Der Salon der Zukunft

  • Veröffentlicht: Montag, 03. Oktober 2022 17:50

Nichts macht so sehr den Klimawandel persönlich erfahrbar wie eine Hitzewelle. Diesen Sommer wurden in Deutschland erneut Höchstwerte von knapp 40°C erreicht. Insbesondere Städte wie Leipzig sind davon betroffen, da große versiegelte Flächen durch den Wärmeinseleffekt die Temperaturen zusätzlich steigen lassen. Während einige das Privileg klimatisierter Räume haben, müssen andere mit ihrem Leben bezahlen. Zwischen 2018 und 2020 sind in Deutschland mehr als 19.000 Menschen an den Auswirkungen der Hitzewellen gestorben.

Was kommt auf uns zu?

Alle sieben Jahre fasst der Weltklimarat (IPCC) den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Klimawandel in seinen Sachstandsberichten zusammen. Die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger*innen, die in allen Sachstandsberichten enthalten sind, werden dabei Satz für Satz von den Regierungen in einer Vollversammlung unter dem Vorsitz der Wissenschaftler*innen verabschiedet. Dadurch wird ein Standard erreicht, der sich in den Prognosen eher als zu optimistisch für die Menschheit erweist.   
Der letzte Weltklimarat 2021/2022 kam dabei zu folgendem Fazit: 1,5°C Erderwärmung wird in weniger als zehn Jahren wohl erreicht sein. Selbst eine Erderwärmung auf unter 2,0°C zu beschränken wird in naher Zukunft unwahrscheinlich, sofern zeitnah keine signifikante Trendumkehr erfolgt. Derzeitige Zusagen zum Pariser Klimaabkommen führen zu einer Erderwärmung von ca. 2,5°C. Was heißt das konkret?

Auf 34,1 % der Landfläche wird es so heiß sein, dass Menschen an mindestens 20 Tagen im Jahr nicht mehr ohne Risiko vor die Tür gehen können. Legt man die aktuelle globale Bevölkerungsverteilung zugrunde, sind davon mehr als 50% der Menschheit betroffen. Während Europa diesbezüglich verschont wird, wird in großen Teilen der USA und China an mehr als 50 Tagen die Grenze zur tödlichen Hitze überschritten werden. Am meisten müssen jedoch die Menschen am Äquator darunter leiden, diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Nichtsdestotrotz wird die Zahl der Hitzetoten auch in Deutschland weiter steigen, wovon insbesondere ältere Menschen oder Menschen mit Gefäßkrankheiten betroffen sein werden. Dabei ist hervorzuheben, dass in unseren Breiten der Anstieg der Durchschnittstemperatur deutlich über 2,5°C liegen wird. Schon jetzt ist der Jahresdurchschnitt um knapp 2,0°C gegenüber 1960 erhöht. Da Extremwerte stärker beeinflusst werden, werden in Deutschland voraussichtlich Temperaturen jenseits der 45°C Grenze erreicht werden und dann kein historisch einmaliges Ereignis bleiben.

In Europa wird sich noch ein weiteres Problem deutlich bemerkbar machen: Dürren. Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung aus Leipzig hat vor kurzem eine Studie dazu heraus gebracht. Bei einer Erderwärmung von ca. 2,5°C werden sich Dürreperioden, wie wir sie von 2018 bis 2020 kennen, voraussichtlich auf durchschnittlich 100 Monate ausdehnen und 50% von Europa betreffen. Insbesondere in Südeuropa wird die Wasserversorgung ein großes Problem werden. Aber auch in Deutschland werden wir uns langfristig auf Wassersparmaßnahmen im Alltag einstellen müssen.

Zudem gibt es Herausforderungen jenseits der ökologischen Krisen. Ein Blick auf die Alterspyramide Deutschlands zeigt: Unsere Gesellschaft wird in den nächsten Jahren vor enorme Herausforderungen gestellt. Derzeit gibt es 16,6 Millionen Menschen im Alter von 67+ Lebensjahren. Dies entspricht 20% der Bevölkerung. Bis 2040 wird sich diese Anzahl voraussichtlich auf 21,4 Millionen erhöhen und 26% der Bevölkerung ausmachen. Damit stellt sich die Frage, wie Altersarmut in breiten Teilen der Bevölkerung verhindert werden kann. Zudem gibt es schon jetzt einen Mangel an Pflegekräften in Altersheimen und Krankenhäusern.

Eines ist klar: Entweder wird es zukünftig verstärkt zu Konflikten zwischen Arm und Reich kommen oder wir schaffen es, uns als Menschheit zusammenzuraufen, um den Klimawandel soweit zu verlangsamen, dass es eine Zukunft für Alle geben kann.

Lösungsansätze jenseits der materiellen Wachstumslogik

Wie könnte eine klimagerechte Welt aussehen, in der Sozialpolitik nicht gegen Umweltpolitik ausgespielt wird? Dazu hat das Konzeptwerk Neue Ökonomie für 2048 eine Vision mit über 200 Partner*innen entworfen. Das zugehörige Buch „Zukunft für alle“ ist als pdf im Internet kostenlos zugänglich. Es zeigt, was wir gewinnen könnten, wenn wir den Mut haben, uns für Klimagerechtigkeit einzusetzen, aber auch, was schon alles da ist.

Leider werden Lösungsansätze jenseits der Wachstumslogik viel zu wenig verbreitet. Deshalb haben sich die Scientists for Future Leipzig, Churches for Future Leipzig, der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V., der Ostwache Leipzig e.V., die Dresdner59 und die Dreifaltigkeitskirchgemeinde zusammen getan. Mit einer Mischung aus Konzert, Kurzvorträgen und interaktiven Formaten werden im Rahmen des Salons der Zukunft Konzepte für den Wandel vor Ort vorgestellt. Dabei werden auch Initiativen und Projekte aus dem Leipziger Raum mit Vorbildcharakter eingebunden.

Der nächste Salon der Zukunft wird am 8. Oktober von 15 bis 17 Uhr in der Trinitatiskirche (Theodor-Neubauer-Straße 16) im Rahmen der OSTLichter stattfinden. Thema wird sein: „Gemeinsam genießen statt einsam verzichten“. Wir laden Sie herzlich dazu ein. Bringen Sie ihre Freunde und Freundinnen mit. Die Veranstaltung ist kostenlos. Mehr Informationen sind auf der Webseite der Scientists for Future Leipzig zu finden, unter: www.s4f-leipzig.de/salon

Stefan Zahn, Salon der Zukunft


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