10 Jahre Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V., in Bewegung viel bewegt – ein Rückblick. Die ersten fünf Jahre

Der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem wichtigen Akteur im Stadtteil entwickelt. Was als kleine Initiative begann, ist heute eine treibende Kraft für soziale, kulturelle und infrastrukturelle Veränderungen. Der Verein fördert das nachbarschaftliche Miteinander, setzt sich für den Erhalt öffentlicher Plätze und grüner Oasen ein und schafft Raum für kulturelle Begegnungen. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern organisieren wir Putzaktionen, Kulturveranstaltungen und Informationsnachmittage, um das soziale Leben zu bereichern und aktiv zur Stadtteilgestaltung beizutragen.

Es ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, dass wir uns bei den Menschen im Stadtteil und darüber hinaus für die Zusammenarbeit ganz herzlich bedanken, die uns in den vergangenen Jahren begleitet und unterstützt haben. Denn die Zeit ehrenamtlich mitzuwirken, ist keineswegs selbstverständlich und verdient höchste Anerkennung.

Der Anfang

Am 8. Juli 2015 gründeten wir den Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. Damals gab es soziale Treffpunkte und kulturelles Leben im Stadtteil nur in homöopathischen Dosen. Gleichzeitig fürchteten etliche im Viertel Verdrängung durch Gentrifizierung. Und ein paar von denen, die beides nicht einfach erdulden sondern stattdessen ihren Stadtteil gestalten wollten, schlossen sich zusammen. Darüber hinaus waren die elf Gründungsmitglieder bereits mehr oder weniger intensiv in Vereinen oder politisch aktiv.

Unser zweiter PARK(ing)-Day 2018 in der Zweinaundorfer Straße. Im Jahr davor hatten wir einfach noch nicht fotografiert.
Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.

Im Aufbau

Nach noch verhaltenem Anfängen und einer Zeit des sich Orientierens trat der Verein 2017 an die Öffentlichkeit. Eine unserer ersten Aktionen war die Teilnahme am PARK(ing)-Day – einem Aktionstag am dritten Freitag im September – an dem Menschen eine Parklücke zu einem Treffpunkt gestalten. Im Herbst 2017 erschien zudem der erste Anger-Crottendorfer Anzeiger. Dafür reichten wir unsere ersten Fördermittelanträge ein. Zeitgleich gründeten andere Menschen den Ostwache Leipzig e.V., um die Feuerwache Ost nach dem Auszug der Feuerwehr als Nachbarschaftszentrum zu entwickeln. Dieser Entwicklungsprozess hält immer noch an.

Die Stadtverwaltung begann die Pläne für den neuen Bildungscampus in der Ihmelsstraße vorzustellen. Hier sollte neben einem Gymnasium und einer Oberschule mit Sporthalle auch ein (öffentliches) Stadtteilhaus für die Bürgerinnen und Bürger entstehen. Mit der fortschreitenden Entwicklung dieses Projektes wurde deutlich, dass der Stadtteil einschneidende Veränderungen erfahren sollte. Für den Ausbau dieses Schulkomplexes mussten Garagen und ein besonders bei Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern beliebter Wertstoffhof weichen.

Weil wir politische Bildung für wichtig hielten und halten, führten wir zur Bundestagswahl 2017 auch unser erstes Wahlforum durch und begannen eine wohlwollende Zusammenarbeit mit der Dreifaltigkeitskirchgemeinde. Die Trinitatiskirche verfügte bis dato über den einzigen größeren Raum im Stadtteil.

Das Adsventssingen 2019 auf dem Trinitatisplatz, unterstützt vom Posaunenchor der Dreifaltigkeitskirchgemeinde. Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.

Im „Jahr der Demokratie“ 2018 organisierten wir zwei Veranstaltungen zu den Themen ÖPNV und politische Mitbestimmung. Wir luden die Anwohnenden sowie Gäste aus Politik und Verwaltung ein. Hieraus entstand eine Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Sellerhausen-Stünz. Im Rahmen dieser konnten wir einen Prüfauftrag zur verbesserten Anbindung des Stadtteils durch den ÖPNV in die Beschlussvorlage zur Mobilitätsstrategie 2030 hineinschreiben. Mobilität und ruhender Verkehr waren von Beginn an ein Thema für uns. Durch den Bau des Citytunnels wurde die S-Bahn-Haltestelle Anger-Crottendorf verlegt. Das hatte zwei entscheidende Folgen. Einerseits ging ein wichtiger Zugang zum ÖPNV verloren, andererseits wurde der Bahndamm für mögliche Nachnutzungen frei. Die Väter der Idee streiten sich immer noch bei jeder Gelegenheit, wer ihn erfunden hat – den Parkbogen Ost. Auf jeden Fall fand die Stadtverwaltung die Idee so gut, dass sie sehr viele Fördermittel dafür einwarb. Nun erfuhr der innere Osten eine Aufwertung ungeahnten Ausmaßes. In den über die Jahre durchgeführten Bürgerbeteiligungsformaten sowohl im Projekt „Parkbogen Ost“ als auch „Wege zum Parkbogen“ war der Bürgerverein immer ein gern gesehener und kundiger Akteur, der die Entwicklung des Stadtteiles für eine saubere, resiliente und sichere Zukunft mitgestalten wollte und will.

Forum zur Landtagswahl 2019, mit dem Bürgerverein Sellerhausen-Stünz und der Dreifaltigkeitskirchgemeinde.
Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.

Wachstum

Im Jahr 2019 wurde alles ein bisschen größer. Am 30. April tanzten wir zum ersten „Tanz in den Mai“ auf dem damals noch nicht offiziell benannten Trinitatisplatz. Das änderten wir erst im darauffolgenden Jahr. Es folgte die Stadtratswahl im Mai und dann die Landtagswahl im September. Zusammen mit dem Bürgerverein Sellerhausen-Stünz und der Christlichen Initiative Wahlcheck organisierten wir ein tolles Wahlforum zur Landtagswahl. Der PARK(ing)-Day 2019 fand dann auch provokativer zwischen Trinitatisplatz und Konsum statt. Wir nahmen uns mehr Straßenraum und fragten die Menschen deutlich, ob ihr Stadtteil nur ein Schlafplatz oder auch ein Ort zum Leben sein soll? Ende Oktober weihten wir das erste Foodsharing-Fahrrad ein. Zum Adventssingen trat der Posaunenchor der Dreifaltigkeitskirchgemeinde auf. Alles eben ein bisschen pompöser. Und damit sich das fortsetzen sollte, engagierte ich mich zusätzlich als Mitglied im Stadtbezirksbeirat Ost. Damit gelang es uns Entwicklungen im Stadtteil weiter voranzubringen und auch auf Stadtverwaltungsebene in die richtigen Bahnen zu lenken. Aber dann kam das Jahr 2020 und mit ihm Corona. Wir lernten mit den Herausforderungen umzugehen und trafen uns zunächst viel Online.

Das Stadtteilheft Anger-Crottendorfer Anzeiger hatte sich bis dahin bereits als feste Institution etabliert. Seit 2020 brachten Neubesetzungen der Redaktion frischen Wind. Diese Veränderung spiegelte sich nicht nur im Erscheinungsbild wider. Der ACA wurde nun auf Recyclingpapier gedruckt und auch inhaltlich weiterentwickelt. Die Texte waren jetzt klarer in Kategorien unterteilt und auch die Themenvielfalt wurde merklich erweitert.

Inzwischen sind es schon 23 Ausgaben des identitätsstiftenden Stadtteilheftes Anger-Crottendorfer Anzeiger.
Foto: ACA

Von Anfang an war es unser Ziel, die Akteure aus dem Stadtteil vorzustellen. Im Laufe der Zeit kamen aktuelle Themen aus der Stadt hinzu, ebenso wie die Vorstellung von Läden und Geschäften – vor allem der Menschen, die darin arbeiten. Unser Fokus lag immer darauf, über die Veränderungen und bemerkenswerten Entwicklungen im Stadtteil zu informieren. Auch das Einbinden von Leserbriefen, Kommentaren und Beiträgen interessierter Bürgerinnen und Bürger war uns ein wichtiges Anliegen. Diese kontinuierliche Erweiterung spiegelte sich in den Seitenzahlen wider, die von anfänglich 12 auf mittlerweile bis zu 80 Seiten anwuchsen.

Einweihung des Foodsharing-Fahrrades “Kirsche” 2019, Sellerhäuser-, Ecke Peilickestraße. Der Name fand sich etwas später als jemand unzählige Gläser mit eingeweckten Kirschen hineinstellte.
Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.

Da Räume für Veranstaltungen in Anger-Crottendorf schon immer rar waren, erfanden wir 2020 den „Kaffeeklatsch“. An drei Sonntagnachmittagen luden wir Menschen zu Kuchen und fair-gehandeltem Kaffee unter freiem Himmel ein, um mit uns über den Stadtteil zu reden. Trotz Corona ging das Leben schließlich irgendwie weiter, gefühlt voller neuer Erfahrungen aber auch neuer und unerwarteter Herausforderungen. Die Pandemie hat uns für einen kurzen Augenblick verdeutlicht, wie verletzlich wir doch sind aber auch, wie viel Potenzial in der Gemeinschaft steckt.

“Kaffeeklatsch” in Zeiten von Corona 2020, das Leben ging irgendwie weiter.
Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.

Als stets gut informierter Bürgerverein wollten wir Ende 2020 die Nutzenden der beiden Garagenhöfe Krönerstraße und Liselotte-Herrmann-Straße davon in Kenntnis setzen, dass der städtische Grund, auf dem ihre Garagen stehen, in Zukunft für eine Grundschule genutzt werden soll. Damit traten wir allerdings Ereignisse los, die wir uns so nicht erträumt hatten.

Was seitdem passiert ist, das berichte ich in der nächsten Ausgabe, die im September erscheint.

Ulrike Gebhardt
Vorstand und Gründungsmitglied
Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.