Neuer Tausch-Schrank im Lene-Voigt-Park

  • Veröffentlicht: Donnerstag, 16. Dezember 2021 22:06

Seit vielen Jahren schon wird im Lene-Voigt-Park verschenkt und getauscht. Dazu gab es hin und wieder einen festen Unterstand. Los ging es 2015 mit „Lenes Tauschbude“, ein von Tausch-Enthusiasten aus einem alten Schrank gezimmertes Tauschregal. Über die Zeit wurde die Tauschbude immer wieder Opfer von Vandalismus und Vermüllung, sodass die Stadtreinigung den Ort häufig beräumte, inklusive der jeweiligen Bude. Zudem gab es für „Lenes Tauschbude“ – egal in welcher Form – nie eine amtliche Genehmigung.

Seit 23. Oktober ist das anders. Denn nun steht am östlichen Ende des Parks ein neuer Schrank „Lenes Tauscho“. Der ACA sprach zur Einweihung bei einem Glas Sekt mit Aaron Krautheim, Initiator und steter Anschieber des Projektes.

ACA: Wie kam es zu „Lenes Tauscho“?

Aaron: Ich bin oft hier vorbei gefahren. Das war jahrelang mein Schulweg. Ich dachte mir, die Situation hier ist nicht mehr hinnehmbar, das ist einfach wahnsinnig dreckig, obwohl der Gedanke hinter dem Tauschen eigentlich sehr schön ist. Ich hatte Lust auf ein Nachbarschaftsprojekt und ich habe Lust dem Viertel auch was zurück zu geben. Ich dachte mir, neben dem Online-Phänomen, dass es in Leipzig z.B. viele Telegram-Gruppen gibt, wo Menschen quasi die ganze Zeit Dinge tauschen und teilen, wäre es auch schön, einen realen Ort zu haben, wo man das auch tun kann.

ACA: Reudnitz lebt von seinen jungen, kreativen, aktiven Leuten. Hast Du deine Wurzeln auch hier im Stadtteil?

Aaron: Ich bin in der Köbisstraße an der Riebeckbrücke aufgewachsen. Dann war ich lange Anger-Crottendorfer hinten in der Neubauer Straße gegenüber von der Eisdiele. Und ich war auch lange in der Trinitatis-Kirchgemeinde, da quasi erst Kindergarten, dann Kurende natürlich auch Konfi und Junge Gemeinde und so weiter. Dann war ich eine zeitlang in Sellerhausen und jetzt wohne ich in Zentrum West.

ACA: Wer steckt heute hinter dem Projekt „Lenes Tauscho“?

Aaron: Ich verstehe mich als Initiator des Ganzen. Ich habe das auf den Weg gebracht. Ich habe die Finanzierung und Planung gemacht. Das Konzept mache ich zusammen mit der „Verschenke-Kiste“, die bisher in der Wurzner Straße war (der ACA berichtete). Die haben aktuell keine Ladenfläche, sind aber ein gemeinnützigerVerein aus dem Leipziger Osten. Vordergründig stellen sie Kleidung für Menschen zum Tauschen und Teilen zur Verfügung – unentgeltlich – und finanzieren sich über Spenden. Das langfristige Konzept mache ich mit denen zusammen, aber alleine ist das eben nicht stemmbar.

ACA: Wer finanziert(e) euch den Schrank, wie kam das zustande? Sucht ihr immer noch Unterstützende über Crowdfunding?

Aaron: Es gab anfänglich eine Förderung von der Stadt – 3.000 Euro aus dem Stadtbezirksbudget. Nach Corona haben sich in den letzten Monaten die Materialpreise vervielfacht und das hatte ich nicht einkalkuliert. Deswegen musste ich also noch ein Crowdfunding machen. Das Crowdfunding läuft jetzt noch acht Tage bis zum 31. Oktober. Es sind über 3.000 Euro bereits zusammen gekommen. Man denkt es am Anfang nicht, aber es ist dann doch alles deutlich teurer als man sich das vorher ausgemalt hat, gerade, wenn man natürlich lokale Handwerksbetriebe nimmt und auch auf eine faire Bezahlung achtet. Ich habe mir ganz bewusst die Konstruktiv eG rausgesucht – ein Metallbaubetrieb, der eine Genossenschaft ist. Die zahlen einen Einheitslohn und sichern auch Immobilien in der Stadt, dass diese quasi dem Markt entzogen werden. Das ist nochmal ganz spannend. Die gehören zum Mietshäuser-Syndikat und sitzen in der „Betonkiste“ in Leipzig Grünau.

ACA: Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Aaron: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich die Bürgerinnen und Bürger hier im Stadtteil alle zusammen für diesen Tauschschrank verantwortlich fühlen. Dass die Leute, ungefähr 500 bis 800 Menschen pro Tag, nicht nur holen und bringen, sondern dass sie auch mal Müll wegräumen, auch mal wischen, auch mal gucken. Dass die Leute sich also damit verbunden fühlen und das nicht nur so nebenbei nutzen. Das ist eigentlich mein größter Wunsch.

"Lenes Tauscho"

im Lene-Voigt-Park Höhe Albert-Schweitzer-Straße bzw. Kippenbergstraße

www.lenes-tauscho.de
www.instagram.com/lenes_tauscho





Was brachte die Europäische Mobilitätswoche 2021 Anger-Crottendorf?

  • Veröffentlicht: Dienstag, 14. Dezember 2021 21:08

Die Europäische Mobilitätswoche (EMW) ist eine Initiative der Europäischen Kommission. Seit 2002 bietet sie Kommunen in ganz Europa die Möglichkeit, ihren Bürgerinnen und Bürgern die komplette Bandbreite nachhaltiger Mobilität vor Ort näher zu bringen.
Vom 16. bis 22. September wurden unter dem Motto "Aktiv, gesund und sicher unterwegs" stadtweit auch in diesem Jahr zukunftsweisende Arten mobil zu sein ausprobiert: So wurden beispielsweise Parkplätze und Straßenraum umgenutzt, neue Fuß- und Radwege eingeweiht, Elektro-Fahrzeuge getestet, Schulwettbewerbe ins Leben gerufen und Aktionen für mehr Klimaschutz im Verkehr durchgeführt. Ziel ist immer, innovative Verkehrslösungen auszuprobieren und mit kreativen Ideen für eine nachhaltige Mobilität zu werben.

Ein fester Bestandteil der EMW in Leipzig ist der Bürgerverein Anger-Crottendorf. In diesem Jahr organisierte er gleich drei Projekte, eins davon in Kooperation mit dem Ostwache Leipzig e.V. Alle drei bewiesen ihre Praxis- und Enkeltauglichkeit und werden perspektivisch den Stadtteil dauerhaft verändern.

Mobilpunkt

In der Gregor-Fuchs-Straße, Höhe Haus 35, wurde vom 13. bis 26. September ein Mobilpunkt getestet. An diesem konnten zwei Fahrzeuge des örtlichen Carsharing-Anbieters ausgeliehen werden. Unter Carsharing (Deutsch: Autoteilen) versteht man die Möglichkeit, Autos kurzzeitig anzumieten, zum Beispiel über eine App. Die Nutzung der Fahrzeuge wird dabei in der Regel über einen Zeit- oder Kilometertarif abgerechnet oder eine Kombination aus beiden. Neben dem Free-Floating Angebot cityflitzer (dürfen überall abgestellt werden) gibt es in Anger-Crottendorf nur einen stationsbasierten Kleinwagen von teilAuto. Das ist in Hinsicht auf die anstehende Verkehrswende viel zu wenig. Mit dem Angebot während der EMW wurde die Verfügbarkeit somit erhöht. Der Bürgerverein bastelte zur besseren Sichtbarkeit die obligatorische blau-gelbe Mobilpunktsäule. Und die Fahrzeuge wurden mehr als intensiv genutzt.  

Der Hochdach-Kombi hatte neun Buchungen und eine Zeitauslastung von knapp 20% und 500 km Fahrweite. Der Kleinwagen hatte 13 Buchungen und eine Auslastung von über 50% und eine Gesamtfahrweite von knapp 2.000 km – innerhalb von nur zwei Wochen! „Ich würde sagen, das hat reingeknallt“, kommentierte die Aktion in Anger-Crottendorf Thorsten Bähr, Regionalleiter bei der Mobility Center GmbH, welche die Fahrzeugflotten von teilAuto und cityflitzer managed. „Angesichts dessen, dass das eine temporäre Station mit gleich zwei Fahrzeugen war, die im Vorfeld nicht angekündigt war, ist die Nutzungsstatistik schon Wahnsinn und zeigt eindeutig, dass es im Quartier großen Bedarf für das Mobilitätsangebot Carsharing gibt“, ergänzt Bähr. „Aus diesem Grund hoffen wir, dass die Stadtverwaltung alles möglich Machbare unternimmt, damit wir als Mobilitätsdienstleister weiter und noch stärker in die Quartiere gehen und Carsharing-Stellplätze im öffentlichen Straßenraum in Form von Mobilpunkten einrichten können, um unsere Dienstleistung noch flächendeckender anbieten zu können.“

Am genannten Standort sollte es eigentlich schon längst einen Mobilpunkt oder eine Mobilitätsstation geben. Im Gegensatz zu den schon länger bestehenden Mobilitätsstationen, die ein Komplettangebot von Carsharing, Fahrradleihe sowie Elektroauto-Ladesäulen bereithalten und sich stets an ÖPNV-Haltestellen befinden, sind Mobilpunkte für die kleinteiligere Erschließung von Wohngebieten gedacht. Sie halten nur ein oder zwei Mobilitätsservices bereit. Die Rechtslage gibt es inzwischen her, Bereiche im öffentlichen Straßenraum für Carsharing zu widmen. Leider hatte das Verkehrs- und Tiefbauamt über lange Zeit die Planungen dazu verschlafen. Im vergangenen Jahr hat die Pandemie einen Strich durch die Rechnung des Carsharing-Unternehmens gemacht.

Thorsten Bähr und der Bürgerverein Anger-Crottendorf arbeiten weiter daran, dass der Mobilpunkt bald dauerhaft Wirklichkeit wird.

Noch ein paar Fakten am Rand. Wer sich über fehlende Parkplätze aufregt, muss sich klarmachen, dass er oder sie mit dem eigenen Fahrzeug eben genau für diesen Mangel sorgt. Im Durchschnitt sitzen in jedem fahrenden Auto in Leipzig 1,3 Personen. Das private Fahrzeug steht zudem 23 Stunden am Tag herum und wird nicht bewegt, 19 Stunden davon am rechten Fahrbahnrand im öffentlichen Raum. Im Gegensatz zum eigenen Auto kann stationsgebundenes Carsharing mehr als 90% der Flächen des Verkehrs freisetzen. Denn im Durchschnitt teilen sich 39 Personen ein Carsharing-Auto. Mehr dazu im letzten Abschnitt dieses Beitrages.

Es soll Menschen geben, die ein privates Auto haben und behaupten, weil sie KfZ-Steuern zahlen, hätten sie ein Recht auf einen kostenlosen Parkplatz im öffentlichen Raum. Auch für jedes Carsharing-Fahrzeug wird eine KfZ-Steuer fällig. Aber oben drauf zahlt z.B. teilAuto für jeden Stellplatz im öffentlichen Raum in Leipzig eine Sondernutzungsgebühr von bis zu 405 Euro – pro Monat. In Anger-Crottendorfer Nebenstraßen sind es 315 Euro. Das ist der Preis für einen Stellplatz am rechten Fahrbahnrand. Wer möchte das bezahlen? Wer macht dazu eine Umfrage?

PARK(ing) Day

Unter dem Motto „Gebt den Kindern das Kommando!“ fand am 17. September der diesjährige PARK(ing) Day in der Stünzer Straße statt. Der Bereich zwischen der Kita Dschungelbande und der 74. Grundschule war während der Aktion autofrei. Noch müssen sich dort Zufußgehende und Autofahrende den Platz teilen, ein durchgängiger Gehweg fehlt. Es kommt regelmäßig zu brenzligen Situationen. Für eine Verbesserung der Situation streiten schon lange Zeit viele Akteure mit der Stadtverwaltung (der ACA berichtete). Diese sieht allerdings viele Hürden. Das es aber auch ganz einfach gehen kann und der Stadtraum auch anders – und vor allem sicher – genutzt werden kann, zeigte dieser Tag. Von 13 bis 18 Uhr konnten sich Groß und Klein frei und ungestört zwischen den aufgebauten Pavillons bewegen. Der Bürgerverein sorgte mit dem „Café AC“ für etwas Bistro-Feeling. Der Kuchen kam vom Brause-Bäcker, der Kaffee aus fairem Handel. Es gab ein Bastelzelt, einen Fahrradparcours, Infos zu Lebensmittelverschwendung und viel mehr noch an Spiel, Spaß und Spannung. Die Aktion war zusammen mit der Kita- und der Hortleitung der 74. Grundschule geplant und die Kids nutzen die sonst unmöglichen Möglichkeiten.

Für die Erwachsenen gab es etwas schwerere Kost. Der Berater für Verkehrsprobleme Alexander John klärte im „Forum AC“ über die  Mobilitätsstrategie 2030 auf und was diese für die Verkehrsentwicklung in Leipzig bedeutet. Er lotete zudem aus, ob eines Tages durch Anger-Crottendorf wieder eine Straßenbahn fahren wird – vielleicht sogar über die Gregor-Fuchs-Straße. Mit Stadtplanern des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung konnte zu diesem Thema ebenso ins Gespräch gekommen werden. Die beiden Stadträtinnen Katharina Krefft und Kristina Weyh waren ebenfalls vor Ort und warben für die baldige Umsetzung eines Quartiersbusses.

Einigen Erwachsenen gefiel die temporäre Umgestaltung der Straße so gut, sie brachten von Zuhause Stühle mit und setzten sich zum Plaudern einfach auf die Straße. Im Hintergrund spielte die Anger-Crottendorfer Band S.A.T.U. nach langer Corona-Pause zum ersten Mal wieder auf. Es war eine fröhlicher Nachmittag. Warum nicht immer so? Was zukünftig hier alles passieren wird, ist im Beitrag "Mehr Verkehrssicherheit in der Stünzer Straße" auf Seite 19 nachlesbar.

Quartiersbus

Ebenfalls seit Jahren arbeitet der Bürgerverein zusammen mit Engagierten des Stadtteils für eine bessere Erschließung von Anger-Crottendorf durch den ÖPNV. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) waren bisher um keine noch so absurde Ausrede verlegen, warum dies nicht möglich ist. Mal passt ein Bus nicht durch den Torbogen Theodor-Neubauer-Straße, mal schicken sie generell keine Gelenkbusse durchs Wohnviertel. Mit Blick auf einen Probebetrieb während der EMW hieß es von Seiten der LVB: „Mit einem Testbetrieb werden Erwartungen geweckt, (die) aus kommunikativer Sicht aber leicht nach hinten losgehen (können).“ Heißt: Bevor die LVB mit einer Aktion Bedarfe weckt, die sie nach der Aktion nicht bedienen kann, macht sie lieber nichts.

Dass es einen besseren ÖPNV im Stadtteil allerdings sehr wohl geben kann, bewiesen der Ostwache Leipzig e.V., der Bürgerverein Anger-Crottendorf und engagierte Bürgerinnen und Bürger. Sie organisierten einen Bus, der am 18. September von 12 bis 18.30 Uhr immer wieder die selbe Runde abfuhr. Dabei steuerte dieser wichtige Halte- und Umsteigepunkte an, wie S-Bahnhof, Konsum, Kaufland, etc. Die zentrale Endhaltestelle war dabei die alte Feuerwache-Ost, in deren Innenhof der Ostwache Leipzig e.V. parallel sein Herbstfest feierte. Im Vorfeld wurden die Haushalte im Stadtteil mittels einer Postkarte von dieser Aktion informiert. Diese Postkarte galt gleichzeitig auch als Fahrschein für die genannte Zeit mit dem Quartiersbus. Auch auf der letzten Seite des Anger-Crottendorfer Anzeigers fanden alle Interessierten zwei heraustrennbare Tickets, mit denen die Mitfahrt kostenfrei möglich war.

Und das Angebot wurde rege genutzt. Zahlreiche Gäste sprachen sich für die Aktion sowie eine Dauerlösung aus und stiegen ein. Insgesamt neun Mal fuhr der Bus die definierte Strecke durch den Stadtteil und verband so zentrale Punkte, die bisher nur schwierig zu erreichen sind, weil die nächste Haltestelle für viele Menschen oft zu weit weg ist. Dabei waren insgesamt mehr als 120 Menschen mit an Bord. Während der Fahrt unterhielt der „Copilot“ die Fahrgäste mit launigen Informationen zum Stadtteil, Gebäuden, Straßennamen und anstehenden Entwicklungen.

Am Infostand vor der Ostwache konnten sich Interessierte den ganzen Tag zu der Aktion informieren und in einer Unterschriftenliste für ein Fortsetzen dieses Angebotes aussprechen. Insgesamt wurden an diesem Nachmittag 73 Unterschriften gesammelt.

Ganz stark war, dass keine klare Zielgruppe zu erkennen war. Von jung bis alt nahmen alle Altersgruppen teil. Die ältere Generation machte in Gesprächen deutlich, wie wichtig so ein Angebot für sie ist, und dass sie darauf schon lange warten. Kinder fuhren mehrmals mit, weil es einfach wahnsinnig toll ist, durch Anger-Crottendorf mit einem Bus zu fahren, was sonst nicht möglich ist.

Einen Schönheitsfehler lieferte allerdings das Wetter. Der Samstag war sehr kühl für einen Septembertag und gekennzeichnet von teils starken Schauern. Es ist davon auszugehen, dass dieses Wetter einige Menschen davon abhielt an der Aktion teilzunehmen.

Der Quartiersbus Anger-Crottendorf wurde finanziert mit Mitteln aus dem Stadtbezirksbudget. Wer dem Projekt im Stadtbezirksbeirat-Ost allerdings nicht zustimmte und dies unbegründet ablehnte, waren die beiden Mitglieder der CDU.

In der Aufsichtsratssitzung der LVB am 20. September wurde die Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe durch die Aufsichts- und Stadträtinnen Kristina Weyh und Franziska Rieckewald über diese Aktion informiert. Die Geschäftsführung zeigte sich erstaunt und empfand es als sehr beschämend, dass die LVB diese Aktion trotz Anfrage durch der Organisator*innen nicht selbst durchgeführt hat.

Der Bürgerverein wird sich in der 48. oder 49. Kalenderwoche mit den Leipziger Verkehrsbetrieben an einen Tisch setzen und das Anliegen wiederholt deutlich machen. Dabei fließen in die Überlegungen der LVB die bürgervereinseigene "hervorragende Kenntnis der Rahmenbedingungen und Befindlichkeiten des Stadtteils" mit ein, wie die LVB kürzlich in einer E-Mail an den Bürgerverein verlautbaren ließ. Das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung sucht zudem Sponsoren aus der Privatwirtschaft, die einen Bus – ähnlich des „Grünolino“ in Grünau – finanzieren können, bis dieser spätestens 2024 in den Linienbetrieb der LVB aufgenommen wird. Es bewegt sich was!

Aktion: Ring frei!

Zwar nicht in Anger-Crottendorf, dafür in der Innenstadt, hieß es am Sonntag, 19. September: Ring frei! Von 10 bis 17 Uhr war der Innenstadtring nur Zufußgehenden, Skatern und Radfahrenden vorbehalten. An zahlreichen Ständen informierten Initiativen über ihr Mobilitätsangebot, konnten Spiele gespielt und Dinge ausprobiert werden. Oder die Menschen gingen einfach nur spazieren. Die LVB ließ historische Straßenbahnen fahren und Menschen trafen sich auf dem Augustusplatz zu einem Rekordversuch – die größte Gehzeugparade der Welt.

Ein Gehzeug ist ein Gestell, das von einer Person getragen wird und die Abmessungen eines PKWs hat. Damit soll der enorme und als selbstverständlich empfundenen Platzbedarf eines Autos aufgezeigt werden, in dem aber meistens nur eine Person sitzt. Die Idee dazu geht auf den österreichischen Verkehrswissen-schaftler Prof. Dr. Hermann Knoflacher zurück, der 1975 das Gehzeug erfand. Er wollte damit die Fehlentwicklungen in der autogerechten Verkehrsplanung aufzeigen.

So bauten auf dem Augustplatz zahlreiche Menschen 105 Gehzeuge zusammen und fuhren – nein liefen – eine halbe Runde um den Ring. Weltrekordversuch geglückt!

An einer anderen Stelle des Rings versammelten sich 60 Menschen, mit Fahrrädern, dazu 46 private Autos, zwei Carsharing-Fahrzeuge, neun Ridepooling-Fahrzeuge und zwei moderne Elektrobusse der LVB. Vor dem Astoria startete die Aktion „Flächengerechtigkeit und nachhaltige Mobilität in Leipzig“. Die Leipziger Unternehmen CleverShuttle, seecon Ingenieure und teilAuto sowie die Initiative Verkehrswende Leipzig von Changing Cities e.V. stellten vor der Hotelbaustelle den Platzbedarf dar, den 60 Menschen benötigen, wenn sie zu Fuß, mit dem Rad, im ÖPNV, mit Carsharing-Angeboten oder dem privaten PKW unterwegs sind.

Das Ergebnis war klar. Die direkte Gegenüberstellung der vier Verkehrsträger (s. Foto) zeigt, dass Fußgänger*innen im Vergleich zu allen anderen Verkehrsträgern den geringsten Flächenbedarf (mit ca. 71 m²) haben. Überraschen mag die Tatsache, dass 60 Radfahrende (mit ca. 124 m²) mehr Platz beanspruchen als die Verkehrsmittel des straßengebundenen ÖPNVs (mit ca. 89 m²), die statistisch gesehen zur einmaligen Beförderung dieser Anzahl von Personen notwendig sind (Zeitpunktbetrachtung). Dagegen überrascht es sicherlich nicht, dass die 46 Privat-Pkw, die statistisch gesehen zur einmaligen Beförderung von 60 Personen notwendig sind, den größten Flächenbedarf (mit ca. 832 m²) aufweisen.

Und da Leipzig – wie auch Anger-Crottendorf – nun einmal nur begrenzt Platz hat, wird es dingend Zeit für eine Verkehrswende, die zweckdienliche und bedarfsgerechte Nutzung und Kombination verschiedener Verkehrsmittel möglich macht.

Der Bericht zur Aktion: "Flächengerechtigkeit und nachhaltige Mobilität in Leipzig" kann online nachgelesen werden, unter:

www.seecon.de/fnmleipzig





Wahlnachlese zur Bundestagswahl 2021

  • Veröffentlicht: Sonntag, 12. Dezember 2021 18:34

Am 26. September waren in Anger-Crottendorf 9.083 Menschen zur Wahl des 20. Bundestages aufgerufen. Insgesamt gaben 6.891 Wählerinnen und Wähler ihre beiden Stimmen ab. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 75,9%. Soweit passt das zum Bundestrend mit 76,9%. Aber das Endergebnis im Stadtteil selbst passt dann doch nicht mehr so, zeigen sich doch gravierende Unterschiede zum Rest der Republik.

Derzeit diskutieren SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP über die Bildung einer Ampelkoalition unter einem Kanzler Olaf Scholz. Wie es ausgeht, wird die Zeit zeigen. Die Koalitionsverhandlungen dauerten noch an, als dieser Text entstand. Die möglichen Koalitionäre planen in der Nikolaus-Woche den Kanzler wählen zu können, der dann eine Regierung aufstellen wird, so die oft wiederholten Bekundungen aus Berlin.

So lange kann der ACA allerdings nicht warten und betrachtet daher das Wahlergebnis in Anger-Crottendorf, den Nachbarstadtteilen und ganz Leipzig ohne eine Kenntnis von der neuen Regierung.

Anger-Crottendorf

Das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 unterscheidet sich deutlich von dem von vor vier Jahren. Es reiht sich allerdings weitestgehend in die Ergebnisse der anderen vergangenen Wahlen aus 2019 ein (Europawahl, Stadtratswahl, Landtagswahl).

Die Zweitstimmen, die über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag entscheiden, verteilen sich in Anger-Crottendorf wie folgt: auf Bündnis 90/ Die Grünen 24,3%, auf DIE LINKE 18,7%, auf SPD 16,6%, auf AFD 11,3%, auf CDU 9,5%, auf FDP 8,6%, auf Sonstige 11,0%.

Damit entschied Bündnis 90/ Die Grünen klar den Stadtteil für sich. Im Vergleich zu 2017 legte die Partei um 140% (plus 14,2%) zu. Ebenfalls steigern konnten sich die SPD (plus 4,5%) und die FDP (plus 1,9%). Alle anderen hier genannten Parteien mussten abgeben, teilweise sogar dramatisch. DIE LINKE, im Ergebnis zwar zweitstärkste Kraft, verlor 7,1%, die AFD 4,1%. Als Wahlverlierer kann hier die CDU genannt werden. Sie halbierte ihren Stimmanteil im Stadtteil (minus 9,6%).

Die Erststimmen, die darüber entscheiden, welcher Direktkandidierende in den Bundestag entsandt wird, verteilen sich in Anger-Crottendorf wie folgt: auf Nina Treu (DIE LINKE) 24,6%, auf Marie Müser (Bündnis 90/ Die Grünen) 18,1%, auf Holger Mann (SPD) 16,5%, auf Jens Lehmann (CDU) 13,8%, auf Christoph Neumann (AFD) 11,5%, auf René Hobusch (FDP) 6,9%, auf Sonstige 8,6%.

Somit erhielt Nina Treu (1684) die meisten Stimmen im Stadtteil, mit großem Vorsprung vor Marie Müser (1235), gefolgt von Holger Mann (1131). Alle traten in diesem Jahr zum ersten Mal an und konnten ggü. den Direktkandidierenden der vergangenen Bundestagswahl überzeugen. Sie legten bei den Einzelstimmen gegenüber 2017 zu: Treu (plus 80), Mann (plus 96), Müser hat sogar 711 Wahlstimmen mehr auf sich vereinen können als noch der Direktkandidat 2017. Jens Lehmann und Christoph Neumann, beide waren schon Mitglieder des letzten Bundestages, stellten sich wieder zur Wahl. Allerdings verloren beide massiv Einzelstimmen, Neumann (minus 198), Lehmann (minus 427). Somit kamen die beiden Erst- und Zweitplatzierten aus 2017 nur noch als Viert- und Fünftplatzierte ins Ziel.

Die Bundestagswahl 2021 bestätigt den Trend der vergangenen Wahlen. Anger-Crottendorf ist ein links-grüner Stadtteil, in dem mal die eine, mal die andere Partei den Sieg einfährt. 43% der Wahlberechtigten gaben einer der beiden Parteien ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2021 (Europawahl 38,7%, Stadtratswahl  48,1%, Landtagswahl 47,0%). Es werden noch mehr, wenn man die SPD als eine linke Partei mit dazurechnen will.


In den Nachbarstadtteilen

Im Vergleich zu Anger-Crottendorf ist Reudnitz-Thonberg noch grüner. Sellerhausen-Stünz, lange Zeit schwarz, brach die Dominanz der CDU, wurde etwas roter.
In Sellerhausen-Stünz gewann die SPD (22,8%, plus 7,6%) vor AFD (17,7% minus 6,0%) und CDU (15,1% minus 8,2%). Auch hier halbierte sich die CDU bei den Zweitstimmen, Bündnis 90/ Die Grünen steigerten sich um mehr als das Doppelte. Den Stadtteil gewinnen konnte Holger Mann mit 21,8% (plus 3,6%). Jens Lehmann, 2017 noch klarer Sieger, verlor und landete mit 21,5% (minus 6,4%) auf dem zweiten Platz. Ihm fehlten am Ende 16 Stimmen.

In Reudnitz-Thonberg gewann Bündnis 90/ Die Grünen eindeutig mit 31,1% (plus 17,3%) der Zweitstimmen vor DIE LINKE 19,2% (minus 7,1%) und SPD 17,6% (plus 4,6%). CDU (7,6%, minus 10,1%) und AfD (7,0%, minus 3,8%) finden hier quasi nicht statt. Die meisten Erststimmen sicherte sich Sören Pellmann, DIE LINKE (29,6%, minus 0,3%) vor Paula Piechotta, Bündnis 90/ Die Grünen(25,6%, plus 12,4%). Die beiden Kandidierenden der AfD und CDU verloren an Stimmen gegenüber der Wahl 2017, Siegbert Droese, AfD (7,3%, minus 2,7%), Jessica Heller, CDU (9,9%, minus 10,6%).

Stadtgebiet

Den Wahlkreis 153 (Leipzig II) gewann Sören Pellmann (22,8%) vor Paula Piechotta (18,4%) und Nadja Sthamer (16,6%). Bei den Zweitstimmen liegt Bündnis 90/ Die Grünen (21,3%) knapp vor der SPD (20,9%). Den Unterschied machten 630 Stimmen.

Den Wahlkreis 152 (Leipzig I), in dem auch Anger-Crottendorf liegt, gewann Jens Lehmann (20,5%) knapp vor Holger Mann (20,2%). Den Unterschied machten 519 Stimmen. Die Zweitstimmen verteilten sich klarer. Die SPD holte mit 20,9% die meisten Stimmen, gefolgt von AfD (15,6%), Bündnis 90/ Die Grünen (15,5%) und CDU (15,0%).

Somit vertreten im 20. Bundestag die beiden direkt gewählten Jens Lehmann und Sören Pellmann die Stadt Leipzig. Über die Listenplätze (Zweitstimme) schafften es noch Holger Mann, Paula Piechotta und Nadja Sthamer nach Berlin.

Bemerkenswertes

In der ganzen Stadt ging die Wahl denkbar knapp aus. Dass Sören Pellmann für den Wahlkreis 153 im Bundestag mit Rückendeckung durch eine Fraktion sitzt, gelang nur, weil er eines von drei Direktmandaten holte. Bundesweit schaffte es DIE LINKE nicht über die Fünfprozenthürde. Lange Zeit galt der Süden Leipzigs als heiß umkämpft. Der Wahlkampf war bisweilen so hart, dass sich die beiden Kontrahent*innen Pellmann und Piechotta auf den diversen Wahlforen nicht mehr grüßten. DIE LINKE oder Unterstützer dieser, niemand weiß es so genau, plakatierte im Endspurt sogar Aufrufe, man solle mit beiden Stimmen DIE LINKE wählen, weil sonst der Wahlkreis an die CDU fällt. Ein klares Foul gegenüber Piechotta und Bündnis 90/ Die Grünen und nicht zutreffend, denn die CDU lief nur auf Platz vier ins Ziel.

So auch im Wahlkreis 152. Dort schaffte die CDU auch nur den vierten Platz, für eine ehemalige Dauersieger-Partei erschütternd mit Blick auf die Stimmenverluste. Jens Lehmann errang zwar das Direktmandat, aber nur um Haaresbreite. Er verlor gegenüber 2017 fast 10.000 Stimmen (minus 6,7%) und hielt sich nur, weil die zentrumsfernen Stadtteile ihn und die CDU wählten.

In Anger-Crottendorf verlor Lehmann klar, wie in vielen zentrumsnahen Stadtteilen. Dabei hatte er doch hier extra einen Verein gegründet, was er auf den diversen Wahlforen auch immer wieder betonte. Genutzt hat es ihm wenig. Der Blick auf die einzelnen Anger-Crottendorfer Wahlbezirke spiegelt das Anger-Crottendorfer Gesamtwahlergebnis wie oben beschrieben. Es ist ein links-grüner Stadtteil. Nur ein Wahlbezirk sticht da etwas heraus. Im Wahlbezirk 2209 konnte Lehmann seinen Konkurrenten Mann mit den Erststimmen überholen – mit 122 zu 105 Stimmen. Der 2209 ist übrigens der Wahlbezirk um die beiden Garagenhöfe Liselotte-Herrmann- und Krönerstraße. Ob die Stimmen an Lehmann den Vereinsmitgliedern nutzt, bleibt abzuwarten. Schließlich: Die Wahl ist vorbei und der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Alle Wahlergebnisse aus den Leipziger Wahlkreisen, unter:
https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/wahlen-in-leipzig/bundestagswahlen/ergebnisse-der-bundestagswahlen/ergebnisse-der-bundestagswahlen-2021




Winterausgabe des ACA erscheint

  • Veröffentlicht: Freitag, 10. Dezember 2021 08:11

Der neue Anger-Crottendorfer Anzeiger ist da.
 
In der Winterausgabe haben wir den Ausgang der Bundestagswahl untersucht und uns das Ergebnis aus Anger-Crottendorf und den Nachbarstadtteilen genauer angeschaut.
 
Außerdem gibt es eine große Auswertung der Europäischen Mobilitätswoche 2021. Wir lassen unsere diesjährige Gartenserie im KGV "Kultur" e.V. mit einer besonderen Pflanzaktion enden. Und wir berichten von einem Spaziergang entlang der Rietzschke. Darüber hinaus waren wir zu Besuch in der "Sportschule Mustang" sowie bei der Eröffnung von "Lenes Tasuscho". Und es gibt noch einiges mehr.

Wieder als Bonbon - und anlässlich des Themenjahres "Leipzig - Stadt der sozialen Bewegungen" - gibt es in dieser Ausgabe als Sonderbeilage Reproduktionen alter Ansichtskarten aus der Karl-Krause-Fabrik, dieses Mal zur Anger-Crottendorfer Industriekultur.
 
Der ACA liegt u.a. an folgenden Stellen aus: Bäckerei Brause (Sellerhäuser Straße 1), Bäckerei Hachmeister (Zweinaundorfer Straße 9), Cafe Anno Dazumal (Theodor-Neubauer-Straße 63), Café Lux (Martinstraße 13), Kiezkontor (Zweinaundorfer Straße 1), Kenko Burger (Zweinaundorfer Straße 7), Konsum (Gregor-Fuchs-Straße 31a), Kuchenhimmel & Brotfein (Martinstraße 6), LOCKER & LOSE (Josephinenstraße 12), Pasteur-Apotheke (Zweinaundorfer Straße 5), Sanitätshaus Haas (Zweinaundorfer Straße 5), Sprutzbu.de (Holsteinstraße 15)

Wer sich das Heft digital runterladen möchte, findet es hier: https://is.gd/geiVjI


Leserbrief zum Artikel über Demokratiedefizite bei MdL Ronald Pohle

  • Veröffentlicht: Sonntag, 05. Dezember 2021 21:32

Der Anger-Crottendorfer Anzeiger berichtete in der Herbstausgabe 2021 über MdL Ronald Pohle (CDU), den Vorsitzenden des Innenausschusses des Sächsischen Landtags, zudem Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das den Einsatz besonderer polizeilicher Mittel kontrollieren soll: Dem Abgeordneten aus Sellerhausen sei die Leipziger Verkehrspolitik zu umweltfreundlich. Pohle polarisiert und das ist sein gutes Recht. Aber nebenbei stellt er das Demonstrationsrecht in Frage und wendet sich gegen politische Willensbildung in einer offenen Gesellschaft. Dabei verheizt er gleich noch seinen Mitarbeiter Henry Hufenreuther.

Schade, denn ich kenne Hufenreuther persönlich. Ich schätze ihn. Natürlich haben auch viele andere Neustadt-Neuschönefeld geprägt – deshalb ist es ja so vielfältig und lebendig. Aber das Engagement Hufenreuthers wirkt nachhaltig positiv. Gar nicht unwahrscheinlich, dass nach ihm irgendwann mal in der Neustadt eine Straße benannt wird. Eine Straße – ein Rad- oder Fußweg aber nie und nimmer!

Mindestens das hat er vermasselt. Denn ebenso wie er als Mitarbeiter eines Mitglieds des Landtags (MdL) an dessen Weisungen gebunden ist, obliegt es ihm natürlich, „seine“ Abgeordnete bzw. „seinen“ Abgeordneten politisch zu beraten, mitunter zum Handeln zu bewegen, mitunter zu bremsen. Ich weiß das, ich war selbst mal Mitarbeiter eines Mitglieds des Landtags. Wenn nun etwa der Vorsitzende des Innenausschusses des Landtags am Stammtisch nach dem siebten Halben Grund- und Verfassungsrechte anzweifelt, dann muss sein*e Mitarbeiter*in dafür Sorge tragen, dass dies dort bleibt, wo es herkam und hingehört – nämlich ins Reich des Rauschs. Hier aber hat Henry Hufenreuther offenbar versagt. Sein Chef, MdL Pohle, sollte ihn abmahnen: Er kann doch keinen Mitarbeiter dulden, der ihn und damit die CDU als verfassungsfeindlich dastehen lässt! Durch die An- und Nachfragen an die Stadtverwaltung bezüglich des Demonstrationsrechts stellt Hufenreuther seinen Chef wahlweise als unzurechnungsfähig bloß, oder als jemanden, der vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte. Ist das Henrys Rache? Hufenreuthers Dummheit? Oder agiert er aus Angst um seinen Arbeitsplatz, um das Abgeordnetenmandat Pohles? Zittern beide vor der Stärke der AfD, fürchten sie, die Rechtsextremen könnten den Wahlkreis gewinnen und übernehmen daher gleich lieber selbst deren dumpfbackige, demokratiefeindliche Positionen?

In der CDU gab es immer reaktionäre Elemente. In der BRD und in Sachsen hat sie dennoch unbestreitbare Beiträge zum Aufbau eines demokratischen Staatswesens geleistet. Im Leipziger Osten kann man aktuell wie in einem Labor beobachten, wie es Faschisten gelingt, die CDU auf ihre Seite zu ziehen. Pollerfeind Pohle war sicher nie die hellste Kerze auf der Torte, aber nun richtet er sich gegen Klimaschutz, Grundrechte und wird zum Feind der Sächsischen Verfassung. Als Volksvertreter ist er eine Schande. Er muss abgewählt werden! Um ihn ist es wahrlich nicht schade.

Schade ist es um Henry Hufenreuther. Er war so viele Jahre ein Motor demokratischer Zivilgesellschaft im Leipziger Osten, ein Mitgestalter öffentlicher Räume, eine Art „Christdemokratie mit menschlichem Antlitz“. Jetzt wird er zum Gespött. Er fällt viel tiefer als Populisten-Pohle, wenn er sich Vertreter*innen menschenverachtender, klimafeindlicher und verfassungsvergessener Politik anbiedern muss, wenn er von seinem Chef und AfD-Faschisten - „fuck democracy“ - auf den politischen Straßenstrich geschickt wird. Eine Straße wird dann hoffentlich doch nicht nach ihm benannt, ein Rad- oder Fußweg ja sowieso nicht – allenfalls ein Parkplatz. (Jens-Eberhard Jahn, per E-Mail)

Der Artikel "Das etwas merkwürdige Verhältnis zur Demokratie von Ronald Pohle" erschein in der Herbstausgabe 13/ 2021 des Anger-Crottenorfer Anzeigers und ist online nachzulesen, unter:
https://bv-anger-crottendorf.de/joomla/neues/54-das-etwas-merkwuerdige-verhaeltnis-zur-demokratie-von-ronald-pohle




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