Der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. fordert die Leipziger Verkehrsbetriebe und die Stadtverwaltung Leipzig auf in der Zweinaundorfer Straße dafür Sorge zu tragen, dass der Radverkehr sicher und unfallfrei stattfinden kann.
Anlass ist der jüngste Unfall eines Radfahrers am 12. Oktober 2026. Der Senior geriet mit den Rädern seines Fahrrades in den kaputten Sicherheitsstreifen und in die Rille der Straßenbahnschiene, stürzte und wurde von hinten von einem Linienbus angefahren. Der Radler erlitt schwere Verletzungen.
Unfallstelle in der Zweinaundorfer Straße – deutliche Schäden im Sicherheitsbereich der Straßenbahngleise Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.
„Seit Jahren ist die Unfallstelle in der Zweinaundorfer Straße stadtauswärts Höhe Hausnummer 8/10 bekannt. Regelmäßig steigen dort Radfahrerinnen und Radfahrer unfreiwillig von ihren Fahrzeugen ab“, sagt Ulrike Gebhardt vom Vorstand des Bürgervereins. Meist passieren die Unfälle ohne eine Beteiligung Dritter und ohne größere Verletzungen. Diese Unfälle fließen dann auch nicht in die Statistik ein.
Die Ursache für die Unfälle sind die Straßenbahnschienen, die im Straßenverlauf auf den ruhenden Verkehr zulaufen. Radfahrende müssen sich entscheiden, wann sie von der rechten Seite in die Mitte der Schienen wechseln. Dann kann es passieren, vor allem, wenn von hinten auch noch gedrängelt wird, die Straße nass ist.
Gefähliche Stelle für den Radverkehr, der zwischen parkenden Autos und den Straßenbahngleisen wechseln muss Foto: Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V.
„Nicht nur die Schiene ist gefährlich für Radfahrerinnen und Radfahrer. Auch der Sicherheitsstreifen neben dem Gleis weist inzwischen große Schäden aufweist. Diese Kombination ist dem Senior wohl zum Verhängnis geworden“, sagt Gebhardt.
Zuletzt im Juli 2025 hatte der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. darum gebeten, sich im Zuge der Kanalsanierung in der Zweinaundorfer Straße mit der Straßenoberfläche und den Schienen zu beschäftigen und für eine Verbesserung zu sorgen. Der Bürgerverein erhielt eine Absage aus dem Mobilitäts- und Tiefbauamt, von den Leipziger Verkehrsbetrieben und den Leipziger Wasserwerken.
Ulrike Gebhardt: „Nach dem jüngsten Unfall erwarten wir von den Leipziger Verkehrsbetrieben als Sondernutzer der öffentlichen Straßen zur Durchführung des ÖPNV und Eigentümer der Gleisanlagen, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden und mindestens die Gefahrenstelle entschärfen.“
Darüber hinaus erinnert der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. die Stadtverwaltung Leipzig an den Lärmaktionsplan und Radverkehrsentwicklungsplan. Beide Fachpläne sehen deutliche Verbesserungen für die Zweinaundorfer Straße vor. Die Anwohnerinnen und Anwohner zwischen Kippenberg- und Martinstraße warten seit Jahren auf das Tempo 30, welches zur Lärmminderung vorgesehen ist. Ebenso fehlt der Lückenschluss der Radverkehrsanlagen zwischen Breite Straße und Martinstraße.
Weil die Frage wiederholt aufkam, fasst der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. hier noch einmal die weiteren Schritte am Parkbogen zusammen.
In den Wochen nach der Eröffnung am 2. Oktober wird sich die Strabag unter dem Sellerhäuser Viadukt raus- und die Baustraße zurückbauen. Übrig bleibt dann eine nutzbare Wegeverbindung zwischen Wurzner Straße und Liselotte-Herrmann-Straße. Die Brückenbögen bleiben zunächst leer. Sie füllen sich aber über die Zeit mit grünem Klassenzimer, Calisthenicsanlage, etc.
Seit dem 12. Oktober wird südlich des Viadukts auf dem 450m langen Abschnitt „Gartenpark“ der Bewuchs durch eine Gartenbaufirma gepflegt. Ziel ist den gesunden und vitalen Baumbestand zu erhalten. Gehölzaufwuchs wird geschnitten und vor allem die Brombeeren auf der Dammkrone entfernt. Hinzu kommen Korrekturen an den am Hang befindlichen Gärten. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, starten gegen Ende dieses Jahres die eigentlichen Umbauten am Gartenpark. Es entstehen dann eine Geh- und Radwegverbindung in der Art und Weise des Viadukts. Hinzu kommen Gartenelemente, die z.B. mit Hochbeeten bestückt werden können. Außerdem wird es ein Gartenhaus (Pavillon) geben. Im Sommer 2028 sind diese Arbeiten zwischen Liselotte-Herrmann- und Theodor-Neubauer-Straße abgeschlossen.
Nördlich des Viaduktes wird die Brücke über die Eisenbahnstraße noch in diesem Jahr eingehangen, es gab Probleme beim Stahlbauer. Die Weiterführung zum Volksgarten sowie die Brücken über die Torgauer Straße sollen 2027 begonnen werden. Die Brücken werden im Bauschatten des Torgauer Platzes ersetzt mit einer größeren Durchfahrtshöhe der Torgauer Straße als bisher.
Am Freitag, 2. Oktober wird ein weiteres Stück Parkbogen Ost feierlich eröffnet und der Stadtgesellschaft übergeben. Daran teilzunehmen sind alle eingeladen.
Sehr lang hat es gedauert, aber nun ist es endlich soweit. Um 14 Uhr sind Lokalpolitik und Landschaftsarchitekten da. Es werden Lobreden gehalten und Bänder durchgeschnitten. Ab 14.45 Uhr wird es wieder unförmlicher. Es gibt dann Kuchen und Limo für Alle und einen super Blick über den Leipziger Osten.
Auch der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. ist vor Ort und fragt bei einer Mitmach-Performance noch einmal leicht-ironisch nach: „Wer hat eigentlich den Parkbogen erfunden?“
Kommt vorbei oder schaut euch das Sellerhäuser Viadukt zwischen Eisenbahnstraße und Liselotte-Herrmann-Straße am Wochenende an. Der Zugang erfolgt über die Rampe an der Liselotte-Herrmann-Straße oder eine der Treppen ebenda bzw. Wurzner Straße.
Auch in diesem Jahr lädt der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. zum Herbstputz ein.
Von 10-12 Uhr wird am Samstag, 19. September 2026 wieder aufgeräumt. Packt mit an! Anlass ist der World Cleanup Day aber auch die Europäische Mobilitätswoche, in deren Rahmen wir für mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sorgen wollen. Müllsäcke sind ausreichend vorhanden. Müllgreifer, Einweghandschuhe, Müllsäcke stehen ebenso bereit.
Im Anschluss spendiert der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. für alle Fleißigen eine Erfrischung. Treffpunkt: 10 Uhr Treppe zum Parkbogen, Polygraphplatz (vor der alten Feuerwache Ost, Gregor-Fuchs-Straße 45-47).
Am Nachmittag geht es dann gleich weiter beim Herbstfest der Ostwache. Der Bürgerverein ist ebenfalls ab 14 Uhr vor Ort und hat ein Glücksrad dabei, mit dem ihr “Wer kennt sich aus in Anger-Crottendorf” spielen könnt.
Leipzig will den Fußverkehr weiter fördern. Der Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP) ist ein Werkzeug um Problemstellen im Stadtgebiet zu erkennen und zu beheben. In der Analyse stellte sich heraus, dass Anger-Crottendorf die schlechtesten Gewege von allen 63 Stadt- und Orsteilen hat, ein Umstand, über den der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. seit vielen Jahren spricht.
Der ACA fragte bei Friedemann Goerl, Fußverkehrsverantwortlicher der Stadt Leipzig, nach, was mit dem FVEP in Anger-Crottendorf nun besser wird.
Der Leipziger Stadtrat verabschiedete im Juni den Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP), den Sie und ihr Team erarbeitet haben. Wozu brauchte es diesen Fachplan?
Die Stadt Leipzig besitzt ja schon seit fünf Jahren eine ambitionierte Fußverkehrsstrategie. Dort werden viele Leitlinien und Ziele für die Stadt definiert. Nun ist es aber so, dass mit Zielen und Worten alleine noch keine Maßnahmen umgesetzt werden. Hier setzt der FVEP an. Dieser Fachplan liefert zwar keine umfängliche und allumfassende Liste aller Maßnahmen für den Fußverkehr, er bietet aber erstmalig eine methodische und fachliche Grundlage, mit denen eine konkrete Bewertung der umfangreichen und laufend zu ergänzenden Bedarfsmeldungen über einen festgelegten Priorisierungsmechanismus erfolgen muss. Es gibt ja tausende kleine und größere Maßnahmen die wichtig und richtig sind, um den Fußverkehr zu fördern. Nur wo fängt man an und wo hört man auf? Der FVEP gibt erstmal eine strategische Priorisierung vor, die notwendig ist um trotz angespannter Haushaltslage Maßnahmen auf die Straße zu bringen und sich nicht im Wirrwarr der unzähligen Anforderungen und Ansprüche zu verlieren.
Im Jahr 2021 sind Sie auf Einladung des Bürgervereins schon einmal durch ein paar Problemstraßen gelaufen. Seit dem hat der Verein die Menschen für das Thema sensibilisiert und auch für die damalige Bürgerbeteiligung zum FVEP geworben. Warum hat der Fachplan eigentlich so lange auf sich warten lassen und wie bewerten Sie die Beteiligung?
Die Erstellung hat sich u.a. verzögert, da wir den gesamten Plan “in-house” entwickelt haben, da es in dieser Detailtiefe in Deutschland noch keine vergleichbaren Referenzprojekte gibt und somit auch keine externen Büros gebunden werden konnten. Herzstück ist der neue Bedeutungsplan, welcher eine systematische und datenbasierte Grundlage schafft, welche Straßen, Wege und Plätze für den Fußverkehr besonders wichtig sind. Hier sind wir ein Vorreiter unter den deutschen Großstädten, wir können nun über Geoinformationssysteme Maßnahmen priorisieren und Ressourcen gezielter einzusetzen.
Baustelle im Mai. Rund um den Konsum enstanden viele Bordabsenkungen, die das Gehen zu Fuß und das Queren der Straße erleichtern. Foto: ACA
Anger-Crottendorf, im Vergleich mit den 62 anderen Stadt- und Ortsteilen, schnitt besonders schlecht ab. Er belegt den letzten Platz. Was ist besonders negativ an den Gehwegen im Stadtteil aufgefallen?
Tatsächlich ist in Anger-Crottendorf der bauliche Zustand der Gehwege besonders schlecht. Wir haben hier eine Zustandsklasse von durchschnittlich 3,28 (Klasse 1 sehr gut, Klasse 5 sehr schlecht). Es ist auffällig, dass es im Leipziger Osten leider einen Schwerpunkt mit dieser Problemlage gibt, da auch die angrenzenden Ortsteile Sellerhausen-Stünz und Mölkau ähnlich schlechte Werte aufweisen. Im Vergleich sind in Anger-Crottendorf aber zum Glück fast überall Gehwege vorhanden und die Gehwegbreiten sind vergleichsweise gut. In Mölkau sieht es da z.B. viel schlechter aus. In Anger-Crottendorf gibt es zudem im Bestand noch sehr viele Bordsteine die nicht barrierefrei abgesenkt sind.
Ende Mai sind rund um den Konsum und entlang der Mascov- und Krönerstraße Bordsteine überwiegend im Kreuzungsbereich abgesenkt worden. Ist das erst der Anfang für eine bessere Infrastruktur?
Genau solche Maßnahmen wollen wir mit dem FVEP besser in den Blick bekommen. Es gibt in Leipzig tausende Stellen wo die Bordsteine nicht adäquat abgesenkt sind. Wir müssen ehrlicherweise priorisieren und natürlich ist z.B. rund um den Konsum der Bedarf besonders hoch, insbesondere um die Teilhabe von älteren Generationen im Alltag zu gewährleisten. Wir haben mittlerweile ein Sachgebiet aufbauen können, was direkt solche kleinen Projektrealisierungen auf die Straße bringen kann.
Gehweg an der Ecke Kröner-/ Segerstraße vor (li.) und nach den Bauarbeiten. Jetzt muss nur noch klar sein, dass man abgesenkte Borde nicht zuparkt oder Mülltonnen davor stellt. Foto: ACA
Was kostet eigentlich eine Bordabsenkung?
Das ist natürlich stark abhängig davon, was vor Ort noch zu erledigen ist z.B. notwendige Höhenanpassung im weiteren Gehwegbereich oder die Entwässerung. Aber man kann mit ca. 1.000 bis 5.000 Euro pro Bordsteinabsenkung rechnen. Wenn man bedenkt, dass wir zehntausende Stellen stadtweit absenken müssen, bleibt auch dies eine Herkulesaufgabe.
In der Gregor-Fuchs-Straße gibt es noch Nachholbedarf hinsichtlich einer guten Infrastruktur für den Fußverkehr. Der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. und das Mobilitäts- und Tiefbauamt arbeiten daran. Foto: ACA
Was erwartet die Menschen im Stadtteil als nächstes?
Die größten Veränderungen für den Fußverkehr werden sich wohl in Zukunft durch den Parkbogen Ost ergeben. Auch der neue Polygraphplatz wird stark in das Quartier ausstrahlen. Ansonsten werden wir das Thema sichere Schulwege noch mal stärker in den Fokus nehmen. Gerade an der Gregor-Fuchs-Straße gibt es noch Handlungsbedarf, da u.a. parkende Autos die Sichtbeziehungen an Querungsstellen verstellen.
———–
Das Interview „Tatsächlich ist in Anger-Crottendorf der bauliche Zustand der Gehwege besonders schlecht“ von Marcel Pruß erschien erstmals am 01.09.2026 im Anger-Crottendorfer Anzeiger 26/ 2026.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.