Neuer Tausch-Schrank im Lene-Voigt-Park

Seit vielen Jahren schon wird im Lene-Voigt-Park verschenkt und getauscht. Dazu gab es hin und wieder einen festen Unterstand. Los ging es 2015 mit „Lenes Tauschbude“, ein von Tausch-Enthusiasten aus einem alten Schrank gezimmertes Tauschregal. Über die Zeit wurde die Tauschbude immer wieder Opfer von Vandalismus und Vermüllung, sodass die Stadtreinigung den Ort häufig beräumte, inklusive der jeweiligen Bude. Zudem gab es für „Lenes Tauschbude“ – egal in welcher Form – nie eine amtliche Genehmigung.

Seit 23. Oktober ist das anders. Denn nun steht am östlichen Ende des Parks ein neuer Schrank „Lenes Tauscho“. Der ACA sprach zur Einweihung bei einem Glas Sekt mit Aaron Krautheim, Initiator und steter Anschieber des Projektes.

ACA: Wie kam es zu „Lenes Tauscho“?

Aaron: Ich bin oft hier vorbei gefahren. Das war jahrelang mein Schulweg. Ich dachte mir, die Situation hier ist nicht mehr hinnehmbar, das ist einfach wahnsinnig dreckig, obwohl der Gedanke hinter dem Tauschen eigentlich sehr schön ist. Ich hatte Lust auf ein Nachbarschaftsprojekt und ich habe Lust dem Viertel auch was zurück zu geben. Ich dachte mir, neben dem Online-Phänomen, dass es in Leipzig z.B. viele Telegram-Gruppen gibt, wo Menschen quasi die ganze Zeit Dinge tauschen und teilen, wäre es auch schön, einen realen Ort zu haben, wo man das auch tun kann.

ACA: Reudnitz lebt von seinen jungen, kreativen, aktiven Leuten. Hast Du deine Wurzeln auch hier im Stadtteil?

Aaron: Ich bin in der Köbisstraße an der Riebeckbrücke aufgewachsen. Dann war ich lange Anger-Crottendorfer hinten in der Neubauer Straße gegenüber von der Eisdiele. Und ich war auch lange in der Trinitatis-Kirchgemeinde, da quasi erst Kindergarten, dann Kurende natürlich auch Konfi und Junge Gemeinde und so weiter. Dann war ich eine zeitlang in Sellerhausen und jetzt wohne ich in Zentrum West.

ACA: Wer steckt heute hinter dem Projekt „Lenes Tauscho“?

Aaron: Ich verstehe mich als Initiator des Ganzen. Ich habe das auf den Weg gebracht. Ich habe die Finanzierung und Planung gemacht. Das Konzept mache ich zusammen mit der „Verschenke-Kiste“, die bisher in der Wurzner Straße war (der ACA berichtete). Die haben aktuell keine Ladenfläche, sind aber ein gemeinnützigerVerein aus dem Leipziger Osten. Vordergründig stellen sie Kleidung für Menschen zum Tauschen und Teilen zur Verfügung – unentgeltlich – und finanzieren sich über Spenden. Das langfristige Konzept mache ich mit denen zusammen, aber alleine ist das eben nicht stemmbar.

ACA: Wer finanziert(e) euch den Schrank, wie kam das zustande? Sucht ihr immer noch Unterstützende über Crowdfunding?

Aaron: Es gab anfänglich eine Förderung von der Stadt – 3.000 Euro aus dem Stadtbezirksbudget. Nach Corona haben sich in den letzten Monaten die Materialpreise vervielfacht und das hatte ich nicht einkalkuliert. Deswegen musste ich also noch ein Crowdfunding machen. Das Crowdfunding läuft jetzt noch acht Tage bis zum 31. Oktober. Es sind über 3.000 Euro bereits zusammen gekommen. Man denkt es am Anfang nicht, aber es ist dann doch alles deutlich teurer als man sich das vorher ausgemalt hat, gerade, wenn man natürlich lokale Handwerksbetriebe nimmt und auch auf eine faire Bezahlung achtet. Ich habe mir ganz bewusst die Konstruktiv eG rausgesucht – ein Metallbaubetrieb, der eine Genossenschaft ist. Die zahlen einen Einheitslohn und sichern auch Immobilien in der Stadt, dass diese quasi dem Markt entzogen werden. Das ist nochmal ganz spannend. Die gehören zum Mietshäuser-Syndikat und sitzen in der „Betonkiste“ in Leipzig Grünau.

ACA: Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Aaron: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich die Bürgerinnen und Bürger hier im Stadtteil alle zusammen für diesen Tauschschrank verantwortlich fühlen. Dass die Leute, ungefähr 500 bis 800 Menschen pro Tag, nicht nur holen und bringen, sondern dass sie auch mal Müll wegräumen, auch mal wischen, auch mal gucken. Dass die Leute sich also damit verbunden fühlen und das nicht nur so nebenbei nutzen. Das ist eigentlich mein größter Wunsch.

"Lenes Tauscho"

im Lene-Voigt-Park Höhe Albert-Schweitzer-Straße bzw. Kippenbergstraße

www.lenes-tauscho.de
www.instagram.com/lenes_tauscho