Anger-Crottendorf 2028 – die Stadtverwaltung informiert

  • Veröffentlicht: Samstag, 06. März 2021 18:34

Am 3. März präsentierte die Stadtverwaltung ihre Pläne für Anger-Crottendorf einem nicht ganz so großen Publikum. Denn die aufgrund der aktuellen Lage nur digital stattfindende Veranstaltung schloss so einige weniger Technik-Affine aus. Zudem ließ das gewählte Videokonferenz-Tool nur 100 Teilnehmende zu. Das Interesse war, anders als bei bisherigen Veranstaltungen, wesentlich größer. Darum wird diese Veranstaltung auch wiederholt – wenn es die Umstände zulassen dann auch in Präsenz.

Die digitale Veranstaltung fand zu diesem Zeitpunkt überhaupt nur statt, weil im vergangenen Jahr die Leipziger Zeitung und der Anger-Crottendorfer Anzeiger darüber berichteten, dass hinter der alten Feuerwache Ost auf den dort befindlichen Garagenhöfen eine Grundschule gebaut werden soll. Seitdem kursierten Gerüchte. Der Bürgerverein Anger-Crottendorf forderte eine Stellungnahme der Stadtverwaltung ein, die auch am Garagenhof aushing. Eine vom Bürgerverein Anger-Crottendorf noch vor Weihnachten geplante Bürgerversammlung durfte am 19.12.2020 pandemiebedingt nicht stattfinden. Der Druck auf die Stadtverwaltung sich zum Thema zu äußern, stieg weiter.

Am Mittwochabend der ersten Märzwoche gab es dann zwei Stunden lang Informationen zur Entwicklung des Geländes der alten Feuerwache Ost, dem Grundschulstandort, die Vorplatzgestaltung, den Parkbogen. Moderiert vom Quartiersmanagement Leipziger Osten waren viele Ämter der Stadt zugeschaltet und erklärten, was bis zum Jahr 2028 in Anger-Crottendorf passieren wird.

Der erste Wortbeitrag des Abends stammte allerdings von einer Anwohnerin, die sich sehr darüber freute, dass eine Schule das Viertel beleben wird. Gleichzeitig zeigte sie sich doch verwundert, dass eine solch große, in einer wachsenden Stadt wertvolle Fläche weiterhin für einen Garagenhof bereitstehen soll. Bei diesen freundlich-einladenden Worten sollte es nicht belieben.

Den ersten Informationsaufschlag machte dann das Amt für Schule. Kevin Klug und Jochem Lunebach erläuterten den Bedarf an Grundschulplätzen im Schulbezirk Ost. Grundlage ist der Schulentwicklungsplan, dessen Fortschreibung bis 2030 der Stadtrat 2019 bestätigte. Die dynamische Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre führt zu einem deutlichen Mehrbedarf an Schulplätzen im Grundschulbereich. Zusätzliche 78 Klassen für bis zu ca. 2.180 Schülerinnen und Schüler werden bis zum Jahr 2030 prognostiziert.

Da die bestehenden Schulen im Schulbezirk maximal ausgelastet und deren Ausbaupotenziale inzwischen ausgeschöpft sind, wird es nötig weitere Schulhäuser zu bauen. So werden in der Gregor-Fuchs-Straße hinter der alten Feuerwache Ost auf den jetzigen beiden Garagenhöfen eine vierzügige Grundschule für 16 Klassen bzw. 448 Schülerinnen und Schüler entstehen. Ein weiterer neuer Grundschulstandort wird in der Döbelner Straße entwickelt. Dort wird dreizügig für 12 Klassen und 336 Schülerinnen und Schüler gebaut.

Im Anschluss erklärte das Stadtplanungsamt, warum es sich für den Standort der Garagenhöfe entschieden hatte – bzw. entscheiden musste.

Ruth Rabenberg begründete warum die geprüften Alternativstandorte – darunter das LWB-Grundstück Hanns-Eisler-Straße, der Crottendorfer Plan, die Fläche neben der DLRG – nicht geeignet sind. Oft scheiterte es an der Größe des Grundstückes, den Eigentumsverhältnissen oder der abgelegenen Lage. Ein Grundschulneubau für 448 Schüler*innen benötigt nach heutigen Bauvorschriften ca. 13-15.000 m² Grundfläche. Grundschulen werden zudem generell wohnortnah gebaut, damit die Schülerinnen und Schüler zu Fuß die Schule erreichen können. Dabei lernen sie sich im Straßenverkehr korrekt zu verhalten, um sich darin schon bald selbst fortzubewegen.

Die vierzügige Grundschule wird viergeschossig aufgrund der zu erwartenden Anzahl der Schüler*innen. Normalerweise werden Grundschulen nur dreigeschossig gebaut, unterstrich Susann Von Hantelmann, Kollegin von Ruth Rabenberg. Dazu entsteht ein Bereich für einen Schulgarten, eine Zweifelder-Sporthalle, die auch von Vereinen genutzt werden kann, sowie Bewegungs- und Pausenflächen. Der Platzbedarf für einen Schulhof beträgt 10 m² pro Schulkind – an diesem Standort also 4500 m². Das ist mehr als die Grundfläche eines Garagenhofs. An welcher Stelle was genau entstehen soll, steht noch nicht fest. Die (Mit)Nutzung des Hauptgebäudes der Feuerwache als Schule entfällt, weil der Umbau der Räume unter den gegebenen rechtlichen Bauvorschriften Kosten verursachen würde, die nicht zu begründen sind. Zudem wäre das Gebäude für die Schüler*innenanzahl zu klein, weitere Flächen also zwingend nötig.

André Zeimer vom Liegenschaftsamt ging danach auf die Eigentumsverhältnisse der Garagenhöfe ein und machte deutlich, bis wann die Garagen noch genutzt werden können. Die Verträge enden am 31.12.2023.

Viele Teilnehmende an diesem Abend beschäftigte die aktuellen und zukünftigen Verkehrsverhältnisse im Stadtteil. Stephan Rausch vom Verkehrs - und Tiefbauamt (VTA) stellte die zweite Fortschreibung des Nahverkehrsplanes vor, welche 2019 vom Stadtrat beschlossen wurde. Darin beschrieben sind Maßnahmen zur Netzerweiterung des ÖPNV. Er ging auf die Untersuchungsaufträge zu einer Tramlinie durch Anger-Crottendorf sowie die Trassenfreihaltung in der Gregor-Fuchs-Straße ein, sowie auf den Prüfauftrag für eine Buslinie. Was die Situation der privaten Mobilität natürlich deutlich verbessern würde, wäre eine bessere Anbindungen des ÖPNV durch den Stadtteil und nicht nur um den Stadtteil herum. Herr Rausch verwies auf die Busnetzreform, die bis 2030 entschieden sein soll und eine TRAM-Anbindung Mölkaus bis 2040. Diese Jahreszahlen verwundern nicht. Die Planungen für einen Streckenneubau einer Straßenbahnlinie dauern deutschlandweit mindestens zehn Jahre. Das ist also wirklich Zukunftsmusik. Leider hat er sich nicht dazu hinreißen lassen, einen Termin für die Erschließung Anger-Crottendorfs zu nennen. Und auch die bereits vielfältigen Vorschläge, die nicht erst seit 2018 durch die Bürgerschaft und den Bürgerverein an das VTA herangetragen wurden und in Teilen bei dieser Veranstaltung noch einmal angesprochen wurden, hat Herr Rausch zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber eigentlich nur in eine Schublade geschoben. Es hängt also an der Grundschule, so sieht es zumindest im Moment aus, wann der Bus in Anger-Crottendorf hält, denn die Schule bekommt definitiv einen ÖPNV-Anschluss. 

Zum Ende seiner Ausführungen brachte Rausch das Autothema nochmal auf den Punkt. Auch wenn Parkplatznot herrscht, haben sich alle Verkehrsteilnehmenden an die geltenden Regeln zu halten. Zudem hat niemand ein Recht auf einen Parkplatz - im Gegenteil. Alle Autofahrenden selbst stehen in der Pflicht sich einen Stellplatz zu suchen – wenn es nötig ist, dann eben auf Privatgelände. Daran wird auch der von Rausch aufgeführte Antrag des Stadtbezirksbeirates-Ost nichts ändern, der die Stadtverwaltung verpflichtet bis zum Ende des zweiten Quartals 2021 eine Anpassung der Parkordnung im Quartier zu prüfen.

Die fortschreitenden Erfolge am Parkbogen Ost stellte anschließend René Zieprich vom Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung vor. Erste Arbeiten an der alten S-Bahnstrecke sieht man bereits: Das Viadukt erstrahlt in neuem Glanz. Im Weiteren wird an der so genannten Crottendorfer Spange gebaut und bis 2024 die Zuwegung zum Lene-Voigt-Park realisiert. Der Platz zwischen Ostwache und Karl-Krause-Fabrik wird bis 2028 zu einem grünen Stadtplatz umgestaltet. Dazu wird es 2021/ 2023 eine Bürgerbeteiligung und einen Wettbewerb geben.

Zum Schluss brachte die Vorsitzende des Ostwache e.V. Lina Hurlin den Plan zum Nachbarschaftszentrum vor. Der Stadtrat hatte 2013/ 2015 beschlossen, dass die alte Feuerwache Ost als Nachbarschaftszentrum mit vielen niedrigschwelligen Angeboten für Menschen allen Alters entwickelt wird und auch bereits Gelder dazu in die Haushalte eingestellt. Der Ostwache e.V. arbeitet bereits seit 2015 an dem Zentrum und legt zum kommenden Konzeptvergabeverfahren sein Nutzungskonzept vor. Hurlin betonte das Interesse des Ostwache e.V. an einer synergetischen Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Ostwache und freut sich auf ein lebendiges Miteinander zwischen Schüler*innen und Nutzer*innen.

Zu jedem Abschnitt der digitalen Veranstaltung konnten Fragen gestellt werden. Diese waren in Teilen geprägt von Wortbeiträgen Einzelner, die sich in langen Reden für ein schönes Lebensumfeld für alle einsetzen wollen. Beim genauen Hinhören wurde dann aber schnell klar, dass es sich nur um das persönliche Lebensumfeld dreht, welches sich doch bitte nicht zu verändern hat. Das war an diesem Abend dann die Zeit für die NIMBY-Position, das Not-In-My-Backyard-Prinzip, zu Deutsch: nicht in meinem Umfeld oder auch das Sankt-Florians-Prinzip.

Auch im Chat ging es parallel kontrovers zur Sache. Hier trafen Pro- und Anti-Auto-Bewegte überwiegend anonym und ungefiltert aufeinander und nahmen viel Raum ein. Was allerdings sehr schade war, ging es doch in dieser Veranstaltung um wesentlich mehr als die privaten fahrbaren Untersätze. Bevor diese fragwürdigen Diskussionen jedoch zu sehr ausarteten, bat die Moderation um Sachlichkeit, die sich dann auch relativ schnell wieder einstellte.

Was auch auffiel, dass es wohl eine nicht zu gering anzusetzende Anzahl an Einwohner*innen gab, die zum allerersten Mal von dem Ostwache-Projekt hörten. Obwohl alteingesessen zeigte sich bei der Argumentation in einigen Wortbeiträgen und Fragestellungen ein gewisses Desinteresse an der Entwicklung des Viertels in den letzten Jahren. Und das, obwohl der Bürgerverein die Themen regelmäßig bei Veranstaltungen und in Publikationen aufs Tableau gehoben hatte.

Am Ende der Veranstaltung legten sich aber die Wogen etwas. Sind die bisherigen Gerüchte nun passé und allen klar, was in Zukunft im Stadtteil passieren wird.  Verabschiedet wurden alle Teilnehmenden dann mit sehr ehrlichen Worten von Petra Hochtritt. Die Abteilungsleiterin Stadterneuerung Ost gestand, dass Anger-Crottendorf lange Zeit von der Stadtverwaltung unbedacht blieb. Während sich in der Eisenbahnstraße und Umgebung viel entwickelte, wusste die Stadtverwaltung lange nicht, wo die Reise für Anger-Crottendorf hingeht. Mit dem Wachstum der Stadt wurde nun neue Infrastruktur auch im Quartier notwendig. Das freut Frau Hochtritt, denn mit dem Ihmelscampus und Projekt Ostwache sowie der angrenzenden Grundschule beginnt der bisher verschlafene Stadtteil aufzublühen.

 

Zeitschiene Grundschulbau

Planungsbeschluss im Stadtrat 2021

Baubeschluss im Stadtrat nach Beendigung der Planung

Kündigung Garagen zum 31.12.2023, danach Abbruch

Vergabe der Baumaßnahmen

Baustart Schule 2025

Beginn Schulbetrieb Schuljahr 2027/ 2028

 

Zeitschiene Ostwache

Konzeptvergabeverfahren noch 2021

Sanierung Hauptgebäude parallel zum beginnenden Betrieb ab 2022

 

Zeitschiene Parkbogen

Ende Arbeiten Viadukt 2021

Sanierung der beiden denkmalgeschützten Brücken 2021-2022

Realisierung Crottendorfer Spange mit Zuwegung zum Lene-Voigt-Park bis 2024 Bürgerbeteiligung und Wettbewerb zum „Polygraphplatz“ 2021/ 2023

 

Zeitschiene Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

leider nichts Konkretes

zum Start des Schulbetriebes Erschließung des Schulstandortes durch Buslinie

 

Bürgeranfragen an den Bürgerverein


Bürgeranfragen an den Bürgerverein

  • Veröffentlicht: Samstag, 06. März 2021 18:29

Im Vorfeld der digitalen Veranstaltung „Dialog im Stadtteil – Digital im Stadtteil“ am 3. März 2021 erreichten den Bürgerverein viele Fragen. Die meisten davon wurden in der Veranstaltung schon beantwortet. Hier geht der Bürgerverein noch einmal auf die Fragen ein, die bisher unbeantwortet blieben.

Die Antworten wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Detailliertere Ausführungen kann nur die Stadtverwaltung selbst geben. Der Bürgerverein bittet in diesem Fall, sich direkt an die Verwaltung zu wenden.

 

Welche wohnungspolitischen und städtebaulichen Konzepte hat die Stadt Leipzig um dem Immobilienskandal um die alte Fabrik „Karl Krause“ (Causa Dolphin Trust) zu begegnen?
Das Gebäude prägt den Stadtteil maßgeblich. Daher würde ich mir eine Position des Bürgervereins oder der/des Vertreters der Stadt Leipzig zu dieser Frage wünschen!

Nach Bekanntwerden der Machenschaften der Immobilienfirma Dolphin Capital hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ein „konsequentes Handeln gegen Immobilienspekulation“ gefordert und im Dezember 2020 einen Antrag dazu im Stadtrat gestellt (Pressemeldung: https://is.gd/wOrByy).

Im Kern geht es darum, dass die Stadtverwaltung mit Blick auf die Eigentümer*innen von leerstehenden Immobilien auf die Umsetzung des Modernisierungs- und Instandsetzungsgebots nach § 177 BauGB konsequent hinzuwirken hat.
Die Stadtverwaltung argumentierte im Verwaltungsstandpunkt zum Antrag, dass man langfristigem, spekulativem Leerstand sehr wohl begegnen könne und dies geschähe auch bereits ab einem halben Jahr und bei klar nachgewiesenen Spekulationen.

Am 24.02.2021 wurde der Antrag „Leerstand konsequent begegnen - Modernisierungs- und Instandsetzungsgebots nach § 177 BauGB durchsetzen“ (Vorlage – VII-A-01857) im Stadtrat verhandelt und letztendlich mit großer Mehrheit beschlossen.
Somit ist die Stadtverwaltung nun auch beauftragt, bis zum Sommer 2021 ein Konzept vorzulegen, wie „nicht genutzte oder nicht nutzungsfähige Immobilien in einem Leerstandskataster“ erfasst werden könnten (zur verwaltungsinternen Nutzung).
Zudem soll eine Richtlinie geprüft werden, „in der Kriterien, Fristen, Bußgelder und Verfahren zur Durchsetzung des Modernisierungs- und Instandsetzungsgebots geregelt werden“.
Auch soll die Stadt bis Sommer 2021 darstellen, „welche Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, wenn seitens der betroffenen Immobilieneigentümer bei Leerstand von mehr als sechs Monaten keine Reaktion auf Dialogangebote erfolge“.
Die Vorlage – VII-A-01857 mit Beschlussvorschlag und Begründung: https://is.gd/zK2yxv

In der Ratsversammlung am 18.02.2021 wurde schon der Antrag der Fraktion Die Linke verhandelt. Zum Antrag „Spekulativem Leerstand entgegentreten“ (Vorlage – VII-A-01906) wurde allerdings der Verwaltungsstandpunkt mit knapper Mehrheit positiv votiert. 

Der VSP zur Vorlage – VII-A-01906 mit Beschlussvorschlag und Begründung: https://is.gd/wR0IkR

 

Die Stadt Leipzig hat ja die Möglichkeit genutzt aus der Sächsischen Stellplatzverordnung für Neuwohnungen auszuscheren und statt 1-2 Stellplätze pro Wohnung über 50qm nur noch 0,7 Stellplätze vom Investor zu fordern. Bei 123 neuen Wohneinheiten und 42 Stellplätzen ist dieses Verhältnis trotzdem nicht gegeben. Zahlt der Investor dafür eine Entschädigung und wenn ja wird diese auch für den Bau neuer Stellplätze verwendet?

Mit Stadtratsbeschluss vom 19.11.2019 wurde die aktuell gültige Satzung der Stadt Leipzig über die Stellplatzpflicht (Stellplatzsatzung) mit 36/29/2-Stimmen beschlossen. Sie ist Teil der Verkehrswende in Leipzig.

Generell gilt, wenn bei Neubauprojekten die Anzahl der Stellplätze nicht mit den Wohnraumgröße korrespondieren – wie in der Frage beschrieben – ist eine Ablöse an die Stadt Leipzig zu zahlen. Diese wird sowohl für den Ausbau des Umweltverbundes (Fuß, Rad, ÖPNV) genutzt, kann aber auch von Investoren, die Stellplätze schaffen wollen, als Fördermittel beantragt werden. (Ein Beispiel dazu findet sich im Anger-Crottendorfer Anzeiger, Ausgabe 11, S. 5/6)

Es ist aber auch möglich, dass, hier am konkreten Beispiel Karl-Krause-Fabrik, der Investor Carsharing-Parkplätze schaffen wird (Verkehrswende). Dadurch würde sich seine Stellplatzverpflichtung reduzieren. Dies lässt sich allerdings zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Antworten nicht verifizieren.

 

Aus der Bevölkerung wurden in den letzten Wochen Alternativstandorte für eine Grundschule benannt, z.B. Gelände neben der DLRG in der Pflaumenallee, ehemalige Stadtgärtnerei in der Zweinaundorfer Straße, Hanns-Eisler-Straße (Abrissfläche LWB-Wohnblock), ehemaliger Übungsplatz ZV am Stünzer Park).
Kann sich die Bevölkerung, welche die bisherigen Garagenhöfe nutzt, vorstellen, auf den von ihnen selbst genannten Flächen (oder anderen Flächen) neu zu bauen?

Dazu liegen dem Bürgerverein keine Erkenntnisse vor.

 

Die frühere Richard-Wagner-Schule kann wieder als Grundschule verwendet werden (warum hat man das nicht von Anfang an getan)? Die Förderschule an einer Stelle errichten, wo noch Platz für die Gebäude vorhanden ist. Sie ist nicht, wie eine Grundschule, an einen Standort im Wohngebiet gebunden, da die Kinder von Überall herkommen.

Mit der Vorlage vom 18.05.2016 (Vorlage – VI-DS-02387) beschloss der Stadtrat einstimmig den Umzug der Sprachheilschule in das sanierte Gebäude der alten RiWa, Karl-Vogel-Straße 17-19.  Auch das Sächsische Staatsministerium für Kultus stimmte diesem Plan zu.

In der Begründung wird erläutert, warum dieser Standort für das Förderzentrum zu wählen ist: Die Schülerzahlen sowohl in der Sprachheilschule selbst als auch in den Nebennutzungseinrichtungen, bspw. der Ernst-Pinkert Schule, sind so enorm angestiegen, dass ein neues eigenes Schulgebäude für das Förderzentrum als notwendig erachtet wurde. Hier wurde auch auf die Nähe des von der SEB-Behindertenhilfe betriebenen neuen Kids-Campus verwiesen, der als Hort der Sprachheilschule fungiert, wie auch die gute Zugänglichkeit des Standortes durch den ÖPNV.

Der Stadtrat sprach sich zudem in Verbindung mit der Elternschaft ganz konkret gegen eine Verlegung des Standortes an den Stadtrand aus.

Die Vorlage – VI-DS-02387 mit Beschlussvorschlag und Begründung: https://is.gd/2FD5QI

 

Wie wird zukünftig die Sicherheit für Fußgänger und vor allem die der Grundschüler gewährleistet, obwohl die Verkehrssituation geplant verschlimmert wird?

Der Bürgerverein Anger-Crottendorf befindet sich seit seiner Gründung vor fünf Jahren und der Stadtbezirksbeirat Ost (SBB-Ost) verstärkt seit November 2019 kontinuierlich in Gesprächen mit der Stadtverwaltung bezüglich der Verkehrssituation im Quartier. Regelmäßig berichtet der Bürgerverein darüber im Anger-Crottendorfer Anzeiger, der Homepage und den sozialen Netzwerken.

Konkret können hier folgende aktuelle Termine/ Aktivitäten/ Themen genannt werden:

Antrag „Quartiersgarage Anger-Crottendorf“

Im Stadtrat wurde am 24.02.2021 der Wichtige Antrag des SBB-Ost verhandelt. Der Verwaltungsstandpunkt wurde zur Kenntnis genommen (Vorlage – VII-A-01885-VSP-01)

„Die Stadt wird geprüft, ob die Parkordnung im Quartier weiter angepasst werden kann, um die Flächen für parkende Kfz effizienter zu nutzen. Ergebnisse zu den Untersuchungen sollen bis Ende des 2. Quartals 2021 vorliegen und können danach vorgestellt werden. Sollte es zur Umsetzung einer neuen Parkordnung im Quartier kommen, wird die Einhaltung in die Überwachung des ruhenden Verkehrs einbezogen.“

Die Vorlage – VII-A-01885-VSP-01 mit Beschlussvorschlag und Begründung: https://is.gd/eqLjgr

Mehr dazu im kommenden Anger-Crottendorfer Anzeiger (vrsl. Mitte März, analog wie digital)

Gehwegebeziehung vor dem Gebäude der ehemaligen Ostwache

Das fiskalische Grundstück der alten Feuerwache Ost wurde im Spätsommer letzten Jahres Auto-freundlich abgepollert, die Bedürfnisse von zu Fuß Gehenden völlig ignoriert. Vorbehaltlich eines Stadtratsbeschlusses wird in den nächsten Wochen auf Anregung des Bürgervereins und durch einen Wichtigen Antrag des SBB-Ost untersetzt eine Gehwegebeziehung vor dem Gebäude der ehemaligen Ostwache hergestellt. Dadurch können zu Fuß Gehende ungefährdet passieren und das wilde Parken wird StVO-Konform organisiert.

Gehwegnasen Stünzer Straße/ Sellerhäuser Straße

Der Bürgerverein brachte das Thema in den SBB-Ost, dieser machte daraus für den kommenden Doppelhaushalt 2021/22 einen Antrag. Vorbehaltlich der Entscheidung dazu im erweiterten Fachausschuss Finanzen (6.3.2021) und dem Stadtratsbeschluss (31.03.2021), werden noch 2021 an der Ecke Stünzer Straße/ Sellerhäuser Straße zwei Gehwegnasen gebaut, die ein sicheres Queren der Straßen für alle – insbesondere für Grundschüler*innen auf deren Schulweg – ermöglichen. Beide Gehwegvorstreckungen werden mit Fahrrad-Anlehnbügeln ausgestattet und verhindern ein zuparken des Einmündungsbereichs.

Petition zu verkehrsberuhigtem Bereich vor 74. Grundschulen

Der Förderverein der 74. Grundschule Leipzig, die Schulleitung der Grundschule, der Schul- sowie der Hortelternrat und der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. haben eine Petition an die Stadt Leipzig gestellt mit der Forderung, dass die Stünzer Straße zwischen Friedrich-Dittes- und Borsdorfer Straße, wie auch der Teil der Borsdorfer Straße von der Beuchaer Straße bis zum Eingang zum Ramdohrschen Park zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet wird.

Bis Anfang März haben bereits 205 Menschen die Petition mitgezeichnet und gern können sich viele weitere Menschen daran beteiligen: https://kurzelinks.de/na1f

Der Petitionsausschuss und der Stadtrat werden bald darüber entscheiden.

Mehr dazu im kommenden Anger-Crottendorfer Anzeiger (vrsl. Mitte März, analog wie digital)

Vorabgespräch zur Verkehrssituation in AC

Der Baubürgermeister Thomas Dienberg und Claudia Geißler-Ploog (Ordnungsamt) sind zur SBB-Sitzung am 07.04.2021 vorgeladen. Sie sollen dort erklären, wie es zu der aktuellen Verkehrssituation in Anger-Crottendorf kommen konnte und wie es in Zukunft weitergeht.

Die Sitzungen des Stadtbezirksbeirates-Ost sind öffentlich.

 

Der existierende Bürgerverein kann nicht Ansprechpartner sein, denn er vertritt nur einen geringen Bereich der hiesigen Bevölkerung, er ist linkslastig bzw. alternativ. Solch ein Verein kann und darf nicht nur einer politischen Richtung verpflichtet sein?

Der Bürgerverein Anger-Crottendorf vertritt die Interessen seiner Mitglieder.



Zum Punkt Nachbarschaftszentrum. Hier vermisse ich Vorschläge und Informationen.

Der Ostwache e.V. arbeitet seit 2015 (damals noch IG Ostwache) an der Umsetzung des Nachbarschaftszentrums. Seit fünf Jahren lädt der Verein zu öffentlichen Veranstaltungen (z.B. Herbstfest), etc. und richtet sich mit Workshops an Menschen allen Alters.

Der Verein kann analog aufgesucht werden in der alten Tischlerei der Feuerwache (links vom Hauptgebäude) und digital, unter: www.Ostwache.org

Auch der Bürgerverein hat neben den allgemeinen Entwicklungen im Viertel das Thema Ostwache regelmäßig bei Veranstaltungen und in seinen Publikationen (Anger-Crottendorfer Anzeiger) aufs Tableau gehoben.

 

Viele Ältere besitzen ein Fahrzeug und nutzen dies für Einkäufe und Arztbesuche u.dgl.m. Perspektivisch gesehen, soll dieses Klientel auf das Fahrrad steigen, um für Ihren Alltag ausreichend sorgen zu können? Das glauben Sie doch selbst nicht. In dieser Hinsicht müsste dann der Stadtrat Vorbildwirkung anstreben?

In einer wachsenden Stadt verknappen sich Räume immer mehr. Mit Blick darauf wird klar, dass nicht jeder Stadtmensch auch ein Auto haben kann. Die Ansprüche der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind hier abzuwägen. Das ist Aufgabe der Stadtverwaltung.

Das private KFZ kann gerade im urbanen Raum heute schon leicht ersetzt werden. Das multimodale Angebot wird auch schon von vielen genutzt. Multimodale Mobilität beschreibt die Nutzung mehrerer verschiedener statt nur einer Mobilitätsform - gerade in einer Stadt der kurzen Wege sinnvoll. So sind Wege zu Fuß zu erledigen, mit dem Rad, es kann der ÖPNV, können Taxis und Carsharing-Angebote genutzt werden. Das Interessante am Carsharing ist, dass immer bedarfsgerecht gemietet werden kann. Für den Weg zum Arzt oder Einkauf einen Kleinwagen, für den Transport von sperrigen Gegenständen ein Transporter.

Die Stadtverwaltung und der Stadtrat sind in dieser Hinsicht ein Vorbild. Die Verwaltung nutzt seit vielen Jahren Carsharing für Dienstwege. Der Mitglieder des Stadtrates kommen zu einem großen Teil mit dem Fahrrad zu den Ausschusssitzungen und Ratsversammlungen. Die Anlehnbügel auf dem Vorplatz des Neuen Rathauses sind regelmäßig vollständig benutzt.

 

Mein Mann gehört zu denen, die die Garagen nach ihrer Arbeitszeit aufbauten und heute leider im Rollstuhl sitzen muss. Er ist auf das Auto 100 pro angewiesen (mit einem "Lastenfahrrad" ist da nichts zu machen. Scherz!)

In der Leipziger Volkszeitung (Ausgabe 5.3.2021), Seite 18, findet sich unter der Überschrift: „Mehr Mobilität: Senioren entdecken das Dreirad“ ein Artikel über das 83-jährige Urgestein der Leipziger Fahrradszene Ulrich Patzer, der inzwischen auf ein sehr nützliches Dreirad umgestiegen ist.

Darüber hinaus gibt es auch Fahrräder für den Transport von Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind (kein Scherz!). Ein Beispiel: https://is.gd/nltED3


Die Stadt Leipzig informiert über Entwicklung des Stadtteils Anger-Crottendorf bis 2028

  • Veröffentlicht: Donnerstag, 18. Februar 2021 22:25

Im letzten ACA fragten wir: 2021 – wie weiter Anger-Crottendorf?

Und keine drei Monate später kommen die ersten Antworten.

In Anger-Crottendorf sind viele große Projekte für die kommenden Jahre geplant. In einer Informationsveranstaltung will die Stadt Leipzig diese Projekte vorstellen und diskutieren.

            Zeit: Mittwoch, 03.03.2021, 18-20 Uhr

            Ort: Digitale Veranstaltung

            Einwahl per Telefon: 030 5679 5800, PIN: 839 1151 6644

            Einwahl per Zoom-Videokonferenz: www.leipziger-osten.de/dialogAC

Die Themen der digitalen Veranstaltung sind:

  1. Grundschulneubau in der Gregor-Fuchs-Straße
  2. Nachbarschaftszentrum Alte Feuerwache/Ostwache
  3. Öffentlicher Nahverkehr
  4. Garagenhöfe (hinter der alten Feuerwache)
  5. Parkbogen Ost

In Vorbereitung des Termins wurde der Bürgerverein Anger-Crottendorf gebeten Meinungen und Hinweise aus der Bevölkerung zu sammeln.

Wenn Sie also Anfragen, Wünsche und Anregungen haben, welche die o.g. Themen betreffen, wenden Sie sich bitte an den:

            Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V., Sellerhäuser Straße 10, 04318 Leipzig       

            am besten per E-Mail an: info [AT] bv-anger-crottendorf [PUNKT] de

            aber auch die social-media-Kanäle des Vereins

 

Diese digitale Veranstaltung wird der Bürgerverein auch im kommenden Anger-Crottendorfer Anzeiger aufarbeiten. Der ACA erscheint in der letzten Märzwoche.

Der vergangene Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


Neuer Wertstoffhof im Leipziger Osten

  • Veröffentlicht: Mittwoch, 20. Januar 2021 21:45

Am 16. November wurde der neue Wertstoffhof in der Geithainer Straße 13 eröffnet. Damit schloss die Leipziger Stadtreinigung die Lücke, die der im März 2019 geschlossene Hof in der Bernhardstraße riss.

"Ich freue mich sehr, dass die Leipzigerinnen und Leipziger nun eine neue Sammelstelle im Osten der Stadt bekommen, wo sie Sperrmüll, Elektroschrott, Gartenabfälle und andere Wertstoffe abgeben können", erläutert Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal. "Mit diesem modernen Wertstoffhof erfüllen wir auch alle Maßgaben nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und können die verschiedenen Abfallarten direkt vor Ort separieren und umweltfreundlich in den Kreislauf zurückbringen."


T. Kretzschmar, E. Franz, H. Rosenthal (v.l.n.r.) bei der Eröffnung; Foto: Stadt Leipzig

Der neue Wertstoffhof (WSH) ist von der Nutzungsfläche her der Größte in der Stadt. Thomas Kretzschmar, Erster Betriebsleiter des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig (EB SRL): "Die optimierte Verkehrsführung und Containerlogistik sollen die Wartezeiten reduzieren und dadurch eine höhere Leistungsfähigkeit ermöglichen. Im Zuge der Eröffnung haben wir zum Jahresende auch den Vertrag mit einer Fremdfirma zur Betreibung des Wertstoffhofes in der Stöhrerstraße gekündigt. Denn die Kapazitäten des Hofes in der Geithainer Straße 13, der nur wenige Kilometer entfernt ist, reichen auch für die Entsorgung der Abfälle aus Abtnaundorf, Neustadt-Neuschönefeld und Schönefeld. Außerdem bieten wir bürgerfreundlichere Öffnungszeiten auf unserem Hof an."

Von April bis November 2020 waren auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Deutschen Bahn Freiflächen grundhaft ausgebaut, Einfriedungen für Grundstück und Einfahrtstor errichtet sowie eine Mauer als Schallschutz zur anliegenden Kleingartenanlage aufgebaut worden. Um künftig Regenwasser zur Entwässerung der Pflasterflächen abzufangen, wurde zudem eine Versickerungsanlage errichtet. Die Mehrzweckhallen auf dem Gelände dienen als Lagerraum. Der Annahmebereich für Elektroschrott wurde zur Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen komplett überdacht und eingehaust.

"Wir haben insgesamt 1,55 Millionen Euro investiert, um den Leipzigerinnen und Leipzigern einen modernen und nutzerfreundlichen Wertstoffhof bieten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen ermöglichen zu können", fasst Elke Franz, Kaufmännische Betriebsleiterin des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig zusammen. Den Beschäftigten steht vor Ort ein Service-Container mit Aufenthaltsbereich und sanitären Anlagen zur Verfügung.


Containerparade; Foto: Stadt Leipzig

Wie weiter Anger-Crottendorf?

Im März 2019 waren viele Anwohnende aber vor allem die Menschen im Kleingartenpark erzürnt, als der alte Wertstoffhof schloss, kurze Wege länger und kein Ersatz in Sicht war. Auch damals schon gab es Gerüchte, die Stadtreinigung Leipzig möchte die Anzahl der Wertstoffhöfe (bisher 16) verkleinern – auch mit Blick auf die Kosten, denn im Durchschnitt fallen pro Wertstoffhof jährliche Kosten in  Höhe von 465.000 Euro an. Leipzigs Partnerstadt Frankfurt am Main betreibt z.B. nur sechs Wertstoffhöfe.

Wie die Strategie des Eigenbetriebes aussieht, erfragte die CDU-Fraktion in der Novembersitzung im Stadtrat (Vorlage – VII-F-01900). Die Antworten fielen sehr umfänglich aus. Die Ansprüche an Qualität und Gesetzmäßigkeiten „werden auch unter Berücksichtigung der Grundstücksverfügbarkeiten und Gebührenbelastungen aus Sicht des EB SRL mit zentralen, gut ausgebauten WSH umzusetzen sein“.

Heißt also, mittelfristig wird es weniger Wertstoffhöfe im Stadtgebiet geben. Die Kündigung „des Vertrages mit einer Fremdfirma zur Betreibung des Wertstoffhofes in der Stöhrerstraße“ zeigt die Strategie hin zu mehr Zentralisierung. Aber „die Bündelung von Finanzen und personellen Ressourcen“ erlaubt „eine wirtschaftliche Betreibung im Sinne aller Gebührenzahler“, es steigt die „Qualität der fachlichen Beratung“, es wird „bürgerfreundlichere Öffnungszeiten“ geben und durch eine „Optimierung der Logistik werden überfüllte Container vermieden“. 

Na das ist doch auch was. Besser wäre es natürlich, die Stadtreinigung würde ihr Angebot zur Vor-Ort-Abholung ausbauen und niedrigschwellig halten und die Bürger*innen würden einfach weniger wegwerfen, dafür Dinge länger nutzen.

Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


Anger-Crottendorfer Zahlensalat

  • Veröffentlicht: Dienstag, 12. Januar 2021 16:06

Im September hat das Amt für Statistik und Wahlen den neuen Quartalsbericht veröffentlicht. Die erste statistische Auswertung für das Jahr 2020 erschien also erst im Herbst – ungewöhnlich.
Da spielt die Pandemie sicher auch eine Rolle, ausschlaggebend waren aber die Wahlen (Europa, Stadtrat, Ortschaftsrat, Landtag, OBM) der letzten eineinhalb Jahre, welche Kräfte im Amt banden und eine statistische Betrachtung zu den Veränderungen in der Stadt verzögerten.

Nun ist der Statistische Quartalsbericht I/ 2020 da. Das ist ein guter Anlass, um ganz generell mal auf ein paar Zahlen zur Entwicklung im Stadtteil der vergangenen Jahre zu schauen. Was ist passiert zwischen 2009 und 2019?

Anger-Crottendorf wächst, wird jünger und autoärmer

In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Einwohnerzahl in ganz Leipzig enorm. Die Stadt stand jahrelang deutschlandweit an der Spitze mit einem Nettowachstum von mehr als 10.000 Menschen. Lange Zeit noch verschlafen – in einigen Dingen auch heute noch – wuchs die Einwohneranzahl auch in Anger-Crottendorf. Von 2009 bis 2019 stieg diese um ein gutes Viertel auf jetzt 12.057. Gleichzeitig stiegen auch die Baugenehmigungen für Wohngebäude kontinuierlich. Wurde in den Nullerjahren jedes Jahr nur eine einstellige Anzahl an Wohngebäuden im Stadtteil saniert, stieg diese Zahl in den Zehnerjahren auf eine zweistellige Anzahl jedes Jahr. Inzwischen sind unsanierte und unbewohnte Gebäude in Anger-Crottendorf eine Ausnahme.

Das Durchschnittsalter sank seit 2009 um drei Jahre auf 36,9. Die Jugendquote (Zahl der Einwohner im Alter von unter 15 Jahren zur Zahl der Einwohner im Alter zwischen 15 bis 64 Jahren) sank um ein halbes Prozent auf 18,5%. Aber ebenso sank die Altenquote (Zahl der Einwohner im Alter ab 65 Jahren zur Zahl der Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren). Diese sank sogar stärker als die Jugendquote, von 26,0% auf 17,4%. Die Anzahl der Haushalte wuchs um ein Drittel, die meisten sind 1 Personen-Haushalte (60%).

Liest sich also so, dass ein Großteil junger Menschen dazu gekommen ist, die studieren, lernen oder ihre Karriere in Leipzig starten bzw. fortsetzen. Menschen mit einem strukturierten Alltag und mit gefestigten Bindungen sind auch weniger kriminell. Die Anzahl der Straftaten pro 1.000 Einwohner stieg in den letzten zehn Jahren nur um 7%. Anger-Crottendorf ist also ähnlich kriminell wie 2009, trotz des starken Bevölkerungswachstums. Oder anders ausgedrückt, die „Ureinwohner“ waren damals deutlich krimineller als die heutige Gesellschaft.

Die Anzahl der privaten PKW im Stadtteil stieg in der Zeit um 25% und ist im Stadtvergleich (336 PKW auf 1.000 Einwohner) unterdurchschnittlich (275). Zudem ist Anger-Crottendorf einer von drei Stadtteilen in denen die Anzahl der privaten PKW je 1.000 Einwohner über 18 Jahren von 2018 auf 2019 am stärksten zurückging (-5) – auf 325 private PKW auf 1.000 Einwohner über 18 Jahren.

Hinweis: In der Sommerausgabe des Anger-Crottendorfer Anzeiger findet sich die Zahl, dass „über 70% der Einwohnenden gar kein Auto“ haben. Diese Prozentzahl bezieht sich auf alle Einwohnenden, also auch Kinder. Im Quartalsbericht I/ 2020 gibt es nun eine weitere Spalte in der der Fahrzeugbesatz „je 1.000 Einwohner über 18 Jahren“ ausgewiesen wird. Dort findet sich die Zahl 325 private PKW. Wie man es auch dreht und wendet, die Mehrheit der Menschen in Anger-Crottendorf hat kein Auto und ist trotzdem mobil.

Wie weiter Anger-Crottendorf?

Das Anger-Crottendorf in einer wachsenden Stadt nun auch erwacht ist ein gutes Zeichen. Junge Menschen siedeln im Viertel, wohnen nicht nur für kurze Zeit, sondern leben hier. Mit dem Wachstum in der jungen Kohorte geht aber auch einher, dass diese Familien gründen und Kinder bekommen. Dann braucht es mehr Kitas und Schulen. Da dies lange nicht auf der Agenda der Stadtverwaltung stand, muss nun zügig aufgeholt werden. Und es ist schon viel passiert. Der Campus Ihmelsstraße entsteht und wird sich für vielfältige Aktivitäten im Quartier öffnen. Die Grundschulen sind durchsaniert, aber fast voll (mehr dazu im Artikel „Summer Crottendorf“ in diesem Heft). Die Kita „Sonnenblume“ zieht vorübergehend um. Das marode und in Teilen nicht mehr nutzbare Gebäude wird abgerissen und an selber Stelle neu errichtet.

Das Thema Verkehr wurde – ja, in den letzten dreißig Jahren – völlig vernachlässigt und sich selbst überlassen. Das Ende vom Lied kann erlebt werden auf zugeparkten Gehwegen, Ecken, Grünflächen. Und ein jeder behauptet ein Auto ganz dringend zu brauchen, obwohl eine nicht zu übersehende Anzahl der Fahrzeuge Stehzeuge sind. Ob da ein verbessertes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr hilft (die Bahn baut noch bis 2024 an der S-Bahn-Strecke, Bus- und Tramstrecken sind im Gespräch), oder eine echte Förderung von Fuß- und Radverkehr statt noch mehr Parkplätze, sowie ein konsequentes Durchsetzen der gültigen Regeln (StVO), wird die nahe Zukunft zeigen. Denn es wird ernst in einem vollen Stadtteil.

Der aktuelle Anger-Crottendorfer Anzeiger kann unter diesem Link als pdf runtergeladen werden.


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