VoNO!via - Mieteninitiative in Anger-Crottendorf und Reudnitz gegründet

  • Veröffentlicht: Sonntag, 20. Februar 2022 19:01

In Anger-Crottendorf regt sich Protest. Doch dieses Mal geht es nicht etwa um die für Anger-Crottendorf typische Parkplatzknappheit, sondern um den Mietenwahnsinn. Mindestens 800 Wohneinheiten in Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg gehören inzwischen dem börsennotierten Wohnungskonzern Vonovia SE. Der im DAX notierte Wohnungskonzern möchte durch die Übernahme der Deutsche Wohnen seine Stellung als größter Vermieter Europas sichern. Und damit nicht nur das Unternehmen wächst, sondern auch die Profite, steigen auch in Anger-Crottendorf die Wohnkosten für die Vonovia-Mieterinnen und -Mieter.

Diese schließen sich seit einiger Zeit in der Mieteninitiative Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg zusammen und versuchen, etwas gegen die steigenden Kosten zu unternehmen. Die Initiative trifft sich seit Herbst 2021 regelmäßig – sofern es das Pandemiegeschehen zulässt. Zahlreiche Mieterinnen und Mieter wollen den steigenden und fehlerhaft berechneten Betriebskosten, ausbleibenden Leistungen oder der schlechten Erreichbarkeit etwas entgegensetzen. „Die Miete erhöht sich zuverlässig, aber an den Wohnungen ändert sich nichts, ganze Wohnanlagen verwahrlosen und Leistungen, für die wir bezahlen, werden nur teilweise oder nicht erbracht. Auf Widersprüche und Nachfragen wird teilweise über zwei Jahre lang nicht reagiert, selbst in Notfällen, wie bei Wasserschäden, erreicht man manchmal drei Wochen niemanden. Das zeigt, dass Vonovia nur daran interessiert ist, Profite zu machen“, meint Ursula Plöse von der Initiative, die bereits die Mietergemeinschaft Schönefelder Höfe mit aufgebaut hat. Die Schönefelder Initiative besteht bereits seit fast drei Jahren und kooperiert eng mit der Mieteninitiative Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg.

Vor allem die steigenden Betriebskosten erregen die Gemüter, stehen sie doch in keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen oder der Inflationsrate. Auch bundesweit ist Vonovia dafür bekannt, die Betriebskosten eigenwillig auszulegen und somit Gewinne zu erzielen. So wurden die Kosten für den Winterdienst in Dresden im Jahr 2017 auf die Mieterinnen und Mieter umgelegt, obwohl es in dem Jahr nicht mal geschneit hatte. In Leipzig wurden zum Beispiel Grundstücksflächen zur Grünpflege abgerechnet, die gar nicht in Besitz der Vonovia waren. All dies wurde in gemeinschaftlicher Bearbeitung der Betriebskostenabrechnungen herausgefunden.

Hinter Vonovia steht vor allem ein komplexes Unternehmenskonstrukt. So ist die Vonovia SE nicht nur ein reines Vermietungsunternehmen, sondern unterhält unzählige Sub-Firmen, die beispielsweise Montage-, Handwerks- oder Gartenfirmen umfassen. Das ermöglicht es der Vonovia Rechnungen innerhalb des eigenen Konzerns zu stellen. „Circa 95 Prozent der Einnahmen aus Betriebskosten und Modernisierungsmieterhöhungen der Vonovia stammen aus internen Erlösen. Der Überschuss zu den eigentlichen Kosten betrug in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 etwa 110 Mio. Euro – knapp 7% des Gesamtgewinns“, erklärt Peter Bescherer aus der Betriebskosten-Arbeitsgruppe der beiden Leipziger Initiativen.

Die beiden Initiativen beteiligen sich seit einiger Zeit am VoNO!via-Bündnis, einem deutschlandweiten Zusammenschluss zahlreicher Vonovia-Mieterinnen und -Mieter. Aktuell wird eine bundesweite Einwendungskampagne gegen die Prüffähigkeit der Betriebskosten von Vonovia durchgeführt. „Die Vonovia hat in keinem unserem Bündnis bekannten Fall die tatsächlichen Kosten für Personal, Lieferungen und ausführende Unternehmen vollständig nachgewiesen“, sagt Ursel Beck von den Stuttgarter Mieterinitiativen. „Deshalb fordern wir die ungerechtfertigten Gewinne der letzten Jahre für alle MieterInnen zurück. Es sind Hunderte Millionen Euro.“ In Leipzig-Schönefeld, Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg seien schon 100 solcher Einwendungen zusammengekommen, erzählt Peter Bescherer und ergänzt: „Wir wollen durch die Anforderung und Prüfung der Belege Präzedenzfälle schaffen, um Vonovias fragwürdige Praxis der Betriebskostenabrechnungen zu unterbinden und unbegründete Zahlungen zurückzuerhalten. Damit das funktioniert, rufen wir alle Mieterinnen und Mieter der Vonovia auf, sich an unserer Kampagne zu beteiligen und die Kostennachweise zu verlangen.“

Am 22. Februar 2022 um 18 Uhr bietet die Mieteninitiative Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg allen Mieterinnen und Mietern die Möglichkeit, sich im Rahmen einer online-Veranstaltung über die Kampagne zu informieren, Musterunterlagen zu erhalten und eine Teilnahme zu besprechen. Die Anmeldung hierfür erfolgt per E-Mail, unter: leipzig-mieteninitiative [AT] posteo [PUNKT] net.

Am 12. März 2022 soll um 11 Uhr eine kleine Zusammenkunft im Freien beim Ostwache Leipzig e.V., Gregor-Fuchs-Straße 45-47, stattfinden, um das weitere Vorgehen der Initiative zu besprechen. „Denn“, so Ursula Plöße, „die Betriebskostenkampagne soll ja erst der Anfang sein. Letztlich müssen wir auch auf die Politik Einfluss nehmen, denn die Mietengesetze sind fast alle Mieterhöhungsgesetze und in Leipzig sind alle Instrumente zur Eindämmung steigender Mietkosten bereits ausgeschöpft. Und wenn Unternehmen wie Vonovia die Pflege der Garagenhöfe auf die Mieterinnen und Mieter der angrenzenden Wohneinheiten und gleichzeitig auf die Garagenmieterinnen und -mieter umlegen, und dadurch zweimal für eine Leistung abkassieren, dann scheinen Gesetze auch nicht zu helfen, denn Betrug ist auch heute schon nicht erlaubt“, schimpft die 82-Jährige auf die steigenden Betriebskosten und kommentiert damit letztlich auch die Parkplatzsituation in Anger-Crottendorf.

Mieteninitiative in Anger-Crottendorf und Reudnitz

Kontakt zur Mieteninitiative Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg, unter:

Telefon:  01575 1823106
E-Mail:  leipzig-mieteninitiative [AT] posteo [PUNKT] net
Website: www.mietergemeinschaft-schoenefeld.de

 

 

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