Schwarzbuch Betriebskosten – Vonovia-Mieter*innen klagen an

  • Veröffentlicht: Montag, 14. November 2022 20:46

Von unserem Vermieter Vonovia flattern wieder die Betriebskostenabrechnungen ins Haus. Die Mieterinnen und Mieter fragen sich: sind diese nachvollziehbar, sind wieder neue Positionen aufgeführt und ist diese oder jene Abrechnungsposition enorm erhöht. Die Abrechnungen sind inzwischen ein Brief mit sieben Siegeln, vieles ist nicht nachvollziehbar.
So ist die Gebäudeversicherung gegenüber dem Vorjahr um 21,7 % gestiegen, ohne Begründung. Seitdem Vonovia unser Vermieter ist, hat der Betrag von 160,13 € (2016) auf 224,92 € (2020) zugenommen.

Was mutet Vonovia den Mieterinnen und Mietern mit der Betriebskostenabrechnung 2021 zu?

- Die Wasserkosten wurden bei einigen nach Verbrauch, bei anderen nach Wohnfläche abgerechnet, obwohl überall Zähler vorhanden sind. Auf Nachfrage erklärt Vonovia, der Dienstleister habe keine Werte geliefert. Die Auskunft bietet Raum für Spekulationen.

- Die Wasserrechnung stimmt nicht, denn das Abwasser ist mit einem höheren Preis angesetzt als das Frischwasser. Wieso? Die Warmwasser- kosten sind zudem nach Wohnfläche aufgeteilt. Obwohl nicht nach Verbrauch abgerechnet, wird eine Verbrauchserfassung hierfür berechnet.

- Von der Stadt Leipzig liegt eine Rechnung für die Straßenreinigung vor. Neu auf der Betriebskostenaufstellung ist die Position Außenreinigung. Was wurde gemacht? Ist das eine doppelte Abrechnung?

- Die ausgewiesenen Kosten für den Objektbetreuer sind nicht nachvollziehbar. Würde er alle im Leistungsverzeichnis aufgeführten Arbeiten erledigen, müsste er rund um die Uhr arbeiten. In den Schönfelder Höfen – ein Quartier in Schönefeld-Abtnaundorf, das ebenfalls von Vonovia vermietet wird – kassiert Vonovia die Mieterinnen und Mieter mit 83.103,67 € im Jahr für einen Objektbetreuer ab. In Anger-Crottendorf wird es ähnlich sein.

- In einigen Häusern wurde die 25 Jahre alte Heizungsanlage im Winter 2020 ausgetauscht. In manchen Fällen waren die Anlagen komplett ausgefallen. Vonovia schickte den Mieterinnen und Mietern eine Modernisierungsumlage. Die zugehörigen Rechnungen sind nicht nachvollziehbar. Einige haben sich erfolgreich gegen die „Modernisierungsumlage“ gewehrt, einige kämpfen noch und andere haben aufgegeben und zahlen.



Es lohnt sich, gegen undurchsichtige Abrechnungen in Widerspruch zu gehen. Darauf reagiert Vonovia jedoch wenig erfreut, sei es mit ständigen Mahnungen oder der Drohung mit einem Inkassoverfahren. Die Antwortschreiben passen oftmals nicht zu den Widerspruchsschreiben. Man muss raten, wo das Schreiben einzuordnen ist.

Der erste und einfachste Schritt gegen die Betriebskostenfalle ist, die Einzugsermächtigung zu kündigen. Das Bankkonto ist kein Selbstbedienungsladen für Vonovia! Auch den Umgang mit Gutschriften sollte man genau im Blick behalten. Ein Mieter aus Anger-Crottendorf erhielt eine Rückerstattung aus der Betriebskostenvorauszahlung, die er von der kommenden Monatsmiete abzog. Es folgten Mahnungen und Mahngebühren, denn er hatte angeblich seine Miete nicht vollständig gezahlt. Mit Unterstützung der Mieteninitiative Anger-Crottendorf konnte er sich gegenüber Vonovia durchsetzen: Der geforderte Betrag von 90 € und die Mahngebühren von 30 € wurden ausgebucht. Es handle sich um ein Missverständnis, so der Wohnungskonzern.

Mit der Betriebskostenabrechnung wird häufig eine erhöhte Vorauszahlung verlangt. Es ist zu prüfen, ob der Aufschlag berechtigt ist. Vonovia ist bei der Forderung nicht zimperlich.

In Anger-Crottendorf ist an der Adlershelmstraße ein Garagenhof. Die Nutzerinnen und Nutzer zahlen Miete und Nebenkosten. Die Kosten für die Reinigung des Hofes wurden in der Vergangenheit jedoch auf alle Mieterinnen und Mieter der zugehörigen Abrechnungseinheit umgelegt. Vonovia hat hier also doppelt kassiert. Auch in den aktuellen Abrechnungen für Reinigungsarbeiten, die von einer Tochterfirma von Vonovia erledigt werden, ist nicht ersichtlich welche Flächen überhaupt gereinigt werden. Von Vonovia gibt es keine Auskunft.

In Anger-Crottendorf/ Reudnitz gibt es seit einem Jahr eine Mieteninitiative. Gemeinsam mit der schon länger existierenden Initiative in Schönefeld haben wir im vergangenen Jahr eine Einwendungserklärung gegen die Betriebskosten gestartet. Über einhundert Mieterinnen und Mieter beteiligten sich daran. Es wurden Rechnungen und Vertragsunterlagen für die Abrechnungsbereiche angefordert. Die übermittelten Belege sind jedoch i.d.R. Umbuchungen zwischen Konzern und Tochterfirmen und damit keine prüfbaren Rechnungen. Erst im Sommer wurden der Mietengemeinschaft Vertragsunterlagen zur Einsicht vorgelegt. Auch diese sind fehlerhaft und letztlich nicht prüffähig.

                                                                                                                 Ursula Plöse, Mieteninitiative Anger-Crottendorf/ Reudnitz

Die Mietengemeinschaft Anger-Crottendorf/ Reudnitz trifft sich regelmäßig am ersten Montag jedes Monats - das nächste Mal am 5. Dezember um 18 Uhr im Gemeindehaus, Sellerhäuser Straße 7 (im EG, rechts). Eine Informationsveranstaltung zur Betriebskostenabrechnung, an der auch der Mieterverein Leipzig zu Gast ist, findet am 17. November um 18 Uhr im Café Lux, Martinstraße 13, statt.

 

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