Schrei nach Freiheit

  • Veröffentlicht: Mittwoch, 02. November 2022 19:19

„Mieses Beispiel für schlechtes Quartiers- und Verkehrsraummanagement.
Unfassbar: Die gesamte Gegend ist zugeparkt, aber ein Parkhaus wird abgerissen. Bessere Lösung: Stadt kauft, saniert und vermietet selbst Stellplätze zu angemessenen Preisen, schützt mit Dachbegrünung vor Hitze und schafft Regenrückhalt, erzeugt mit Dach-Photovoltaik selbst Strom für E-Auto-Aufladung und Haushalte. Was das bringt? Mehr Platz für alle Verkehrsteilnehmer, Umstieg auf E-Auto, weniger Verkehr, Parkchaos und Parkplatzsuche. Es könnte so einfach sein. Vielleicht beim nächsten mal?“

Diese Zeilen sind zu lesen auf der Internetseite der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Fußverkehrsstrategie (s. auch hier). Der anonyme Eintrag vom 9. Juli erhielt acht positive und zwei negative Bewertungen.

Dass dieser Eintrag wenig mit dem zu Fuß gehen zu tun hat, zeigt die notgedrungene Ablage in der Rubrik „Stadtplatzprogramm“. Stattdessen beweist er aber das völlig verquere Verständnis einiger Autofreunde (1+8).

Was hier „abgerissen“ wurde, war das Parkhaus in der Kohlgarten-, Ecke Bergstraße in Neustadt-Neuschönefeld. Seit März wurde es rückgebaut. An selbiger Stelle entsteht nun eine Wohnbebauung.
Das mehrgeschossige Parkhaus stand wohl zwei Jahrzehnte an dieser Stelle, die meiste Zeit überwiegend leer. Auch in anderen Stadtteilen ist dies zu beobachten (der ACA berichtete). Was allerdings stutzig macht, wenn Person Anonym doch hier von „Parkchaos und Parkplatzsuche“ schreibt. Die Kosten für einen Einstellplatz bewegten sich die Jahre über zwischen 30 und 50 Euro pro Monat. Im Vergleich mit anderen Einrichtungen stadtweit ist das ein weit mehr als „angemessener Preis“. Aber warum stellten dann dort nur sehr wenige Menschen ihr Fahrzeug ab? Hat es etwas damit zu tun, dass „Dachbegrünung“ fehlte oder „Photovoltaik“? Oder hat es etwas mit Bequemlichkeit zu tun? Hat es etwas damit zu tun, dass auf der Straße parken – und sei es widerrechtlich auf Gehwegen z.B. – eben noch preiswerter ist? „So einfach“ scheint es also doch nicht zu sein.

Und so fordern einige auch in Anger-Crottendorf eine Parkraumbewirtschaftung. Einmal abgesehen davon, dass ein Bundesgesetz diesem Vorhaben entgegensteht, gibt es auch durch eine Bewirtschaftung kein Recht darauf, einen freien Stellplatz vorzufinden.

Im Waldstraßenviertel gibt es seit 2020 ein Anwohnerparken, welches sich inzwischen auf drei Zonen (E-G) erstreckt. Vor Einführung wurde das Vorhaben lang und breit mit der Öffentlichkeit diskutiert. Dennoch hielt dies die lokale Autolobby nicht vom Versuch ab, dieses  kurzfristig weg zu klagen. Diese Strategie scheint ein Leipziger Phänomen zu sein, wenn es ums Auto geht (z.B. auch bei der Einrichtung von Fahrradstraßen). Aufgrund der Klage einer lokalen Anwaltskanzlei verschob sich also die Einführung. Bei der Gelegenheit bemerkten die Richter des Oberverwaltungsgerichts Bautzen, dass die Dimension der Parkzone E zu groß bemessen war. Sie legten fest, dass diese Zone eine maximale Ausdehnung von 1.000 m nicht überschreiten darf. Heißt praktisch: Ein*e Anwohner*in wohnt im Norden, findet aber nur einen Parkplatz ganz im Süden der Zone, und läuft dann eben 1.000 m nach Hause. Das ist ein ganzer Kilometer! Das ist rechtens!!

Zurück nach Anger-Crottendorf. Wer mit der Zirkelspitze auf einem Stadtplan in den Konsum Trinitatisplatz sticht und einen Kreisbogen mit 1.000 m Radius (Achtung Maßstab) schlägt, landet genau im ehemaligen Parkhaus Kohlgarten-, Ecke Bergstraße. Heißt praktisch: Alle Anwohner*innen im Stadtteil mit Kfz, die westlich des Nahversorgers wohnen, hätten quasi schon immer im Parkhaus in Neustadt-Neuschönefeld parken können! Das wäre rechtens!!

Dann wäre das auch nicht abgerissen worden, weil die Eigentümerin mit ihrem bestehenden Eigentum Geld verdient hätte. Nun übernehmen das eben Wohnungen. Der Markt (Angebot/ Nachfrage) regelt es in diesem Fall.

Parkplätze vorhalten gehört nicht zum Aufgabenbereich einer Kommune, wie die Stadtverwaltung seit anderthalb Jahren auch den Menschen im Stadtteil versucht verständlich zu machen. Da bringt auch ein Eintrag im Bürgerhaushalt 2023/24 nichts, weil Olaf seine „Freiheit“ vermisst und dort vergeblich Parkplätze fordert. Es zeigt wieder nur, dass auch er es immer noch nicht verstanden und ein völlig verqueres Verständnis hat. Denn dem Recht ein Auto zu besitzen, folgt u.a. die Pflicht sich einen Parkplatz zuzulegen.

Und es zeigt auch die Bequemlichkeit der Leute mit Auto. Denn der Parkplatz hat gefälligst vor der Haustür zu sein – gern auch auf dem Gehweg, schließlich ist ja noch 1 m Platz bis zur Hauswand. Andere nennen so etwas: Egoismus.

Zum Schluß bleibt die Frage: Warum hat der oder die anonyme Kommentierernde das Parkhaus nicht selbst gekauft? Oder sich mit der Clique zusammengetan und es dann erworben? Warum sollte ein privates Parkproblem die Gesellschaft lösen? Das sind alles Fragen, die der anonyme Eintrag leider nicht klären konnte.

 

 

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