Leipzig will den Fußverkehr weiter fördern. Der Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP) ist ein Werkzeug um Problemstellen im Stadtgebiet zu erkennen und zu beheben. In der Analyse stellte sich heraus, dass Anger-Crottendorf die schlechtesten Gewege von allen 63 Stadt- und Orsteilen hat, ein Umstand, über den der Bürgerverein Anger-Crottendorf e.V. seit vielen Jahren spricht.
Der ACA fragte bei Friedemann Goerl, Fußverkehrsverantwortlicher der Stadt Leipzig, nach, was mit dem FVEP in Anger-Crottendorf nun besser wird.
Der Leipziger Stadtrat verabschiedete im Juni den Fußverkehrsentwicklungsplan (FVEP), den Sie und ihr Team erarbeitet haben. Wozu brauchte es diesen Fachplan?
Die Stadt Leipzig besitzt ja schon seit fünf Jahren eine ambitionierte Fußverkehrsstrategie. Dort werden viele Leitlinien und Ziele für die Stadt definiert. Nun ist es aber so, dass mit Zielen und Worten alleine noch keine Maßnahmen umgesetzt werden. Hier setzt der FVEP an. Dieser Fachplan liefert zwar keine umfängliche und allumfassende Liste aller Maßnahmen für den Fußverkehr, er bietet aber erstmalig eine methodische und fachliche Grundlage, mit denen eine konkrete Bewertung der umfangreichen und laufend zu ergänzenden Bedarfsmeldungen über einen festgelegten Priorisierungsmechanismus erfolgen muss. Es gibt ja tausende kleine und größere Maßnahmen die wichtig und richtig sind, um den Fußverkehr zu fördern. Nur wo fängt man an und wo hört man auf? Der FVEP gibt erstmal eine strategische Priorisierung vor, die notwendig ist um trotz angespannter Haushaltslage Maßnahmen auf die Straße zu bringen und sich nicht im Wirrwarr der unzähligen Anforderungen und Ansprüche zu verlieren.
Im Jahr 2021 sind Sie auf Einladung des Bürgervereins schon einmal durch ein paar Problemstraßen gelaufen. Seit dem hat der Verein die Menschen für das Thema sensibilisiert und auch für die damalige Bürgerbeteiligung zum FVEP geworben. Warum hat der Fachplan eigentlich so lange auf sich warten lassen und wie bewerten Sie die Beteiligung?
Die Erstellung hat sich u.a. verzögert, da wir den gesamten Plan “in-house” entwickelt haben, da es in dieser Detailtiefe in Deutschland noch keine vergleichbaren Referenzprojekte gibt und somit auch keine externen Büros gebunden werden konnten. Herzstück ist der neue Bedeutungsplan, welcher eine systematische und datenbasierte Grundlage schafft, welche Straßen, Wege und Plätze für den Fußverkehr besonders wichtig sind. Hier sind wir ein Vorreiter unter den deutschen Großstädten, wir können nun über Geoinformationssysteme Maßnahmen priorisieren und Ressourcen gezielter einzusetzen.

Foto: ACA
Anger-Crottendorf, im Vergleich mit den 62 anderen Stadt- und Ortsteilen, schnitt besonders schlecht ab. Er belegt den letzten Platz. Was ist besonders negativ an den Gehwegen im Stadtteil aufgefallen?
Tatsächlich ist in Anger-Crottendorf der bauliche Zustand der Gehwege besonders schlecht. Wir haben hier eine Zustandsklasse von durchschnittlich 3,28 (Klasse 1 sehr gut, Klasse 5 sehr schlecht). Es ist auffällig, dass es im Leipziger Osten leider einen Schwerpunkt mit dieser Problemlage gibt, da auch die angrenzenden Ortsteile Sellerhausen-Stünz und Mölkau ähnlich schlechte Werte aufweisen. Im Vergleich sind in Anger-Crottendorf aber zum Glück fast überall Gehwege vorhanden und die Gehwegbreiten sind vergleichsweise gut. In Mölkau sieht es da z.B. viel schlechter aus. In Anger-Crottendorf gibt es zudem im Bestand noch sehr viele Bordsteine die nicht barrierefrei abgesenkt sind.
Ende Mai sind rund um den Konsum und entlang der Mascov- und Krönerstraße Bordsteine überwiegend im Kreuzungsbereich abgesenkt worden. Ist das erst der Anfang für eine bessere Infrastruktur?
Genau solche Maßnahmen wollen wir mit dem FVEP besser in den Blick bekommen. Es gibt in Leipzig tausende Stellen wo die Bordsteine nicht adäquat abgesenkt sind. Wir müssen ehrlicherweise priorisieren und natürlich ist z.B. rund um den Konsum der Bedarf besonders hoch, insbesondere um die Teilhabe von älteren Generationen im Alltag zu gewährleisten. Wir haben mittlerweile ein Sachgebiet aufbauen können, was direkt solche kleinen Projektrealisierungen auf die Straße bringen kann.

Foto: ACA
Was kostet eigentlich eine Bordabsenkung?
Das ist natürlich stark abhängig davon, was vor Ort noch zu erledigen ist z.B. notwendige Höhenanpassung im weiteren Gehwegbereich oder die Entwässerung. Aber man kann mit ca. 1.000 bis 5.000 Euro pro Bordsteinabsenkung rechnen. Wenn man bedenkt, dass wir zehntausende Stellen stadtweit absenken müssen, bleibt auch dies eine Herkulesaufgabe.

Foto: ACA
Was erwartet die Menschen im Stadtteil als nächstes?
Die größten Veränderungen für den Fußverkehr werden sich wohl in Zukunft durch den Parkbogen Ost ergeben. Auch der neue Polygraphplatz wird stark in das Quartier ausstrahlen. Ansonsten werden wir das Thema sichere Schulwege noch mal stärker in den Fokus nehmen. Gerade an der Gregor-Fuchs-Straße gibt es noch Handlungsbedarf, da u.a. parkende Autos die Sichtbeziehungen an Querungsstellen verstellen.
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Das Interview „Tatsächlich ist in Anger-Crottendorf der bauliche Zustand der Gehwege besonders schlecht“ von Marcel Pruß erschien erstmals am 01.09.2026 im Anger-Crottendorfer Anzeiger 26/ 2026.
Alle Ausgaben des Stadtteilheftes stehen unter folgendem Link als Download zur Verfügung: www.bv-anger-crottendorf.de/anger-crottendorfer-anzeiger
