Wahlnachlese zur Bundestagswahl 2021

  • Veröffentlicht: Sonntag, 12. Dezember 2021 18:34

Am 26. September waren in Anger-Crottendorf 9.083 Menschen zur Wahl des 20. Bundestages aufgerufen. Insgesamt gaben 6.891 Wählerinnen und Wähler ihre beiden Stimmen ab. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 75,9%. Soweit passt das zum Bundestrend mit 76,9%. Aber das Endergebnis im Stadtteil selbst passt dann doch nicht mehr so, zeigen sich doch gravierende Unterschiede zum Rest der Republik.

Derzeit diskutieren SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP über die Bildung einer Ampelkoalition unter einem Kanzler Olaf Scholz. Wie es ausgeht, wird die Zeit zeigen. Die Koalitionsverhandlungen dauerten noch an, als dieser Text entstand. Die möglichen Koalitionäre planen in der Nikolaus-Woche den Kanzler wählen zu können, der dann eine Regierung aufstellen wird, so die oft wiederholten Bekundungen aus Berlin.

So lange kann der ACA allerdings nicht warten und betrachtet daher das Wahlergebnis in Anger-Crottendorf, den Nachbarstadtteilen und ganz Leipzig ohne eine Kenntnis von der neuen Regierung.

Anger-Crottendorf

Das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 unterscheidet sich deutlich von dem von vor vier Jahren. Es reiht sich allerdings weitestgehend in die Ergebnisse der anderen vergangenen Wahlen aus 2019 ein (Europawahl, Stadtratswahl, Landtagswahl).

Die Zweitstimmen, die über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag entscheiden, verteilen sich in Anger-Crottendorf wie folgt: auf Bündnis 90/ Die Grünen 24,3%, auf DIE LINKE 18,7%, auf SPD 16,6%, auf AFD 11,3%, auf CDU 9,5%, auf FDP 8,6%, auf Sonstige 11,0%.

Damit entschied Bündnis 90/ Die Grünen klar den Stadtteil für sich. Im Vergleich zu 2017 legte die Partei um 140% (plus 14,2%) zu. Ebenfalls steigern konnten sich die SPD (plus 4,5%) und die FDP (plus 1,9%). Alle anderen hier genannten Parteien mussten abgeben, teilweise sogar dramatisch. DIE LINKE, im Ergebnis zwar zweitstärkste Kraft, verlor 7,1%, die AFD 4,1%. Als Wahlverlierer kann hier die CDU genannt werden. Sie halbierte ihren Stimmanteil im Stadtteil (minus 9,6%).

Die Erststimmen, die darüber entscheiden, welcher Direktkandidierende in den Bundestag entsandt wird, verteilen sich in Anger-Crottendorf wie folgt: auf Nina Treu (DIE LINKE) 24,6%, auf Marie Müser (Bündnis 90/ Die Grünen) 18,1%, auf Holger Mann (SPD) 16,5%, auf Jens Lehmann (CDU) 13,8%, auf Christoph Neumann (AFD) 11,5%, auf René Hobusch (FDP) 6,9%, auf Sonstige 8,6%.

Somit erhielt Nina Treu (1684) die meisten Stimmen im Stadtteil, mit großem Vorsprung vor Marie Müser (1235), gefolgt von Holger Mann (1131). Alle traten in diesem Jahr zum ersten Mal an und konnten ggü. den Direktkandidierenden der vergangenen Bundestagswahl überzeugen. Sie legten bei den Einzelstimmen gegenüber 2017 zu: Treu (plus 80), Mann (plus 96), Müser hat sogar 711 Wahlstimmen mehr auf sich vereinen können als noch der Direktkandidat 2017. Jens Lehmann und Christoph Neumann, beide waren schon Mitglieder des letzten Bundestages, stellten sich wieder zur Wahl. Allerdings verloren beide massiv Einzelstimmen, Neumann (minus 198), Lehmann (minus 427). Somit kamen die beiden Erst- und Zweitplatzierten aus 2017 nur noch als Viert- und Fünftplatzierte ins Ziel.

Die Bundestagswahl 2021 bestätigt den Trend der vergangenen Wahlen. Anger-Crottendorf ist ein links-grüner Stadtteil, in dem mal die eine, mal die andere Partei den Sieg einfährt. 43% der Wahlberechtigten gaben einer der beiden Parteien ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2021 (Europawahl 38,7%, Stadtratswahl  48,1%, Landtagswahl 47,0%). Es werden noch mehr, wenn man die SPD als eine linke Partei mit dazurechnen will.


In den Nachbarstadtteilen

Im Vergleich zu Anger-Crottendorf ist Reudnitz-Thonberg noch grüner. Sellerhausen-Stünz, lange Zeit schwarz, brach die Dominanz der CDU, wurde etwas roter.
In Sellerhausen-Stünz gewann die SPD (22,8%, plus 7,6%) vor AFD (17,7% minus 6,0%) und CDU (15,1% minus 8,2%). Auch hier halbierte sich die CDU bei den Zweitstimmen, Bündnis 90/ Die Grünen steigerten sich um mehr als das Doppelte. Den Stadtteil gewinnen konnte Holger Mann mit 21,8% (plus 3,6%). Jens Lehmann, 2017 noch klarer Sieger, verlor und landete mit 21,5% (minus 6,4%) auf dem zweiten Platz. Ihm fehlten am Ende 16 Stimmen.

In Reudnitz-Thonberg gewann Bündnis 90/ Die Grünen eindeutig mit 31,1% (plus 17,3%) der Zweitstimmen vor DIE LINKE 19,2% (minus 7,1%) und SPD 17,6% (plus 4,6%). CDU (7,6%, minus 10,1%) und AfD (7,0%, minus 3,8%) finden hier quasi nicht statt. Die meisten Erststimmen sicherte sich Sören Pellmann, DIE LINKE (29,6%, minus 0,3%) vor Paula Piechotta, Bündnis 90/ Die Grünen(25,6%, plus 12,4%). Die beiden Kandidierenden der AfD und CDU verloren an Stimmen gegenüber der Wahl 2017, Siegbert Droese, AfD (7,3%, minus 2,7%), Jessica Heller, CDU (9,9%, minus 10,6%).

Stadtgebiet

Den Wahlkreis 153 (Leipzig II) gewann Sören Pellmann (22,8%) vor Paula Piechotta (18,4%) und Nadja Sthamer (16,6%). Bei den Zweitstimmen liegt Bündnis 90/ Die Grünen (21,3%) knapp vor der SPD (20,9%). Den Unterschied machten 630 Stimmen.

Den Wahlkreis 152 (Leipzig I), in dem auch Anger-Crottendorf liegt, gewann Jens Lehmann (20,5%) knapp vor Holger Mann (20,2%). Den Unterschied machten 519 Stimmen. Die Zweitstimmen verteilten sich klarer. Die SPD holte mit 20,9% die meisten Stimmen, gefolgt von AfD (15,6%), Bündnis 90/ Die Grünen (15,5%) und CDU (15,0%).

Somit vertreten im 20. Bundestag die beiden direkt gewählten Jens Lehmann und Sören Pellmann die Stadt Leipzig. Über die Listenplätze (Zweitstimme) schafften es noch Holger Mann, Paula Piechotta und Nadja Sthamer nach Berlin.

Bemerkenswertes

In der ganzen Stadt ging die Wahl denkbar knapp aus. Dass Sören Pellmann für den Wahlkreis 153 im Bundestag mit Rückendeckung durch eine Fraktion sitzt, gelang nur, weil er eines von drei Direktmandaten holte. Bundesweit schaffte es DIE LINKE nicht über die Fünfprozenthürde. Lange Zeit galt der Süden Leipzigs als heiß umkämpft. Der Wahlkampf war bisweilen so hart, dass sich die beiden Kontrahent*innen Pellmann und Piechotta auf den diversen Wahlforen nicht mehr grüßten. DIE LINKE oder Unterstützer dieser, niemand weiß es so genau, plakatierte im Endspurt sogar Aufrufe, man solle mit beiden Stimmen DIE LINKE wählen, weil sonst der Wahlkreis an die CDU fällt. Ein klares Foul gegenüber Piechotta und Bündnis 90/ Die Grünen und nicht zutreffend, denn die CDU lief nur auf Platz vier ins Ziel.

So auch im Wahlkreis 152. Dort schaffte die CDU auch nur den vierten Platz, für eine ehemalige Dauersieger-Partei erschütternd mit Blick auf die Stimmenverluste. Jens Lehmann errang zwar das Direktmandat, aber nur um Haaresbreite. Er verlor gegenüber 2017 fast 10.000 Stimmen (minus 6,7%) und hielt sich nur, weil die zentrumsfernen Stadtteile ihn und die CDU wählten.

In Anger-Crottendorf verlor Lehmann klar, wie in vielen zentrumsnahen Stadtteilen. Dabei hatte er doch hier extra einen Verein gegründet, was er auf den diversen Wahlforen auch immer wieder betonte. Genutzt hat es ihm wenig. Der Blick auf die einzelnen Anger-Crottendorfer Wahlbezirke spiegelt das Anger-Crottendorfer Gesamtwahlergebnis wie oben beschrieben. Es ist ein links-grüner Stadtteil. Nur ein Wahlbezirk sticht da etwas heraus. Im Wahlbezirk 2209 konnte Lehmann seinen Konkurrenten Mann mit den Erststimmen überholen – mit 122 zu 105 Stimmen. Der 2209 ist übrigens der Wahlbezirk um die beiden Garagenhöfe Liselotte-Herrmann- und Krönerstraße. Ob die Stimmen an Lehmann den Vereinsmitgliedern nutzt, bleibt abzuwarten. Schließlich: Die Wahl ist vorbei und der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Alle Wahlergebnisse aus den Leipziger Wahlkreisen, unter:
https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/wahlen-in-leipzig/bundestagswahlen/ergebnisse-der-bundestagswahlen/ergebnisse-der-bundestagswahlen-2021



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