Bessere Fußwege erwünscht - aber wohl nicht überall

  • Veröffentlicht: Montag, 31. Oktober 2022 12:44

Leipzig geht die Verkehrswende an und möchte eine Vorzeigestadt für das zu Fuß gehen werden.
Damit Schritt für Schritt mehr Sicherheit und Komfort im Fußverkehr entsteht, hatte die Verwaltung zur Öffentlichkeitsbeteiligung aufgerufen. Zwischen dem 1. Juni und dem 10. Juli gingen größtenteils mittels eines Online-Portals über 2.000 Hinweise zu Schwachstellen und Lücken im Fußverkehrsnetz ein.

In einer Kartenansicht konnten Leipziger*innen ihre Anmerkungen im System hinterlegen und bereits erfolgte Meldungen anhand eines Smileys bewerten. Diese Möglichkeit wurde rund 14.600-mal genutzt. Überwiegend handelt es sich um Meldungen zu Schäden an Gehwegen und fehlenden Querungsmöglichkeiten – vom fehlenden Zebrastreifen an der Bushaltestelle in Kleinpösna bis hin zu gefährlichen Spurrillen auf dem Fuß- und Radweg Gorbitzer Straße.

Der Fußverkehrsverantwortliche der Stadt, Friedemann Goerl, freut sich über die rege Beteiligung: „Sichere, bequeme und verkehrssichere öffentliche Räume sind, wie man sieht, für die Leipzigerinnen und Leipziger von großer Bedeutung. Mit der Fußverkehrsstrategie haben wir den Beschluss gefasst, Leipzig zu einer besonders fußgängerfreundlichen Kommune mit Vorbildcharakter zu entwickeln. Dabei sollen uns nun auch die vielen kleinen und großen Hinweise der Bürgerschaft helfen, die ihren Wert bereits allein darin haben, dass sie ein breites Bild dessen zeichnen, was zum Erreichen dieses Ziels notwendig ist und angepackt werden muss.“

Wer machte mit?

Die Teilnehmer*innen waren überwiegend – zu 68 Prozent – zwischen 31 und 50 Jahren alt, die Gruppe der Über-50-Jährigen machte 22 Prozent aus, etwa 10 Prozent der Hinweisgeber waren jünger als 30 Jahre. Ein Großteil der Meldungen wurde online generiert, andere Hinweise kamen über Telefon, per E-Mail, Brief oder wurden bei Veranstaltungen an Mitarbeiter*innen des Verkehrs- und Tiefbauamtes herangetragen, etwa bei der Ökofete im Clara-Zetkin-Park oder beim Quartiersrat in Grünau.

Die Meldungen pro Einwohner nehmen in den randstädtischen Ortsteilen ab. So kamen beispielsweise die meisten Hinweise (166) von Menschen aus der Südvorstadt, die wenigsten aus Baalsdorf (1). Daher sollen im weiteren Verlauf der Auswertung insbesondere die Ortschaftsräte und Stadtbezirksbeiräte noch einmal eingebunden werden, etwa bei der Priorisierung.

Und in Anger-Crottendorf?

Für Anger-Crottendorf lassen sich ca. 60 Meldungen finden. Auch der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. hatte siebzehn Stellen eingetragen. Die aller meisten davon sind seit Jahren bekannte „Baustellen“ des Bürgervereins. So sollten z.B. die Querungen der Gregor-Fuchs-Straße in Höhe der Friedrich-Dittes-Straße und Sellerhäuser Straße ausgebessert werden und damit ein Lückenschluss erreicht werden. Aber auch den Stadtplätzen in der Theodor-Neubauer-Straße, Ecke Borsdorfer Straße und der Trinitatisplatz in Verbindung mit dem Konsum-Nahversorger (der ACA berichtete jeweils) sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Und die Schulwegsicherheit in der Bernhardstraße zum neuen Ihmelscampus sowie vom Ramdohrschen Park zur Sprachheilschule Käthe-Kollwitz in der Karl-Vogel-Straße waren dem Bürgerverein einen Eintrag wert. Die Schulwegsicherheit liegt darüber hinaus auch einem großen Teil der Bevölkerung am Herzen. Zu den Verhältnissen um die Kita Dschungelbande, 74. Grundschule und Grundschule Auguste gab es zahlreiche Einträge.

Motzen statt melden

Wo es leider keinen Eintrag gab, war die Friedrich-Dittes-Straße selbst. Denn seit dem dort Autos nicht mehr auf den Gehwegen parken und diese wieder den Menschen zur Verfügung stehen, löst dies Empörung aus. So regen sich die ehemaligen Gehwegparkenden nun darüber auf, dass die Gehwege vor ihrer Haustür vom Radverkehr genutzt werden. Auch soll Hundekot auf den Gehwegen inzwischen diesen Menschen ein Dorn im Auge sein.

Es hat den Anschein, dass die Möglichkeit zur Mitgestaltung eines besseren Fußverkehrs im Stadtteil nicht genutzt wurde. Es ist schade, dass diejenigen, die sich über fehlende Parkplätze, Hundekot, und Fahrradfahrende beschweren, nicht beteiligen und damit die Chance wirklich etwas jenseits von Motzerei zu bewegen, nicht nutzen. Aber vielleicht hat die Gruppe daran auch gar kein Interesse.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse der Öffentlichkeits-beteiligung werden nach verschie-denen Kriterien gewichtet und fließen in den Fußverkehrsentwicklungsplan mit ein, der bis Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. Ob und wann die Vorschläge tatsächlich realisiert werden können, hängt von der fachlichen und politischen Bewertung, sowie von rechtlichen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen ab.

Das Beteiligungsportal ist inzwischen für neue Meldungen geschlossen, doch die zahlreichen eingegangenen Hinweise und die Bewertungen anderer Nutzer*innen  sind noch aufrufbar unter www.leipzig.de/fussverkehr und dort im Bereich „Fußverkehrsentwicklungsplan“ (blauer Kasten).

 

 

 

 

 

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