Warum die 74. Grundschule jetzt Christian-Morgenstern-Schule heißt

Seit dem 1. August gibt es einen neuen Schulnamen im Stadtteil. Aus der schnöden “74.” wurde die “Christian-Morgenstern-Schule – Grundschule der Stadt Leipzig”.

Grundlage dafür ist eine Richtlinie der Stadt Leipzig zur Namensgebung für Schulen (VII-DS-06249), die in der Ratsversammlung am 19. Januar 2022 beschlossen wurde. Damit sind neu eingerichtete Schulen verpflichtet, innerhalb von drei Jahren nach Selbstständigwerden einen Antrag auf Schulnamensgebung beim Amt für Schule einzureichen. Schulen, die noch eine Schulnummer tragen, sollen bis Ende 2027 einen Prozess der Schulnamensgebung begonnen haben.

An der damaligen noch 74. Grundschule begann dieser Prozess im August 2024, nachdem schon im Jahr zuvor erste Überlegungen aufkamen. “Der Wunsch bestand darin, einen Eigennamen zu erhalten, mit dem inhaltlich und pädagogisch gut gearbeitet werden kann. Wichtig war und ist uns, einen direkten Bezug zum Lehrplan herstellen zu können”, heißt es im “Pädagogischem Konzept zur Schulnamensgebung”, welches eine Arbeitsgruppe der Grundschule geschrieben hat. “Die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler, das Hortteam sowie die Elternschaft sollen sich gut mit dem Namen identifizieren können. Es sollte ein eingäng-iger und wohlklingender Name werden, der durchaus schon bekannt ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat.”

Damit war der Rahmen gesetzt. Der Inhalt folgte in mehreren Stufen. Nach Gründung des “Team Schulname”, welches sich aus dem Kreis der Lehrer-innen und Lehrer der Schule formte und das Organisatorische zu bearbeiten hatte, bekamen sehr schnell alle Nutzergruppen die Möglichkeit ihre Namensvorschläge abzugeben. Auch das Hort-Team, der Kinderrat und der Elternrat der Schule wurden in die Phase der Namensfindung aktiv einbezogen.

Von den Kindern kamen spontane Vorschläge wie „Regenbogenschule“, „Die bunte Schule“, „Die Sternenschule“ oder „Freundschaftsschule“. Das passt zwar zur o.g. Zielstellung, aber namensgebend sollte eine geeignete, bereits verstorbene Person sein. Dennoch, diese Vorschläge spiegeln ganz wunderbar das tägliche (Er-)Leben an einer Grundschule wider, deren Einzugsgebiet von großer Multinationalität und Vielfalt geprägt ist. Der Anteil von Familien aus anderen Herkunftsländern beträgt ca. 50%. Man findet an der Schule Menschen, die in unterschiedlichsten Familienformen zusammenleben, sowie Kinder und Familien aus fast allen Einkommensschichten.

Das “Team Schulname” sichtete und bearbeitete die eingereichten Vorschläge aller Beteiligten.
Einige weitere Vorschläge waren: Heinrich Heine, Hannah Ahrendt, Carl Christoph Vogel (Ehrenbürger Leipzigs), Fanny Götz (Sportlerin), Hertha Wunder-Fey (Sportlerin), Clara Zetkin, Friedrich Dittes und Christian Morgenstern.
Alle Personen wurden hinsichtlich ihrer konzeptionellen Eignung und in Verbindung zum Schulkonzept angeschaut und geprüft. Es kristallisierten sich am Ende zwei Namen heraus, die große Resonanz und Begeisterung bei allen Beteiligten auslösten: Clara Zetkin und Christian Morgenstern.

Im November wurde dann final abgestimmt. Die Schülerinnen und Schüler, die Elternschaft, das Lehrer- und Hort-Team, selbst die Mitarbeitenden der Schulverwaltung und der Küche wählten ihren favorisierten Namen. Und dann stand das Ergebnis endlich fest: Christian Morgenstern 107 Stimmen, Clara Zetkin 55 Stimmen.

Es folgte noch der Weg durch die Stadtverwaltung in Form des Amtes für Schule und einer Anhörung im Stadtbezirksbeirat Ost. Am 25. Juni 2025 stimmte dann auch der Leipziger Stadtrat einstimmig für die Umbenennung. Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte seine besondere Freude an der Namensgebung während der Abstimmung im Rat. Jung, selbst lange Zeit Deutschlehrer bevor er in die Leipziger Verwaltung und später in die Stadtpolitik wechselte, empfahl den Ratsmitgliedern dringend Gedichte von Christian Morgenstern. “Das kühlt ab nach einer Stadtratssitzung.”

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Das 30-Seitige “Pädagogische Konzept zur Schulnamensgebung Christian-Morgenstern-Schule – Grundschule der Stadt Leipzig” mit allen Meilensteinen, Abstimmungsergebnissen und Begründungen kann hier als pdf-Datei runtergeladen und nachgelesen werden: www.is.gd/E2ixap

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Der Beitrag „Warum die 74. Grundschule jetzt Christian-Morgenstern-Schule heißt“ von Darius N. Ehrlicher erschien erstmals am 01.09.2025 im Anger-Crottendorfer Anzeiger 24/ 2025.

Alle Ausgaben des Stadtteilheftes stehen unter folgendem Link als Download zur Verfügung: www.bv-anger-crottendorf.de/anger-crottendorfer-anzeiger

Zur Wahrheit gehört auch…

Wenig Abkühlung zeigen einige Menschen im Stadtteil, die u. a. den Kindern der Grundschule und der Kita gegenüber den neuen verkehrsberuhigten Bereich der Stünzer Straße dazwischen schon nicht gönnen wollen [der ACA berichtete]. Eben jene, darunter auch das an dieser Stelle mit selbiger Überschrift schon öfter aufgeführte Mitglied im Stadtbezirksbeirat-Ost für die CDU, äzten in den Sozialen Medien gegen die Namensgebung und zugleich auch gegen die anderen Mitglieder des Beirats, die sich für die Umbenennung ausgesprochen hatten. Wie der Anger-Crottendorfer Anzeiger aus informierten Kreisen erfuhr, werden das Thema und die herablassenden Äußerungen dazu im Stadtbezirksbeirat noch einmal ausgewertet.

Vielleicht sollten sich diese Leute auch folgende Worte von Christian Morgen– stern zu Herzen nehmen. Sie sind im “Pädagogischen Konzept zur Schulnamensgebung” niedergeschrieben:

„Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Macht Euch nur von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“