubauer-Straße vor der Feuerwache Ost bereits in Vorbereitung und soll zeitnah starten. Zudem gibt es Planungen der Leipziger Verkehrsbetriebe, dort vor der Inbetriebnahme des Schulstandortes eine neue ÖPNV-Haltestelle bzw. Linienanbindung zu schaffen.“

Mit dem Spatenstich für die Grundschule und dem Abriss der Garagen ergießen sich dann spätestens im Jahr 2024 noch einmal ca. 170 Fahrzeuge ins Viertel. Zeit also, dass die Verwaltung Lösungen anbietet.

Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger (ACA) kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


Mehr Platz für Menschen, anstatt für Autos!

  • Veröffentlicht: Montag, 21. September 2020 13:40

Das war der PARK(ing) Day 2020 Anger-Crottendorf im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche:

viel Zuspruch, gute Gespräche, anregende Diskussionen, erklärende Worte zur Situation von allen Seiten, lecker Kuchen mit Kaffee aus Fairem Handel, Musik und ausgelassen spielende Kinder

Am vergangenen Freitag konnten alle einmal erleben, wie stark parkende Autos den öffentlichen Raum in unserer Stadt dominieren, in dem diese einfach mal nicht mehr da waren. Schon war Platz für Menschen im nördlichen Teil der Neumannstraße. Und die nutzten die Zeit und den Raum. Der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. präsentierte seine Vorstellungen zum „Superblock“ und informierte über den Stand der Mobilitätsstrategie 2030 der Stadtverwaltung und welche Auswirkungen diese auf den Stadtteil haben wird. 

Dazu gab es interessante Gespräche über eigene Autos ohne Nutzen, Car- und Bike-Sharing-Angebote, Home-Office – also all das, was nach Meinung der hartleibigen Granden in Wirtschaft und Politik überhaupt nicht geht, spätestens die Pandemie aber gezeigt hat, dass dies sehr wohl möglich ist. Die Menschen sind mit Kopf und Handeln eben schon viel weiter.

Und auch die Vertreter*innen der Stadtverwaltung Leipzig waren dankbar für diese Veranstaltung, weil sie selbst natürlich das Verwaltungshandeln heute und morgen erklären konnten und die Anwohnenden ihnen ein direktes Feedback geben konnten.

Viele Dank an alle, die mit uns den Nachmittag auf der Straße verbracht haben – ganz besonders sei gedankt Christoph Waack (Radverkehrsbeauftragter, Verkehrs- und Tiefbauamt), Beate Ehms und
Jürgen Kasek (Stadträte), René Zieprich (Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung), Konsum Global Leipzig (Nachhaltiger Warenkorb), Sächsisches Spielezentrum / Ludothek Leipzig (Straßenspielzeug), Wo ist Martin? (Musik)

Auf eine Neues in exakt einem Jahr!


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