Am 24. Februar haben sich Anger-Crottendorfer Initiativen zum ersten Stammtisch getroffen. Bei der Veranstaltung im Schtreik! in der Theodor-Neubauer-Straße standen Kennenlernen, Vernetzung und Kooperation im Mittelpunkt.
“Der Bürgerverein hat auf mehrfachen Wunsch diese Veranstaltung organisiert und dazu eingeladen. Wir wollen damit den zahlreichen Initiativen im Stadtteil Raum für einen Austausch und verbesserte Absprachen geben”, sagte Ulrike Gebhardt vom Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. Neben zahlreichen Gesprächen wurden auch die jeweiligen Veranstaltungskalender der teilnehmenden Initiativen abgeglichen. Einige Kooperationen bahnten sich dabei bereits an. “Die gesammelten Veranstaltungen wird der Bürgerverein aufarbeiten und den Menschen in Anger-Crottendorf auf seiner Homepage für einen besseren Überblick zur Verfügung stellen”, freute sich Gebhardt über das gelungene Format.
Viele Veranstaltungen finden auch 2026 im Stadtteil statt. Beim Stammtisch von Anger-Crottendorfer Initiativen gab es die Möglichkeit für Absprachen und Kooperation. Foto: ACA
Für den gewissen Mehrwert sorgte das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung (AWS). Marlen Försterling und René Zieprich fassten in einem Impulsvortrag zu Beginn zusammen, welche Projekte die Stadtverwaltung in den letzten Jahren im Stadtteil umgesetzt hat und welche noch folgen werden. In der anschließenden Fragerunde beantworteten beide geduldig die Fragen der Teilnehmenden. Mit den Informationen können diese nun in ihrer täglichen Arbeit dazu Stellung beziehen und in ihren Netzwerken weiterverbreiten. Aber auch das AWS nahm die eine oder andere Anregung mit ins technische Rathaus.
Und wie geht es nun weiter? “Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass ein Austausch der zahlreichen ehrenamtlich Engagierten im Stadtteil sehr fruchtbar sein kann. Wir werden den Stammtisch nun verstetigen und in regelmäßigen Abständen durchführen”, zeigte sich Gebhardt mit den Ergebnissen zufrieden.
Warum sollte mensch sich mit dem Abwasserkreislauf beschäftigen? Weil er uns betrifft – täglich, leise, zuverlässig. Wir drücken die Spülung und das Thema verschwindet im Rohr. Solange das Klopapier nicht alle ist oder nichts verstopft, bleibt es unsichtbar. Zu Hause oder bei der Arbeit funktioniert das meist reibungslos. Doch wer länger auf dem Spielplatz steht, durch die Innenstadt streift oder im Park feiert, merkt schnell: Öffentliche Toiletten sind keine Nebensache. Für viele, insbesondere für Frauen, sind sie eine Frage von Sicherheit, Gesundheit und Würde.
Ein Blick zurück zeigt, wie eng Stadtentwicklung und Sanitärversorgung verbunden sind. Ende des 17. Jahrhunderts begannen die Leipziger Stadtväter, sich über den wachsenden Unrat in Straßen und Gewässern zu sorgen. Plumpsklos und Sickergruben waren damals üblich – zugleich Brutstätten für Keime und Auslöser von Cholera, Ruhr und anderen Krankheiten. Mit der Industrialisierung und dem rasanten Wachstum der Stadt wurde die Abwasserentsorgung existenziell. Die Kanalisation entstand, und um 1900 verfügte Leipzig über mehr als 150 öffentliche Bedürfnisanstalten – viele bereits mit Wasserspülung.
Rund 126 Jahre später sind sie weitgehend verschwunden. In einer wachsenden Stadt kehrt das Thema allerdings mit neuer Dringlichkeit zurück. Mit dem 2025 vom Stadtrat einstimmig beschlossenen “Gesamtstädtisches Umsetzungskonzept für öffentliche Sanitäranlagen der Stadt Leipzig” oder kurz “Toilettenkonzept” (VII-DS-09871-NF-01) will Leipzig nun wieder Anlagen in Parks, Spielplätzen und stark frequentierten Orten schaffen – zeitgemäß, barrierearm und nachhaltig. Öffentliche Toiletten kosten Geld: Wasser, Abwasser, Reinigung, Wartung. Deshalb wurden unterschiedliche Anbieter und Modelle in der jüngeren Vergangenheit getestet und der jährliche, finanzielle Aufwand kalkuliert.
Die Trockentoilette im Lene-Voigt-Park wurde während der Testphase 2025 sehr gut angenommen. Foto: Gisela Ritschel
Das Thema Orte für Bedürfnisse stand auch im Mittelpunkt einer launigen Veranstaltung des Bürgervereins Anger- Crottendorf e.V. zum Welttoilettentag am 19. November 2025. Der Referent und Koordinator für öffentliche Sanitäranlagen in Leipzig, Marco Schlütter, erläuterte zu Beginn des Programms das Konzept der Stadtverwaltung, mit dem zukünftig mehr öffentliche Toiletten geschaffen werden sollen. Im Anschluss lief der Dokumentarfilm “Holy Shit” von Rubén Abruña. Der Film widmet sich einem oft übersehenen Thema, dem unterbrochenen Recyclingkreislauf menschlicher Ausscheidungen. Was in der Landwirtschaft mit tierischem Mist selbstverständlich ist, wird mit menschliche Fäkalien bislang kaum angewandt. Dabei zeigen Beispiele weltweit, wie durch Kompostierung oder Fermentation Dünger und sogar Wärme entstehen können – besonders dort, wo Kanalisation und wasserintensive Klärwerke fehlen.
Das Prinzip ist denkbar schlicht: sammeln, mit Pflanzen- fasern mischen, kompostieren, trocknen. Doch so einfach geht das hier nicht. In Deutschland dürfen menschliche Fäkalien bislang nicht als Dünger eingesetzt werden, da die rechtlichen Grundlagen dafür fehlen. Gleichwohl gewinnen sogenannte Trocken- toiletten schon heute immer mehr an Bedeutung. Sie benötigen keinen Wasser- anschluss, sind flexibel ein- und versetzbar und wurden 2024 bereits im Lene-Voigt-Park getestet – und übrigens auch bei jedem „Tanz in den Mai“ auf dem Trinitatisplatz, eine Veranstaltung, die der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. seit Jahren organisiert. So auch in diesem Jahr wieder (s. letzte Seite).
Die Frage der Entsorgung ist also immer noch ungeklärt. Die Stadt Leipzig plant gemeinsam mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen eine ordnungsgemäße Behandlungslogistik zu entwickeln. Mit Ratsbeschluss und Entsorgungslogistik werden 2026 im Lene-Voigt-Park und im Stadtteilpark Rabet feste Trockentoiletten zur Verfügung stehen – wenn das Geld reicht.
Und warum profitieren Frauen besonders? Weil Hygiene und Sicherheit keine Randthemen sind. Frauen menstruieren. Starke Blutungen, fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder mangelnde Waschgelegenheiten bergen gesundheitliche Risiken und schränken Bewegungsfreiheit ein. Öffentliche Toiletten sind deshalb auch Orte des Schutzes und der Selbstverständlichkeit.
Der Abwasserkreislauf ist also mehr als ein technisches Detail. Er erzählt von Stadtgeschichte, von Gesundheitspolitik und von der Frage, wie wir miteinander leben wollen. Manchmal beginnt Fortschritt eben dort, wo sonst nur gespült wird.
———–
Der Beitrag „Leipzig will wieder mehr öffentliche Toiletten bauen“ von Ulrike Gebhardt erschien erstmals am 01.04.2026 im Anger-Crottendorfer Anzeiger 25/ 2026.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.