Eine Hauseinfahrt in der Wichernstraße: zugeparkt. Eine Sperrfläche vor dem Supermarkt: von einem Auto blockiert. Ein Durchgang für Fußgänger an einem abgesenkten Bordstein: von Autos versperrt. Eine beliebige Kreuzung im Viertel: kein freier Blick auf die Straße, weil… richtig: von Autos zugestellt.
Viele Menschen in Anger-Crottendorf, ob jung oder alt, ob sportlich oder gebrechlich sind mit dem gleichen Problem konfrontiert. Fast überall stehen illegal geparkte Autos und sorgen für gefährliche Situationen.
Das ist nicht nur deshalb problematisch weil immer mehr Menschen zu Fuß gehen. Die Leipzigerinnen und Leipziger erledigen mittlerweile mehr als ein Drittel ihrer alltäglichen Wege zu Fuß. Dieser Anteil ist seit 2003 sogar um mehr als sieben Prozent angewachsen. So werden auch in Anger-Crottendorf täglich sehr viele Wege per pedes gemacht. Sei es der kurze Weg zum Bus oder zum nahegelegenen Supermarkt. Oder zu sozialen Einrichtungen wie Kita, Schule, Arzt. Oder schnell rüber zum Schrebergarten. Sogar der Weg zum Auto wird gelaufen!
Anger-Crottendorf bietet eigentlich sehr gute Voraussetzungen, um zu Fuß schnell und komfortabel voranzukommen. Es gibt viele Straßen mit ausreichend breiten Gehwegen. Viele davon sind mit Bäumen gesäumt und bieten vor allem im Sommer ein angenehmes Klima. Die Fußwege führen zwischen Häusern hindurch und in den Seitenstraßen lässt es sich teils wunderbar flanieren.
Problematisch wird es an Kreuzungen, Einmündungen und vor Fußgängerquerungen. Dort versperren rechtswidrig abgestellte Autos, wie die Beispiele zu Beginn zeigen, zu oft die Sicht und verhindern ein Durchkommen. So entstehen reihenweise gefährliche Situationen. Genauso problematisch sind vermeintlich ungeregelte Flächen. Auch hier wird mittlerweile hemmungslos geparkt. Ein Zustand, der einem lebenswerten Quartier wie Anger-Crottendorf gar nicht gut zu Gesicht steht und der dringend geändert werden muss.

Foto: ACA
Grund genug, dieses Problem in einer Veranstaltung mit anderen Betroffenen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Deshalb organisierte der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. am 3. Juni einen Workshop mit dem Titel „Ich will doch nur über die Straße“.
In einer engagierten Runde wurden zunächst etliche Problemstellen zusammengetragen. Viele Eltern beschwerten sich über zugeparkte Schulwege, über durch Autos versperrte Flächen in Fußgängerbereichen oder auf Grünflächen. Auch die Situation im weiteren Bereich von Spielplätzen wurde bemängelt. Und schließlich fehlt an der einen oder anderen Stelle der Gehweg komplett bzw. endet im Nirgendwo. Und immer wieder wurde auf die Gefahren hingewiesen, die entstehen, wenn keine freie Sicht auf eine Kreuzung möglich ist.

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Dabei ist die Straßenverkehrsordnung eindeutig. Denn alle genannten Beispiele haben eine Sache gemeinsam: Das Abstellen oder Parken von Autos ist in diesen Bereichen verboten!
„Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen (…) so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ So steht es in der Straßenverkehrsordnung (genau: §3 Abs. 2a StVO). Das ist der Grundsatz, an den sich vor allem Autofahrer halten müssen – auch das Parken gehört hier dazu. Die StVO schreibt hierzu z.B. vor: „Hinter jeder Einmündung ist ein Sichtfeld von fünf Metern einzuhalten.“ (§12 Abs. 3 StVO). Außerdem ist das Parken vor Grundstücksein und -ausfahrten sowie vor Bordsteinabsenkungen unzulässig und wird mit einem Bußgeld bestraft (§12 Abs. 3 Nr. 3 und 5 StVO).
Wie also Recht durchsetzen und dafür sorgen, dass die Anwohnenden des Viertels sicher über die Straße kommen? Auch darüber wurde intensiv diskutiert. Die Vorschläge reichten von Sensibilisierungskampagnen über Gespräche mit der Stadtverwaltung, wie die Situation verbessert werden kann (z.B. durch den Bau von sog. Gehwegnasen oder das Aufstellen von Pollern) bis hin zu drastischeren Maßnahmen wie der Anzeige von Falschparkern beim Ordnungsamt. Auch das sofortige Abschleppen von gefährlich abgestellten Fahrzeugen wurde diskutiert.

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Einig waren sich indes alle Teilnehmenden des Workshops bei einer Sache: Wenn sich die Autofahrenden einfach nur an die bestehenden Regeln halten, wird die Lage in Anger-Crottendorf für alle Fußgängerinnen und Fußgänger schnell viel sicherer. Davon profitiert das ganze Viertel. Nicht nur die Kinder und Älteren, die wieder gefahrlos die Straße überqueren können, sondern auch z.B. der Bäcker, bei dem man im Vorbeilaufen seine Brötchen holt. Wenn man dann auf dem Weg noch Nachbarn und Bekannten begegnet, kommt Leben ins Viertel und die Straßen werden zu einem Ort der Begegnung.
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Workshop: “Zu Fuß und per Rad über die Zweinaundorfer Straße”
17. September, 17-19 Uhr, direkt vor Ort
Die Situation für Fußgänger und Radfahrer zur Querung der Zweinaundorfer Straße ist an vielen Stellen stark verbesserungswürdig. Als konkretes Beispiel wird der stark frequentierte Abschnitt im Bereich Bahnbrücke, Wichernstraße, Herrnhuter Straße genauer in den Blick genommen. Im Rahmen dieses Workshops werden Problemstellen identifiziert und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet.
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Der Beitrag „‘Ich will doch nur über die Straße’ Bürgerverein veranstaltet Workshop zum Thema ‘Queren im Quartier’“ von Michael Schmiedel erschien erstmals am 01.09.2025 im Anger-Crottendorfer Anzeiger 24/ 2025.
Alle Ausgaben des Stadtteilheftes stehen unter folgendem Link als Download zur Verfügung: www.bv-anger-crottendorf.de/anger-crottendorfer-anzeiger
